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Die grösste Bäckerei der Schweiz

Im aargauischen Schafisheim hat Coop die grösste Bäckerei der Schweiz eingeweiht. Die Backwaren können dank angeschlossenem Tiefkühllager und Verteilzentrum mit minimalem logistischem Aufwand verteilt werden.

von Roland Wyss

Jost Sutter bäckt mit Bundesrätin Doris Leuthard.
Die Coop-LkW-Flotte.
Verkehrsministerin Doris Leuthard an der Eröffnung.
Die Schafisheim-Dimensionen von oben.
Die Passerelle zwischen Tiefkühllager und Verteilzentrale.
Auf solchen Regalen wird im TK-Lager gelagert.
Brotproduktion vollautomatisch.

«Was der neue Gotthardtunnel für die Schweiz ist, ist Schafisheim für die Coop-Logistik.» Ganz unbescheiden zeigte sich Coop-Chef Joos Sutter bei der Einweihung der neuen Grossbäckerei und des Verteilzentrums vom 22. Juni in Schafisheim. Auch Bundesrätin Doris Leuthard zeigte sich beeindruckt. Es sei nicht selbsverständlich, dass Coop in schwierigen Zeiten mit einem harten Franken massiv investiere. «Reden tun viele, wir müssen Sorge tragen zu denen, die handeln.» Sorge tragen bedeutet zum Beispiel, dass das Bundesamt für Energie aus Leuthards Departement die Entwicklung der neuen Heizung für die Bäckerei subventioniert hat, in der erstmals neben Holzschnitzel auch Müllerei-Abfälle aus der Coop-Mühle Swissmill verbrannt werden. Auch der Kanton Aargau, vertreten durch Regierungsrat Alex Hürzeler, und die Gemeinde Schafisheim zeigten sich kooperativ: Die Bauvorschriften für die Fläche wurden angepasst, damit höher gebaut und alle Anlagen untergebracht werden konnten. Anfang März 2013 wurde das Baugesuch erteilt, Einsprachen gabs keine, im August konnte der Grundstein gelegt werden, im Juni 2015 war bereits Aufrichte und jetzt, ein Jahr später, ist der Bau beendet.

Produktion, Lagerung und Kommissionierung an einem Standort

Coop Schafisheim, das sind: Eine neue Grossbäckerei auf zwei Geschossen; ein neues nationales Tiefkühllager, ein Shuttle-Lager mit sogenanntem Kälteautomaten für die Kommissionierung von Frischprodukten; eine automatische Leergutzentrale für die Rücknahme von Gebinden, Retouren, Flaschen und Verpackungen aus den Filialen; schliesslich die erwähnte neue Heizung. Damit senkt Coop den CO2-Ausstoss ebenso wie mit der Solaranlage auf dem Dach und den Biodiesel- und Elektro-Lastwagen. Dadurch und mit vermehrten Bahntransporten für alles, was weiter als 90 Kilometer weg ist, reduziert Coop den jährlichen CO2-Ausstoss dank dem Standort Schafisheim um mehr als 10 000 Tonnen.
Von Schafisheim aus werden die Coop-Regionen Nordwestschweiz, Zürich und Zentralschweiz bedient, rund 40 Prozent aller Coop Supermärkte. Damit fallen die beiden Tiefkühlzentren in Givisiez und Hinwil weg. Blickfang des Gebäudekomplexes in Schafsheim ist die 162 Meter lange Passerelle zwischen dem Tiefkühlzentrum und der Verteilzentrale über die Kantonsstrasse. Die Passerelle dient einerseits dem Warenverkehr, andererseits als Personenpassage mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte von Coop.

Rekorddimensionen in der Bäckerei

Die neue Grossbäckerei wird im Vollbetrieb die bisherigen Coop-Bäckereien in Wallisellen und Basel ersetzen. Auch Tiefkühlteiglinge, die bisher bei Hicopain in Dagmersellen produziert wurden, werden künftig in Schafisheim produziert. Die meisten Mitarbeitenden dieser Standorte arbeiten neu auch in Schafisheim. Insgesamt produzieren 600 Mitarbeitende jährlich 60 000 Tonnen Backwaren, ein Sortiment von über 500 Produkten (s. Interview rechts). Bäckerei und Konditorei stehen je auf einem Geschoss mit einer Fläche von 20 000 Quadratmeter Fläche. Weitere 10 000  Quadratmeter nehmen Lagerung, Kommissionierung und Bereitstellung in Anspruch. In sechs Aussensilos werden 60 Tonnen Mehl gelagert, was für drei Tage reicht, sowie in zwei 30-Tonnen-Silos Salz und Zucker. Im Gebäude stehen acht Innensilos mit einem Volumen von je zwölf Tonnen und vier Tanksilos für Flüssighefe.
Mit Vorteigen und langer Teigführung werden dem Geschmack und langer Haltbarkeit eine hohe Priorität gegeben. Die industriellen Holzbacköfen geben den Backwaren einen charakteristischen Geschmack. Insgesamt stehen 23 Prozesslinien in der Bäckerei und der Konditorei. 6 für Torten und Patisserie, 2 für Wähen und Kuchen, Schnitten und Rouladen, 3 für Verkaufsteige und 12 für die Bäckerei. Zum Einsatz kommt modernste Produktionstechnik, welche die weichen Teige schonend verarbeitet und Aufsehen Erregendes wie der Schlingenroboter, der Brezeln, Ringe oder einsträngige Zöpfe flechten kann, pro Stunde bis zu 2000 Stück (s. das Video dazu auf foodaktuell.ch). Technisch noch nicht möglich sind typische Schweizer Zöpfe aus zwei oder drei Strängen. In der Konditorei steht auch eine Erdbeerschneidemaschine, welche automatisch die frisch angelieferten Erdbeeren halbiert.
roland.wyss@rubmedia.ch