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Tapfer bleiben für die Topform

Manuel Fischer im Fitnessraum.

von Manuel Fischer

Manuel Fischer.

Wie jeden Samstagmorgen spule ich mein Programm im Fitnesscenter ab und verlange nach dem Krafttraining an der Bar nach einem Espresso. Letzthin versucht mich ein junger Trainer vom falschen Weg abzubringen und fordert mich mit einem Lächeln auf, doch auch einmal einen Proteinshake auszuprobieren. Und schon holt er aus dem Regal ein Halbliter-Glas. Ich wehre mich gegen ein allzu grosszügiges Einfüllen einer mir unbekannten weissen Flüssigkeit. Für Anfänger empfiehlt mir der Trainer einen Molkenproteindrink – in der Fitnessszene «Whey» genannt – mit Ananas-Geschmack. Sieht aus wie Baugips und – wie befürchtet – schmeckt auch so. Ich kämpfe mich durch das dickflüssige Etwas, das wohl künstlich gesüsst ist. Ich soll mir nicht zu viel dabei denken und den Drink hinunterstürzen; weg ist weg, sagt der Fachmann. Und schliesslich diene das Proteinkonzentrat dem Muskelaufbau nach dem Training. Nicht erwähnt hat er, dass einige Marken Farbstoffe oder Löslichkeitsverstärker enthalten sollen.
Nach der Mutprobe mit drei Dezilitern proteinhaltigem Weiss komme ich doch noch zu meinem Espresso – so will es die Tradition! Ich wühle auf dem mit Magazinen bedeckten Tischchen und entdecke ausnahmsweise eine Tageszeitung. Eine Kurznachricht: 640 Millionen Menschen sind übergewichtig oder fettleibig gemäss der offenbar bisher umfangreichsten weltweiten Studie zum Body-Mass-Index (BMI). Nun muss man wissen: Die Verwendung des BMI für die Diagnose von körperfettbedingtem Übergewicht anhand fest definierter Grenzwerte ist sehr umstritten. Und die Tatsache, dass vor vier Jahrhunderten eine Menschheit aus 640 Millionen Menschen sich wohl mehr schlecht als recht ernährte, steht im harten Gegensatz zu unserem geschäftigen Tun, mit Ernährungscoachings und Workouts in die Topform zu kommen. Ich drehe mich zum Espresso zurück, verlange nach einem Zuckertütchen und einem Caramelbiscuit und lasse es mir richtig gut gehen.