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China: Grosse Chancen im Food-Markt

China will Lebensmittel produzieren, exportieren und sicherer machen. Zudem sollen die Handelsplattformen ausgebaut werden. Die grossen Foodexportnationen sehen dabei riesige Chancen im China-Markt.

von Hans Peter Schneider

Trotz leichter Wachstumsabschwächung ist der chinesische Absatzmarkt attraktiv. (Bild: zVg)
An der SIAL in Shanghai waren fast 3000 Aussteller...
Polen war diesjähriges Gastland der SIAL.
Grosse Nahrungsmittelkonzerne wollen sich einen Teil des Marktes abschneiden.

Alles redet über China. Trotz leicht schwächerem Wirtschaftswachstum sehen die Unternehmen riesiges Potenzial im asiatischen Riesenland. Besonders Nahrungsmittelunternehmen sehen in Chinas Milliardenbevölkerung, die sich mehr und mehr nach westlichen Bedürfnissen ernähren will, ihre Chance. Das chinesische Agrarministerium sagt voraus, dass der chinesische Fleischkonsum im Jahr 2020 gut und gerne 100 Millionen Tonnen erreichen könnte. Die einheimische Produktion könne dagegen höchstens 90 Millionen Tonnen erreichen. Verständlich also, dass der Fleischhunger der Chinesen die internationalen Fleischkonzerne anzieht. Der US-Fleischproduzent Hormel Foods investiert momentan in eine Fabrik in Ostchina 350 Millionen Dollar. Letzten August eröffnete China zwei Inlandhäfen in Zhengzhou und Luohe für Importfleisch. Dort ist auch Chinas grösstes Fleischunternehmen, die WH Group, beheimatet. So stiegen die US-Foodexporte nach China stark an. Importierte das asiatische Land im Jahr 2008 noch für 12,1 Milliarden Dollar US-Waren, stieg dieser Betrag bis 2012 auf 25,9 Milliarden an. Schon nur mit den an der grössten Foodmesse in Asien, der SIAL in Shanghai, erzielten Kontakten seien US-Verkäufe von 158 Millionen Dollar realisiert worden.

Agrarproduzent gibt Gas

Auch der grösste Fleischproduzent der Welt Brasilien setzt auf China. Zwischen 2011 und 2015 sind die brasilianischen Fleischverkäufe in China um 229  Prozent gewachsen. Die brasilianische Exportförderorganisation Apex hofft darauf, dass dieses Jahr die Verkäufe eine Milliarde Dollar erreichen werden, wie sie anlässlich der vom 5. bis am 7. Mai stattgefunden SIAL in einer Medienmitteilung schreibt. Geholfen hätten den Fleischproduzenten das seit Juli 2015 weggefallene Embargo, das gegen brasilianisches Fleisch gerichtet war. Dass China für die Brasilianer jetzt auch langfristig grosses Potenzial bietet, dafür sorge vor allem die Aufhebung der Einkind-Politik, schreibt Apex weiter. Chinesische Konsumenten sehen Fleisch als nahrhaft und gesund an. Aber auch andere brasilianische Exportschlager gehen als gesunde und nahrhafte Produkte durch, zum Beispiel Kaffee oder Honig. Die Brasilianer kauften letztes Jahr für 1,36 Milliarden Dollar Spezialitätenkaffee. Vor sechs Jahren betrug dieser Wert noch zehnmal weniger. So habe China eine strategische Rolle als Handelsdrehscheibe mit dem südamerikanischen Land, meldete Apex in Shanghai.

Russlands Ambitionen

Russland will weltgrösster Weizenexporteuer werden, wie es anlässlich der Sial in Shanghai verlauten liess. Alexander Tkachev, der russische Landwirtschaftsminister, wurde anlässlich seiner Rede in Shanghai zitiert, dass Russland  25 Millionen Tonnen Weizen exportieren wolle. Traditionellerweise liege der Absatzmarkt in China. So hatte Russland auch zum ersten Mal einen eigenen Pavillion in Shanghai. Auch die EU sucht in China das Heil, vor allem durch das Russlandembargo. Europäische Agrarexporte hätten bemerkenswerte Erfolge erzielt, sagte Phil Hogan, der EU Agrarminister im Interview mit dem chinesischen Portal Xinhua. Die Foodexporte aus der EU nach China stiegen im 2015 um 39 Prozent auf 10 Milliarden Euro. Grossbritannien trat an der SIAL zum ersten Mal mit einem eigenen Pavillion auf. Besonders Molkereiprodukte sind begehrt in China. Um diese zu exportieren, bietet sich auch der Zugtransports an. Auf der Zuglinie von China durch Kasachstan, Russland, Weissrussland, Polen und Deutschland würden die Waggons oft leer oder nur halbvoll zurückfahren, schrieb freshfruitp1rtal.com kürzlich. Europa sollte sich überlegen, in die Zuglinie zu investieren um noch mehr Agrarprodukte, auch Frischgüter per Eisenbahn und nicht mit teuren Flugtransporten zu transportieren.

Reaktivierung der Seidenstrasse

Im Gegenzug will China aber auch Lebensmittel exportieren. Dazu laufen Initiativen unter dem Slogan: «One belt one road», worunter zum Beispiel die Wiederbelebung der Seidenstrasse zählt, oder neue bilaterale Handelsabkommen. Zum Beispiel mit der Türkei oder Kasachstan und anderen arabischen Ländern. Dorthin soll Halal-Food exportiert werden. Grosse chinesische Foodproduzenten wie die Shineway Group oder der grösste Halal-Foodproduzent, die Yili-Industrial Group, mit einem Umsatz von gegen 9 Milliarden Dollar, setzen den Fokus auf Halal. Für diese ist es gemäss einem Artikel auf CNBC klar, dass künftig dieses Label stärker werde, denn gerade in China, das einige Lebensmittelskandale erlebt habe, stehe Halal für sichere Lebensmittel.

Sicherheit als oberstets Gebot

Das ausgeprägte Bewusstsein für sichere Lebensmittel äussert sich auch im stetig steigenden Umsatz mit Bioprodukten. Nicht nur die Skandale mit Melamin verseuchter Milch sensibilisierte die Bevölkerung. Gerade auch bei Fleisch zu Zeiten von Schweine- und Hühnergrippe hinterlässt Spuren im Konsumverhalten der chinesischen Bevölkerung. Beispielsweise wurden im 2014 450 000 Biopoulets verkauft. Diese Anzahl hat sich im letzten Jahr verdoppelt und soll gemäss globalmeatnews.com weiter rasant ansteigen. Der gesamte Biomarkt in China soll dieses Jahr von 25 auf 59 Milliarden Yuan steigen. Dies entspreche gemäss xinhaunet.com erst zwei Prozent der gesamten Foodverkäufe Chinas.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch