Datum: Branche:

Migros: Weniger Gewinn und trotzdem mehr Marktanteil

Der Detailhändler hat trotz Einkaufstourismus und Frankenstärke einen leichten Umsatzgewinn gemacht. Zudem gewannen die Zürcher Marktanteile.

von hps

Herbert Bolliger und Marketingchef Hansueli Siber können zufrieden sein.

«Wir sind vermutlich der grösste Investor der Schweiz». Dies sagte Migros-Finanzchef Jörg Zulauf an der Vorstellung der Jahreszahlen 2015 der Migros in Zürich. Die durchschnittlich alljährlichen 1,2 Milliarden Franken investiere der Grossverteiler aber nicht etwa leichtsinnig. Vorsichtig, umsichtig und mit einem lanfristigen Fokus würde der Milliardenbetrag eingesetzt.

«Wir investieren nur dort, wo wir selber auch etwas verstehen»,

so Zulauf. Zwar belief sich der investierte Betrag im 2014 auf rund 1,6 Milliarden Franken. Doch im Durchschnitt der Jahre sei der Trend steigend. Der leicht tiefere Betrag spiegelt die Verhältnisse des Detailhändlers wider. Der Umsatz im 2015 ist nur leicht, von 27 375 Millionen Franken auf 27 406 Millionen gestiegen. Das Wachstum von 0,1 Prozent stellt für Migros aber im Vergleich mit anderen Händlern der Schweiz bereits einen Erfolg dar. So setzte der Mitbewerber in der gleichen Gewichtsklasse, Coop, ganze 4,7 Prozent weniger um.  Der Gewinn ist zwar um 34 Prozent auf 791 Millionen gesunken, dennoch ist es Migros gelungen, den Anteil am Heimmarkt auszubauen, wie die Berechnungen der BAK Basel zeigen. Migros erreichte 2015 eine Quote von 21,2 Prozent, im 2014 lag der Marktanteil noch bei 20,4 Prozent. Einen anderen Erfolg rief Konzernchef Herbert Bolliger in Erinnerung. Die Umsätze in Migros’ Nachhaltigkeitslabels haben allesamt zugelegt und niemand verkaufe mehr nachhaltige Produkte als die Migros.

«Der Biomarkt in der Schweiz wächst hauptsächlich wegen der Migros»

Mit diesen Worten doppelte Marketingchef Hansueli Siber nach. Dabei gehe Migros das Thema Bio anders an als die anderen. Bio sei nämlich ein lustvolles Thema und kein «Büsserthema», wie Siber sagte. Beim Label Terra Suisse steigerten sich die Verkäufe um 6,5 Prozent auf 714 Millonen Franken, Bio um 14,8 Prozent auf 681 Millionen, bei Utz Certifieds (Kakao, Kaffee, Tee) um 7,7% auf 509 Millionen. Max Havelaar mit dem genau gleichen Steigerungssatz von 7,7 Prozent. Dabei zeige sich, dass die beiden Labels gut in einer Koexistenz leben könnten, wie Siber meinte. Die Kategorie Fisch, wo Migros grosse Ziele hat mit eigenen Fischaquakulturen, steigerte sich im ASC-Label um ganze 165,2 Prozent. MSC, also diejenigen Fische, welche in Freiheit gefangen wurden, legte um 26,3 Prozent zu. Mit Fisch realisierte der Grossverteiler gesamthaft 135 Millionen Franken. Migros habe schon 1999 begriffen, dass Produkte aus der Region ein Kundenbedürfnis seien. Darum setzte der Grossverteiler auf das Regiolabel «AdR». Damit werde nun mit 9000 Produkten von 7500 Produzenten 900 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet.

«Das nächstgrössere Regioprogramm ist 3x kleiner»

sagte Sieber. Ein weiteres Erfolgsthema sei der Kaffee von Migros. So sei die seit erst anderthalb Jahren am Markt bestehende Marke Café Royal die stärkste Kaffemarke der Schweiz, wie Siber sagte. Dies habe wohl mit der Geschichte der Migros zu tun: Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler habe schliesslich schon 1925 eine Kaffeeplantage in Brasilien betrieben.

«Wir können nicht nur pulvern, kapseln und mahlen, sondern auch Maschinen bauen»

Dies sagte Hansueli Siber der auf die Erfolgsgeschichte von Migros hinwies, die die neue Kapselmaschine «Twin» gleich selber entwickelte.  Für dieses Jahr erwartet Herbert Bolliger einen leicht steigenden Umsatz. Die Herausforderungen sieht der Noch-Migroschef in gleichem Rahmen wie bisher. Nämlich im auf hohem Niveau liegenden Einkaufstourismus.