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BfR relativiert Freispruch von Kaffee bei Gesundheitsrisiken

Lebensmittel wie Kaffee oder Fleisch sind viel zu komplexe Gemische, um allgemeine Aussagen über ihr krebserregendes Potential ableiten zu können.

von gb/BfR

Die bei der WHO angesiedelte Internationale Krebsagentur IARC stufte in ihrer am 17.6.2016 veröffentlichten Studie Kaffee als «nicht klassifizierbar bezüglich seiner Kanzerogenität für Menschen» (Gruppe 3) ein. Allerdings weist das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hin, dass die Gefahreneinschätzung von komplexen Gemischen, wie sie Lebensmittel darstellen, für Verbraucher nur von begrenzter Aussagekraft sind.

«Jedes Lebensmittel kann regelmässig, aber meist nur in Spuren Stoffe enthalten, die ein krebserregendes Potential haben».

«Daneben sind allerdings oft auch gesundheitsfördernde Stoffe wirksam», sagt BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel. «Lebensmittel wie Kaffee oder Fleisch sind in der Regel viel zu komplexe Gemische, um allgemeine Aussagen über ihr krebserregendes Potential ableiten zu können, die für Verbraucher von praktischem Nutzen wären.»

Positive und negative Stoffe

Kaffee enthält neben verschiedenen die Gesundheit fördernden Stoffen auch solche Inhaltsstoffe, die isoliert beim Menschen krebserregende Wirkungen haben können. Dazu zählen u. a. Furan, Acrylamid und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Darüber hinaus kann Coffein gesundheitlich schädliche Wirkungen haben. Allerdings lässt sich bisher durch die Gesamtheit der verfügbaren Studien kein krebserregendes Potential durch Kaffee belegen.

Wie auch bei anderen Lebensmitteln kann es zwei Ursachen für die unterschiedliche Wirkung der isolierten Inhaltsstoffe und des gesamten Lebensmittels geben. Zum einen ist es möglich, dass innerhalb des Lebensmittels einige Substanzen die potentiell schädlichen Wirkungen von anderen Substanzen mildern oder neutralisieren. Zum anderen ist es möglich, dass der Gehalt an unerwünschten Stoffen so niedrig ist, dass in verfügbaren Studien bei üblichem Konsum keine schädlichen Wirkungen zu beobachten sind.

Im Unterschied zum BfR, das die möglichen gesundheitlichen Risiken bewertet, beurteilt die IARC ausschliesslich das Gefahrenpotential eines Stoffes. Bei der Risikobewertung wird zusätzlich zum Gefahrenpotential auch die tatsächliche Aufnahmemenge (Exposition) berücksichtigt. Die IARC stuft Kaffee als «nicht klassifizierbar bezüglich der Kanzerogenität beim Menschen» (Gruppe 3) ein und ändert damit ihre Klassifizierung von Kaffee, den sie 1991 noch als «möglicherweise kanzerogen beim Menschen» (Gruppe 2B) einstufte.