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Superfoods kritisch hinterfragt

Die Liste der sogenannten Superfoods ist fast endlos und wird stetig länger: Chiasamen, Macawurzel, Acaibeere, Spirulina-Alge, Grüntee, Aloe Vera u.v.m sind heute in den Medien superpräsent. Ist es Dichtung oder Wahrheit?

von pd/gb

Die peruanische Macawurzel gilt als Superfood und wird als aphrodisierend, leistungs-, fruchtbarkeits und potenzfördernd angepriesen ähnlich wie Ginseng in Asien. Andere Superfoods seien Nährstoffbomben oder haben gemäss Marketingstrategen und Publikumsmedien funktionelle Eigenschaften. Seriöse Ernährungsexperten relativieren dies.

Als Superfood werden sehr unterschiedliche Lebensmittel angepriesen. Chia ist der Samen eines südamerikanischen Pseudogetreides, Açai eine Beere aus dem Amazonasgebiet und Federkohl ein in Vergessenheit geratenes Gemüse, das unsere Vorfahren bereits zu schätzen wussten. Ihnen allen werden beinahe sagenhafte Wunderwirkungen zugeschrieben. Superfoods sollen unseren Körper mit einem Extra an lebenswichtigen Nährstoffen versorgen, gegen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, das Altern und sogar allerlei Krankheit wirken.

Die meisten dieser Behauptungen haben keinen wissenschaftlichen Hintergrund. Entsprechend steht die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE diesem Trend kritisch gegenüber. Einverstanden, Superfoods liefern unserem Körper wichtige Nährstoffe. Aber tun das nicht auch gewöhnliche Lebensmittel? Es ist sicherlich spannend, die Nährwertdaten von einzelnen Gemüsen zu vergleichen und dabei zu erkennen, dass der in Vergessenheit geratene Federkohl in Sachen Vitamin- und Mineralstoffgehalt einiges zu bieten hat. Doch auch er liefert nicht das ganze Spektrum an möglichen Nährstoffen. Ein einzelnes Lebensmittel kann also nicht für eine ganze Lebensmittelgruppe stehen und allein alle Nährstoffe abdecken. Die SGE empfiehlt eine abwechslungsreiche Auswahl an Lebensmitteln, um so von allen Vorteilen zu profitieren.

Besonders kritisch betrachtet die SGE auch die häufig langen Transportwege, die doch einige Superfoods hinter sich haben. Diese sind vor allem dann fraglich, wenn es einheimische Lebensmittel gibt, die ein ähnliches Nährstoffspektrum wie das exotische Pendant aufweisen. So stehen beispielsweise hiesige Leinsamen den Chia-Samen beim Gehalt von Omega-3 Fettsäuren in nichts nach.

Die SGE empfiehlt eine ausgewogene Ernährung gemäss der Schweizer Lebensmittelpyramide. Einheimische Lebensmittel, die als Superfoods vermarktet werden, haben darin durchaus ihren Platz.

Es gibt bisher aber keine Anhaltspunkte, dass der gezielte Verzehr von Superfoods konkrete Vorteile bringt.

Der gesamte Lebensstil, dazu zählen neben Ernährung auch Bewegung und Entspannung, ist für die Gesundheit des Menschen entscheidend, nicht einzelne Produkte. Die aktuelle Ausgabe der SGE-eigenen Ernährungszeitschrift tabula befasst sich eingehend mit dem Thema «Superfoods» und bietet unter anderem einen Überblick über einige als «Superfoods» vermarkteten Lebensmittel. Weitere Infos: SGE-Website www.sge-ssn.ch/ > tabula