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100 Jahre Bernischer Milchkäufer­verband BMKV 1916–2016

Im August 1916, mitten im 1. Weltkrieg, wurde die Genossenschaft Bernischer Milchkäuferverband als Interessenverband selbständig wirtschaftender Käser im Bernbiet gegründet.

von Alfred Hofer

Vor hundert Jahren gab es ungefähr gleich viele Meisterkäser wie heute. (Bilder: BMKV)

Während des Ersten Weltkrieges bereiteten die kriegswirtschaftliche Massnahmen des Bundes der Käsereibranche grosse Schwierigkeiten. Dazu zählten die Exportsperre für Lebensmittel, die Einschränkung der Käseproduktion zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkmilch und die Einschränkung von Fettkäse zugunsten der Butterproduktion. Mit der Gründung des BMKV wollten die Berner Milchkäufer ihre Interessen gegenüber Behörden, Milchproduzenten und Käsehandel besser wahrnehmen.
Im Gründungsjahr bestanden im Kanton Bern über 600 Tal-/Dorfkäsereien, die meisten waren noch mit einem Feuerwagen ausgerüstet, welche zunehmend durch Dampfbetriebe abgelöst wurden. Heute, 100 Jahre später sind im Kanton Bern noch rund 120 Käsereien in Betrieb. Im Jahr 1916 wurden gesamtschweizerisch 15 Käsermeister diplomiert. In den letzten 100 Jahren ist die Zahl zeitweise auf weit über 100 Käsermeisterprüfungen pro Jahr gestiegen; heute bewegt sich die Zahl der Käser-/Molkereimeister etwa auf dem gleichen Niveau wie vor 100 Jahren.

Milch, Käse- und Buttermarkt im Gründungsjahr

Die Tabelle (siehe rechte Seite oben) gibt eine Übersicht über den Schweizer Milch-, Käse- und Buttermarkt von 1914 bis 1918. Im Jahr 1916 wurden 1,73 Millionen Tonnen Milch in den Verkehr gebracht; das entspricht etwa 50 Prozent der heutigen Menge. Der Konsum an Trinkmilch betrug 260 Kilogramm pro Kopf und Jahr, war also rund vier Mal mal höher als heute.
Meilensteine in den 100 Jahren BMKV
■ 1917 wurde der erste Kollektivvertrag zwischen dem Milchverband Bern und dem BMKV abgeschlossen und im gleichen Jahr wurde die Butterzentrale Burgdorf als Gemeinschaftsunternehmen von Milchverband und BMKV aus der Taufe gehoben.
■ 1929 kauften BMKV und der Schweizerische Milchkäuferverband die Käsehandelsfirma Bürki in Burgdorf, die später in Milka/Milka Käse AG umgetauft wurde.
■ 1944 wurden die Wehrmannsausgleichs- und 1957 die Familienausgleichskasse gegründet.
■ 1989 konnte das Kaseinwerk Oberramsern übernommen werden, das 1997 nach Galmiz verlegt, dort 1999 die Produktion einstellte und 2006 liquidiert wurde.
■ Mit dem Verkauf des Anteils an der Butterzentrale Burgdorf im Jahre 1993 wurden Mittel frei, die die Gründung einer BMKV Bürgschafts- und Finanzierungs AG ermöglichten.
■ 1999: Zusammenarbeitsvertrag zwischen der Milka Käse AG und Emmi-Käse AG.
Der BMKV hat sich im Laufe der Jahre
in verschiedensten Bereichen engagiert:
■ Milchkaufverträge, Kollektivverträge, indiv. Bezahlung der Käsereimilch
■  Einigungskommission für Differenzen zwischen KG
und Milchkäufer
■ Sanktionskommission für BMKV-interne Belange
■ Mengensteuerung, Fabrikationseinschränkungen
■ Regionale Milchverwertungslenkung
■ Finanzierung Magermilchpulverexport
■ Qualitätssicherung, Käsereiinspektoren­wesen, MIBD/MKBD/Casei
■ Umsetzung der EU Hygienerichtlinien
■ Wehrmanns-, Familienausgleichs-, AHV-Ausgleichskasse; Pensionskasse Milchwirtschaft
■ Aufsichtskommissionen Molkereischule Rütti/MLZ und MIBD/MKBD/Casei
■ Zentralvorstand SMKV/Fromarte, Vorstand Sortenorganisation Emmentaler AOP
■ Verwaltungsräte Handelsstelle SMKV, Milka Käse AG, Labstoffzentrale, Emmentaler Schaukäserei, Kaseinwerke
■ Unterstützung Nachwuchsrekrutierung/-werbung
Organisation/Mitglieder BMKV: In der 100-jährigen Geschichte haben neun Präsidenten den Bernischen Milchkäuferverband geführt. Die Mitgliederzahl hat sich von 1967 bis heute von 301 auf deren 75 reduziert.
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