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Centravo: Tierische Herausforderungen

Herausforderungen konfrontiert: die Währung, sinkende Preise oder neue Vorschriften. Ein Lichtblick ist das positivere Image von tierischem Fett.

Rainer M. Betken: «Wir erhielten Anfragen für Fette von internationalen Babyfoodherstellern.»
Unter dem Dach der Centravo Holding AG sind verschiedene Firmen tätig.

«Wir hoffen, dass uns der Pfuus nicht ausgeht», sagte Peter Bachmann, VR-Präsident der Centravo. Spasseshalber wohlverstanden, denn dass das passieren wird, ist angesichts der Geschäftszahlen eher unwahrscheinlich. So realisierte der Schlachtabfallverwerter und Fetthersteller Centravo einen Gewinn von rund 4,9 Millionen Franken, Das sei zwar tiefer als der Vorjahresgewinn, sagte CEO Rainer M. Betken an der Generalversammlung in der Thuner Stockhornarena. Dennoch werde den Aktionären die Dividende von 50 auf 80 Franken erhöht. Das Unternehmen, das mit seinen Divisionen in der Herstellung von Oelen, Fetten, Lebens- und Futtermitteln, Brennstoffen sowie in der Verwertung von Schlachtabfällen tätig ist, muss sich laut Betken dennoch warm anziehen. Denn nicht nur im Profitcenter Häute & Felle ist die wirtschaftliche Situation schwieriger geworden. Der warme Winter sei ganz schlecht für den Verkauf von Schaffellen, die teilweise zu Entsorgungsfällen wurden. Der Bereich Petfood litt unter dem Embargo Russlands gegenüber der EU. Vor allem, weil die gesamte europäische Lebensmittelindustrie angesichts des zurückhaltenden asiatischen Marktes und des Embargos versuche, ihre Produkte auf dem Petfoodmarkt abzusetzen, wie Betken sagte.
Auch die Centravo-Tochter Swiss Feedvalor habe unter der Russlandkrise gelitten, weil die höheren Mengen für sinkende Preise bei tierischen Fetten sorgte, sagte Betken. Die Petfood-Verarbeitungsmenge sei um 19 Prozent gestiegen, während der Verkaufserlös um 7 Prozent sank. Betke ortete zudem eine Gefahr durch die kürzlich in Frankreich aufgetauchte BSE-Kuh. Für Betriebe in der Genfer Zone ergebe dies wieder kompliziertere Abtrennungen von Schlachtteilen. Neue Trennvorschriften bei Darmpaketen könnten gar die Herabstufung als Lebensmittel beinhalten. Hier versuche Centravo beim Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV) Gegensteuer zu geben.

Palmfrei und tierisch

Die Centravo-Tochter Nutriswiss arbeitet laut Betken an der Entwicklung palmfreier Rezepturen. Das Unternehmen konnte im Bereich Lebensmittel zwar bei den Absatzmengen und beim Umsatz zulegen. Die Absatzschwäche des Speisefettherstellers Grüninger AG, der in Italien gegen starke europäische Margarinehersteller kämpft, schlug auch auf die vorgelagerte Nutriswiss durch.
Um die Kundschaft neu anzusprechen, arbeitet, Grüninger seit einiger Zeit an der Entwicklung tierischer, palmfreier Margarine. Sowieso sei tierisches Fett in der Konsumentenschaft wieder vermehrt akzeptiert. «Wir müssen aufpassen, dass Schweinefett nicht schon bald als gesund gilt», sagte Bachmann ironisch. Auch internationale Babyfoodhersteller hätten Anfragen für hochwertige Fette an die Centravo gerichtet, sagte Betken. Nicht zuletzt habe man im Bereich Darm mit dem «Krausedarm» ein neues Produkt lancieren können. Dieser werde für die Herstellung von Waadtländer Saucissons verwendet.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch