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«Einem Schweizer Unternehmen bescheinigt man Kompetenz»

Hochdorf sucht mehr Marge und will vermehrt direkt an den Handel gelangen. Dabei sucht das Unternehmen Übernahmekandidaten und schafft eigene Marken. So eine neue Schokolade für Afrika.

von Hans Peter Schneider

Akquisitionen sollen überprüft werden. Im Bild das Hochdorf-Engagment in Afrika mit Schokolade.

alimenta: Sie bezeichnen Hochdorf als mittelständisches Unternehmen. Ist dies nicht untertrieben? Hochdorf ist auf fast allen Kontinenten tätig.
Thomas Eisenring: Nein. Der Kern des Erfolges liegt in unserer mittelständischen Struktur. Auch mit den übernomenen Unternehmen, sind wir immer noch ein Mittelständler. Dies ist auch ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal gegenüber den ganz Grossen wie Nestlé. Ausserdem sind wir ein Nischenplayer.

Sie suchen nun nach einem Partner, um Ihre Vorwärtsstrategie zu verwirklichen.
Wir suchen eine Übernahme im mittleren Osten, Asien oder in Afrika.

Und was haben Sie in Lateinamerika vor?
Die zwei ganz grossen interessanten Märkte in Südamerika sind Mexiko und Brasilien. Dort ist es aber besser, wenn man aus einem südamerikanischen Land heraus operiert. Wir werden keine eigenen Produktionsstätten bauen, wir prüfen jedoch, ob es Joint Venture-Möglichkeiten gibt.

In China sind die grossen Milchkonzerne wie Fonterra oder Arla schon seit Jahren tätig. Sie kündigten vor zwei Jahren an, dass Hochdorf stärker im chinesischen Markt tätig werden will und wollten einen Distributor übernehmen. Jetzt soll der Fokus nicht mehr auf China liegen. Warum?
Wir hatten effektiv eine Akquisition in China vor. Doch aufgrund des SNB-Entscheides haben sich die Produkte in lokaler Währung signifikant verteuert. Dies hat sich für unseren Partner nicht mehr gerechnet. Somit mussten wir einen Rückzieher machen. Jetzt steht nach wie vor das Private Label-Geschäft im Vordergrund, wobei wir über einen 25-prozentigen Umsatzanteil in China nicht hinaus gehen wollen. Doch China ist nach wie vor wichtig für uns.

Hochdorf startet in Afrika mit Schokolade. Warum setzt nun Hochdorf als grosser Private Label-Hersteller auf ein neues Produkt mit einer eigenen Marke und dazu noch in Afrika?
Afrika ist gross. Vorerst sind wir in Südafrika gestartet, haben aber auch andere Länder im Visier. Auch in Nordafrika. Und ja, Afrikoa ist eine eigene Marke und wird im Premiumbereich lanciert.

«Afrikoa – produced in South Africa». Damit entfällt das Schweizer Attribut und die Schweizer Kompetenz.
Einem Schweizer Unternehmen bescheinigt man immer Schweizer Kompetenz, vor allem wenn es im Milchbusiness tätig ist. Aber wir wollen in Afrika für Afrika geschäften.

Also kein Schweizer Milchpulver?
Wir können uns schon vorstellen, einen Teil des Sortimentes aus der Schweiz zu beziehen. Doch Milchpulver zu exportieren ist immer sehr teuer. Aktuell verwenden wir für Milchschokolade ein deutsches Vollmilchpulver.

Aber nicht aus ihrer deutschen Fabrik der Uckermärker Milch?
Nein. Dort produzieren wir nur normales Milchpulver, kein Walzenvollmilchpulver.

Womit soll das Produktportfolio der Uckermärker Milch gesteigert werden?
Neben dem traditionellen Quark- und Buttergeschäft wollen wir dort in standardisierte Base Powder für die Babyfoodindustrie und in instantisierte Trinkmilchprodukte investieren. Also in lösliche aufvitaminisierte Produkte.

Wieso wollen Sie nicht dort einen weiteren Milchpulverturm stellen?
Die Kunden, die wir jetzt haben und die am schnellsten wachsen, wollen Schweizer Babynahrung.

Ist die Erweiterung auf Turm Nummer neun in Sulgen nun eine gute Nachricht für die Schweizer Bauern?
Eine sehr gute Nachricht. Der Milchbedarf wird sehr hoch sein und wir werden die Milch auch sehr gut bezahlen können. Denn daraus werden wir hochpreisige Babyfoodprodukte herstellen. Der Entscheid über den Bau des Turm 9 ist aber noch nicht definitiv.

Wieviel mehr Milch brauchen Sie?
Die geplante Kapazität für Babynahrung liegt bei 32 000 Tonnen. Die Milchmenge ist abhängig von der hergestellten Babynahrung.

Dies ist die rein technische Seite. Werden denn die Bauern soviel liefern können?
Dies überprüfen wir momentan und werden die ganze Sache optimieren müssen. Es kann durchaus sein, dass wir unser Portfolio verändern werden müssen. Deshalb sind aber auch die Lieferantenbindungen wichtig.

Wie sieht Ihre Prognose bezüglich des Weltmilchmarktes aus?
Ich gehe davon aus, dass sich der Markt nächstes Jahr wieder erholen wird. Der Milchmarkt hat sich immer wieder erholt und wird sich wahrscheinlich auch nächstes Jahr wieder erholen. Die Unsicherheitsfaktoren sind immer noch das Embargo in Russland und die Aufhebung der Quote, die eine Prognose schwierig machen. Grundsätzlich ist der Milchmarkt jedoch ein volatil steigender Markt.

Mit der übernommenen deutschen Marbacher Ölmühle könnten auch Raps- oder andere Öle in die Schweiz importiert werden. Ist dies eine Option?
In Marbach produzieren wir für die Weltmärkte mit Schwergewicht Europäische Union; ein Import in die Schweiz ist nicht geplant. Zudem gehen die Produkte an Distributoren und nicht an die Endkonsumenten.
Interview: Hans Peter Schneider