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Fromarte: Milchdruck und Neuwahlen

Für den Käserverband Fromarte führt der Weg zur Milchmarkt­bereinigung nur über den Geldbeutel. Billigkäse aus Überschussmilch setze die Preise unter Druck.

von Hans Peter Schneider

Wahlen und Jahresrechnung. Die Fromarte Delegierten stimmten gemäss den Vorschlägen des Vorstandes.
Als Vertreter im Zentralvorstand des Wahlgebiets Westschweiz wurde Benoît Kolly (rechts) aus Ferpicloz gewählt. Als Delegierter Alexandre Tinguely.
Der Fromarte-Präsident Hans Aschwanden am Rednerpult. Der Direktor Jacques Gygax (links) mit dem Sekretär Christian Schmutz hören zu.

«Wir haben kein Interesse an zu viel Milch.» Dies machte Fromarte-Präsident Hans Aschwanden gleich zu Beginn der Frühjahrsdelegiertenversammlung klar. Statt dessen brauche es eine an den Markt angepasste Produktion. Fromarte habe sich für die Senkung des Richtpreises für A-Milch in de BO Milch eingesetzt. Nicht, um einfach den Preis zu drücken, sondern damit der Markt schneller bereinigt werde, sagte Aschwanden. Dies gehe nur über den Geldbeutel der Milchproduzenten. Die Bauern müssten lernen, nicht zu produzieren. Diese Erkenntnis, die auch schon Bauernverbandspräsident Markus Ritter propagiert habe, habe sich immer noch nicht durchgesetzt. Ein negativer Aspekt der Überproduktion sei zum Beispiel das grosse Angebot von billigem No-Name-Käse, produziert aus Überschussmilch. «Schweizer Käser haben nur mit einer Wertschöpfungsstrategie eine Chance.»

Schleppende Verkäufe

Die nach wie vor hohen Milcheinlieferungen seien jedoch nicht das Hauptproblem, führte Fromarte-Direktor Jacques Gygax aus. Vielmehr seien es die schleppenden Verkäufe. Dies obwohl die Bevölkerung wachse. Zum ersten Mal sei zudem auch die wertmässige Handelsbilanz beim Käse im Minus. Auch das Jahr 2016 begann im Export schlecht. Gygax zeigte sich erstaunt, wie teuer die Sortenkäse geworden seien. Doch es zeichne sich ein Lichtblick ab, über Ostern seien viele positive Rückmeldungen von guten Käseverkäufen eingetroffen. Es bestehe Grund zur Hoffnung, sagte Gygax. Dennoch habe Emmi-Chef Urs Riedener recht, wenn er sage, dass die Schweizer Mühe hätten, die Werte von Schweizer Käse im Ausland zu vermitteln.
Ein Dauerthema für Fromarte sind auch die Käsereistrukturen. Die Hälfte der Käsereien sind seit 1999 verschwunden. «Wir wollen nicht, dass mit öffentlichem Geld falsche Anreize geschaffen werden, um neue Kapazitäten zu schaffen», sagte Gygax. Hier spüre man immer mehr den Druck der Fusionspläne der grossen Milchverbände. Fromarte setze sich nach wie vor ein für den Status des privaten Milchkäufers. Zusammen mit der Käserei Treuhand (KT) unterstütze der Verband mit Businessplänen oder Beratung zu Nachfolgeregelungen die Käsehersteller.

Es braucht schnell eine andere Lösung

Das Schoggigesetz sei zwar im Gegensatz zur Verkäsungszulage kein Kernthema von Fromarte, sagte Gygax. Man setze sich aber für eine Umlagerung in eine allgemeine Milchzulage an alle Produzenten sein. Diese soll 4 Rappen pro Liter Milch betragen und müsse gemäss WTO-Regeln an alle ausgezahlt werden. (s. alimenta Nr. 2/16) Hier müsse sich die Branche rasch einigen und eine Lösung präsentieren, sagte Gygax. Die Gelder würden sonst anderweitig verteilt, so die Befürchtung des Fromarte-Chefs. Wichtig sei, dass die Käsereimilch ausdrücklich von einer Schoggigesetz-Abgabe befreit werde.
Josef Werder, Präsident der Zentralschweizer Milchkäufer, informierte die Delegierten über das Projekt Heumilch. Dieses mache, obwohl die grossen Sorten abseits stehen würden, gute Fortschritte. Käsereien, die in Sortenorganisationen sind, müssten nur Heumilch-Beiträge zahlen für diejenige Milch, die zu Käse verarbeitet wird, bei dem das Label gebraucht werde. Werder sieht mit dem neuen Label sogar eine Lösung für die Einschränkungsmilch. Diese könnte künftig vermehrt in die weisse Linie fliessen. Ein Grossverteiler habe Interesse signalisiert, Pastmilch und Joghurt aus Heumilch zu verkaufen.
hanspeter.schneider rubmedia.ch