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Grangeneuve Thementage: AOP first

Das AOP-Label soll an erster Stelle stehen, wenn solcher Käse verkauft wird. Dies forderten Produzenten von ursprungsgeschützten Spezialitäten an den AOP-Thementagen in Grangeneuve.

von Hans Peter Schneider

Die Referenten • les intervenants: Jacques Gygax, Direktor • directeur Fromarte, Martine Jaques-Dufour, Vizepräsidentin • vice-presidente de la Fondation pour le Goût, Léo Bertozzi, Sekretär des italienischen AOP-IGP-Konsortiums • secrétaire du consortium AOP-IGP italien und Francis Enjalbert, Professor an der nationalen Veterinärschule in Toulouse • professeur à l’école nationale vétérinaire de Toulouse.
Der Anlass zog viele Besucher an.

Die Basis für guten AOP-Käse ist eine gute Futtergrundlage. Davon ist Francis Enjalbert überzeugt. Der Professor untersucht an der nationalen Veterinärschule in Toulouse die verschiedenen Futter und ihre Effekte auf die Gehalte und die Qualität der Milch. Dabei unterstrich Enjalbert die Wichtigkeit von Kraftfutter. Für eine Qualitätsmilch brauche es Ergänzungsfutter, Gras alleine decke die Bedürfnisse der Milchkuh nicht ab. Dabei gab es aber auch kritische Stimmen, so wurden die ökologischen Nachteile von Kraftfutter im Anbau erwähnt. Ein Teilnehmer warf die Frage auf, ob die Futtermittel von Milchkühen nicht auch auf Glyphosphat getestet würden. Dies, nachdem in deutschen Bieren Glyphosphat gefunden wurde. Denn anders als in der Schweiz sei die Applikation von Glyphosphat in der EU nicht nur auf die «grüne Pflanze», sondern auch auf das Getreidekorn erlaubt. So könnte bei hohen Kraftfuttergaben auch AOP-Käse einer Gefahr ausgesetzt sein.

Dominante Herstellermarken

Einen Überblick über die heimische Käsewirtschaft gab Jacques Gygax. Der Fromarte-Direktor listete die Herausforderungen an AOP-Käse auf. Dies sind hauptsächlich die richtige Handhabung der Mengen, der Kampf gegen Fälschungen und die Handhabung der Marke. Für Gygax ist es wichtig, dass die ursprungsgeschützten Käse die Herkunftsmarke genügend prägnant präsentieren könnten. Es gebe Fälle, wo die Marke des Affineurs die AOP-Marke dominiere. So zum Beispiel die Emmi-Marke Kaltbach oder «Le Superbe» von Lustenberger & Dürst. Der am Forum anwesende Valéry Elissezeff von der französischen Sortenorganisation Comté erklärte, auch der Comté müsse aufpassen, dass er nicht von grossen Eigenmarken überrundet werde.

Gorgonzola bleibt Gorgonzola

In Italien ist diese Angst geringer. «Ein Gorgonzola ist immer noch ein Gorgonzola, auch wenn er mit Galbani angeschrieben ist», sagte Leo Bertozzi vom italienischen AOP-IGP-Konsortium. Der Gorgonzola sei so stark, dass er auch die ganz grossen Markennamen der internationalen Nahrungsmittelkonzerne nicht zu fürchten brauche (Galbani gehört zum französischen Milchkonzern Lactalis). Für die Schweizer AOP-Käse sei Gorgonzola ein Vorbild, ist Jacques Gygax überzeugt. Für ihn müssten Namen, ob es nun Kaltbach oder Le Superbe sei, immer als Co-Branding mitlaufen. Zum Beispiel, wie es bei Bio-Käse die Knospe sei. «An erster Stelle muss der ursprungsgeschützte Name stehen», sagte Gygax.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch