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Milchhändler Mooh – näher am Markt

Der neue Milchhändler Mooh liefert ein Fünftel der Schweizer Milch und sein Motto heisst Wachsen. Die erste Versammlung zeigte: Davon sind noch nicht alle angeschlossenen Milchbauern überzeugt.

von Roland Wyss

«Wir haben uns entschieden, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. Nur so können wir zugunsten der Milchbauern etwas bewirken.» Robert Bischofberger, der neue Präsident des Milchhändlers Mooh, schwörte seine Mitglieder an der ersten Versammlung vom 22. Juni im aargauischen Brunegg auf eine offensive Strategie ein. Die Marktlage sei zwar derzeit schwierig, mittelfristig aber würden die internationalen Milchmärkte wachsen. «Eine gezielte Mengenreduktion in einem wachsenden Markt wäre eine Ausstiegsstrategie und für Mooh keine Option.» Von den Diskussionen um Möglichkeiten der Mengenregulierung, wie sie bei den Schweizer Milchproduzenten SMP wieder aufflammen, ist Mooh weit entfernt. René Schwager, bisheriger Geschäftsführer der Nordostmilch und künftiger Mooh-Verkaufsleiter, betonte denn auch, man wolle die Ausregulierung bei Überschüssen selber machen und nicht mehr von Lacto-fama und ähnlichen Organisationen abhängig sein. Ein Element der Ausregulierung ist die Käserei Laubbach in Waldkirch, welche die Nordostmilch im Mai 2015 übernommen hat.

Neues Preismodell

Der neue Mooh-Geschäftsführer und frühere Geschäftsführer des Milchhändlers Miba, Christophe Eggenschwiler, präsentierte das neue Preismodell mit einem saisonalen Basispreis, der in den milchstarken Winter- und Frühjahrsmonaten tiefer und im Sommer höher ist. Referenzmengen und Abzüge für Überlieferungen gibt es nicht. Das Modell soll möglichst einfach, marktnah und transparent sein, sagte Eggenschwiler. «Die Produzenten sind erwachsene Unternehmer, die selber rechnen können. Wir liefern ihnen die Informationen, die sie brauchen.» Gestartet wird im Juli mit 57 Rappen pro Kilogramm Milch.
Eine Herausforderung war für die Verantwortlichen die Angleichung der beiden Milchpreissysteme. Dazu gab es vor allem von ehemaligen Miba-Mitgliedern kritische Fragen zu Verlademengenzuschlag und Haltepauschale für die Hofabfuhr. Die vorgeschlagenen – und an regionalen Versammlung vorbesprochenen – Einkaufsbedingungen wurden aber letztlich angenommen.

Hart diskutiert wurden auch die Statuten, wo mehrere Votanten mangelnde finanzielle Transparenz kritiserten und ein Budget für die neue Organisation vermissten. Präsident Bischofberger sagte, es bestehe ein laufendes Einkaufsbudget und ein Kostenbudget, aber dieses stehe hier nicht zur Genehmigung. «Ihr messt uns ja sowieso zuletzt am Milchpreis», fügte er an. Das Budget zum Genehmigen werde es an der Generalversammlung 2017 geben. Auch die Statuten wurden genehmigt, mit reduzierten finanziellen Kompetenzen für den Vorstand und einer Höchstzahl von 11 statt 12 Verwaltungsräten. Die Diskussionen zeigten, dass die Verantwortlichen von Mooh sich das Vertrauen der Basis teilweise noch erarbeiten müssen. Die Strategie von Mooh ist mutig und konsequent, was für manche Milchproduzenten wohl noch gewöhnungsbedürftig ist.
roland.wyss@rubmedia.ch