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Das Revival des Zuckers

Während Zucker oft verteufelt wurde setzen Nahrungsmittelhersteller heute wieder vermehrt auf «natürliche» Süsse. Zugleich steigen die Preise von Zucker international an.

von hps

Europäische Zuckerverwender fordern die EU-Kommission auf, aktiv zu werden.
Zuckerproduktion in der Schweiz aus Rüben.
Gerade in den USA setzt die Nahrungsmittelindustrie vermehrt auf «natürlichen» Zucker statt auf «künstlichen» billigen «Corn Syrup» aus Mais. (Bild: zVg)

«Das Böse ist zurück». Was wie wie ein Titel aus einem Horrorfilm anmutet ist die Schlagzeile der NZZ. Diese schreibt, dass Nahrungsmittelhersteller wieder auf Zucker setzen und ihn als echt und natürlich anpreisen. So habe der Nahrungsmittelkonzern Pepsico beschlossen, wieder auf Zucker zu setzen, um Pepsi zu süssen. Das Unternehmen wolle den Zucker sogar bewerben und ihn gross und fett auf die Dose schreiben, schreibt die NZZ. Pepsi lancierte kürzlich eine neues Cola mit Namen: «Pepsi 1893» und auf der Dose steht: «echter Zucker». Getränke-Trendmarken wie Boylan Bottling oder Puck’s Fountain süssen aus Prinzip mit Rohrzucker. Die amerikanische Firma TruSweets verwendet für ihre Schleckwaren ebenfalls nur natürlichen Zucker. Auch die amerikanische Glacémarke Häagen-Dazs bewirbt ihre Produkte mit «Echtheit». So würden in der Glacé nur gerade fünf Zutaten stecken, darunter Zucker.

Häagen-Dazs’ Botschaft: «Real or Nothing»

In den USA wird in der Industrie normalwerweise auf den billigeren Zuckergrundstoff aus Maisstärke, den «High Fructose Corn Syrup» gesetzt. Der in vielen Lebensmitteln enthaltene Maissirup ist für Mäuse wesentlich schädlicher als Haushaltszucker, wie in Forschungsstudien festgehalten wird.  Denn diese Mischung aus Glucose und Fructose senkte bei weiblichen Tieren die Fruchtbarkeit und die Lebenserwartung deutlich.

Zucker aus Maissirup ist für Mäuse schädlicher als Rohr- oder Rübenzucker

Auch in der Schweiz setzen Nahrungsmittelhersteller auf Zucker. Emmi’s Jogurt «Pur» ist seit gut zwei Jahren unterwegs. Ein Becher Jogurt enthält drei natürliche Zutaten, darunter Zucker. Dagegen war die Linie «Good Day», mit reduziertem Gehalt an Fett und Zucker, ein Flop.

Die neuentdeckte Liebe zu Zucker trifft auf momentan massiv anziehende Preise. Zucker ist knapp. Nicht nur am Weltmarkt, wo sich zuletzt die Notierungen für Roh- wie Weisszucker nochmal um über 2 Prozent nach oben schraubten. Grund dafür sind Meldungen, wonach in Indien wegen anhaltender Trockenheit gut 8 Prozent weniger Ernte eingefahren wurde als in der Vorsaison. Dass Zucker aktuell auf einem 20-Monats-Hoch notiert, ist auch der Politik- und Wirtschaftskrise des bedeutenden Zuckerproduzenten Brasilien und dessen starker Währung Real geschuldet. Aktuell liegt in der EU weniger Zucker am Lager als im Krisenjahr 2011/12, wie lz-online schreibt und zitiert einen besorgten Einkäufer aus der Getränkebranche:

Wenn die EU-Kommission nicht interveniert, gibt es ab August keinen Zucker mehr

Die EU-Kommission taxiert bis Ende September einen historisch niedrigen Lagerbestand von 712 000 t. Im Krisenjahr Jahr 2011/12 belief sich der Bestand auf 1 Mio. t. Gleichwohl wolle sie gemäss lz-online keine Massnahmen ergreifen. Ende April stellte die EU ein Szenario vor, das ab August 2016 zusätzliche Mengen von 300 000 bis 400 000 t verfügbar machen würde, was aber aktuell wieder verworfen wurde. Nun forderte der europäische Verband der Zuckerverwender CIUS den EU-Agrarkommissar Phil Hogan auf, aktiv zu werden. Es drohten ab Sommer geschlossene Fabrike und leere Supermarktregale.

An italienischen Spotmärkten stieg der Zuckerpreis gegen 600 Euro.

Während die EU noch den offiziellen Durchschnittspreis von 427 Euro rapportiert, würden gemäss Händlern, an italienischen Spotmärkten schon Preise gegen 600 Euro pro Tonne bezahlt. Die Zuckerproduzenten sähen die Lage entspannter. Die ersten Ernten aus Spanien und Italien würden schon ab Juli auf den Markt kommen.