Datum: Branche:

ASG: Alles hängt vom Zucker ab

Wenn die Schweizer Getränkebranche in ihren Produkten Schweizer Zucker einsetzt, können die meisten Getränke weiterhin mit Schweiz ausgelobt werden.

von Hans Peter Schneider

Die Schweizer Getränkebranche traf sich am 12. Mai in Lausanne.
Der Noch-Präsident (13. Mai), Julien Morand.
Philippe Leuba, Regierungsrat des Kantons Waadt in der Grusswortrede im Hotel Royal Savoy.
Professor Felix Addor, der stv. Direktor des IGE.
Addor zeigte auf, was unter dem neuen Swissness-Gesetz möglich ist.
Dominique Kohli, Vizedirektor des BLW.
Der Preisüberwacher Stefan Meyerhans.
Alt-Ständerat Urs Schwaller ist neuer Präsident der Schweizer Weinhandelskontrolle.
Die versammelte Schweizerische Getränkewirtschaft.

Felix Addor, Vizedirektor des Instituts für geistiges Eigentum (IGE), musste den Auftritt in der Höhle des Löwen hinter sich bringen: Addor referierte vor der versammelten schweizerischen Getränkebranche. Er machte gleich zu Beginn klar, dass das neue Swissness-Gesetz keine kurzfristige Angelegenheit sei, denn die Marke Schweiz sei von vielen Generationen aufgebaut worden. So sei der konsequente Schutz doppelt wichtig und dürfe keinesfalls kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen geopfert werden. Auch nicht bei momentan schwierigen Bedingungen mit Einkaufstourismus und starkem Franken, wie er am 12. Mai im Hotel Royal Savoy in Lausanne der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Getränkebranche (ASG) klar machte.

Mehrwert lockt Trittbrettfahrer

Addor listete wieder einmal die Vorteile der Auslobung mit dem Schweizer Kreuz auf: Durchschnittlich sei der Konsument bereit, 20 Prozent mehr für Schweizer Ware zu bezahlen. Bei einer Swiss Made-Uhr zum Beispiel belaufe sich der Mehrwert auf 112 Prozent in Japan. Der chinesische Konsument sei bereit, 69 Prozent mehr als für eine vergleichbare Uhr aus einem anderen Land zu bezahlen. Dem Inder ist die Schweizer Uhr 65 Prozent mehr wert, dem Italiener 55, dem Amerikaner 53, dem Deutschen 50 und dem Franzosen noch 47 Prozent. Da würde es in den Worten von Alt-Bundesrat Adolf Ogi doch heissen: Freude herrscht! Doch es frage sich: für wen? Die Antwort sei: Für die Trittbrettfahrer, die die Marke Schweiz schamlos verwenden würden. Addor zählte einige davon auf. So eine Schokolade «Swiss Chalet», die von Cadbury in England hergestellt wird. Die zuckerfreien Minzenbonbons «Swiss Navy», hergestellt in China oder das Melkfett Eutra mit Schweizerkreuz, hergestellt in Frankreich. Viele Akteure würden es laut Addor selbstverständlich finden, dass die Marke Schweiz gratis sei. Andere hochwertige Labels wie etwa die Bio-Knospe seien jedoch für die Lizenznehmer ziemlich teuer. Für die verarbeitenden Unternehmen gehe es nun daran, zu überlegen, ob Swissness noch genutzt werden wolle. Wenn ja, müssten sie ihre Lieferketten überprüfen. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) oder das IGE würde beratend zur Seite stehen.

Wasser: Einmal ja – einmal nein

Für die Getränkeindustrie relevant ist der Hauptrohstoff, das Wasser. Für die Brauer ändert sich nichts – Wasser für Bier zählt zur Swissness-Berechnung. Hingegen darf Wasser zur Konzentratsverdünnung bei Fruchtsäften nicht zur Berechnung zugezogen werden, wie Dominique Kohli vom BLW erklärte. Auch bei Süssgetränken oder Eistee darf Wasser nicht in die Berechnung einfliessen. Dennoch kann die Marke Schweiz in vielen Fällen verwendet werden, nämlich wenn Schweizer Zucker eingesetzt wird. Kohli zeigte einige Berechnungsbeispiele, zum Beispiel Eistee, wo sogar 20 Prozent ausländischer Zucker verwendet werden könnte und das Getränk gilt immer noch als schweizerisch gelte. Bei aromatisierten Mineralwässern darf Wasser wiederum in die Berechnung einfliessen. So darf das Schweizer Kreuz verwendet werden. Doch hier öffne sich der nächste Interpretationsspielraum, war von einigen Teilnehmern zu hören. Denn wie viel Aroma das Mineralwasser enthalten darf, um noch als Mineralwasser und somit als schweizerisch zu gelten, sei nicht definiert.

Ernte-Totalausfall-Szenario

Kohli führte ein extremes Beispiel einer Missernte bei Äpfeln an. Im Falle eines Totalausfalls von Schweizer Äpfeln dürfte der aus chinesischem Konzentrat hergestellte Most das Schweizerkreuz tragen. Ob dies Sarah Stalder vom Konsumentenschutz noch goutieren würde, sei dann die andere Frage. Für die Getränkebranche elementar sind die teilweise knappen Übergangsfristen. Diese haben gemäss Marcel Kreber grossen Einfluss auf die technische Machbarkeit und bedeuten einen hohen finanziellen Aufwand.