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Schweizer Zucker für Coca-Cola

Für den Schweizer Zucker gibt es zwar Abnehmer, die explizit Schweizer Qualität suchen. Zusätzlicher Grenzschutz hat aber keine Chance. Das zeigte ein Anlass bei Coca-Cola Schweiz.

von Roland Wyss

Patrick Wittweiler, Leiter QS und Nachhaltigkeit bei Coca-Cola HBC Schweiz AG.
Marcel Kreber.
Joachim Pfauntsch, Werkleiter der Zuckerfabrik in Frauenfeld.
Die neue Anlage in Dietlikon.

Unter dem Titel «Wie süss ist die Zukunft des Schweizer Zuckers?» luden der Schweizerische Verband der Ingenieur-Agronomen und Lebensmittel-Ingenieure SVIAL und das Kompetenznetzwerk Ernährungswirtschaft Ende Juni nach Brüttisellen zu Coca-Cola Schweiz. Zur Einstimmung bekamen die Teilnehmer die Abfüllung zu sehen, inklusiver der brandneuen Hispeed-Anlage, die vor kurzem eingeweiht wurde (s. alimenta Nr. 12 vom 15. Juni 2016). Die anschliessende Diskussion mit Fachleuten zeigte deutlich, wie ungemütlich die Situation für die Schweizer Zuckerbranche werden wird.
Joachim Pfauntsch, Werkleiter der Zuckerfabrik in Frauenfeld, erläuterte, wie die kommende Quotenaufhebung im EU-Zuckermarkt zu einem Ungleichgewicht führt. Und dies, weil die EU einerseits die Mengenbeschränkung aufhebt, andererseits aber weiterhin Zölle für Zuckerimporte erhebt. «Die EU ändert einseitig die Spielregeln und wird vom Import- zum Exportmarkt», sagte Pfauntsch. Der weitere Druck auf den Zucker und die Rübenpreise werde dazu führen, dass Schweizer Bauern vermehrt aus der Rübenproduktion aussteigen. Um die Auslastung hoch zu halten oder noch zu erhöhen, will die Schweizer Zucker AG deshalb verstärkt Rüben auch in Süddeutschland beschaffen, um daraus Zucker zu produzieren, der dann wieder exportiert wird. Man werde aber auch weiter Kosten senken müssen, mit Personalabbau und mit einer Optimierung der Transporte. Was ferner helfen würde, wäre ein Schwellenpreis, wie er im Parlament noch diskutiert werden wird. Insgesamt werde die Zukunft für den Schweizer Zucker «nicht sauer, aber schwierig», sagte Pfauntsch.

Anforderungen an konstante Qualität

Patrick Wittweiler, QS- und Nachhaltigkeits-Manager bei Coca-Cola HBC Schweiz AG, erklärte, man brauche 20›000 Tonnen Zucker pro Jahr, dabei sei «importierter Zucker nicht die optimale Lösung». Wichtig sei für die Produktion eine hohe Reinheit des Zuckers. Bei der Produktion von Sprite gebe es sonst Farbveränderungen. Diese Reinheit sei in der Schweiz besser gewährleistet als in anderen Ländern. Wichtig ist laut Wittweiler auch eine homogene Korngrösse beim Zucker. Zu grosse Körner bleiben in den Filtern hängen, was zu Verlusten führt, zu kleine Körner führen zu Staub, ebenfalls mit Verlusten. Wichtig seien ferner kurze Transportwege, damit sich beim Transport keine Feuchtigkeit bildet. Coca-Cola hat in Brüttisellen kein grosses Zuckerlager und erhält deshalb drei bis fünf Mal pro Tag Zucker angeliefert. Marcel Kreber, Geschäftsführer Verbandes des Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten SMS, beleuchtete den Zuckermarkt aus der Sicht seiner Branche. Diese kauft 15 bis 20 Prozent des gesamten Schweizer Zuckers und ist damit ein wichtiger Abnehmer der Zuckerfabriken. Im Getränkemarkt gehe der Trend zwar zurück zu «the real thing», also wieder etwas weg von Light-Produkten zurück zu ursprünglichen Rezepturen. Allerdings werde Zucker zunehmend stigmatisiert. Belgien habe eine Zuckersteuer eingeführt, die weitgehend wirkungslos sei, ebenso Mexiko, und in England werde eine Soda Tax diskutiert. Damit werde das Produkt stigmatisiert statt der unmässige Konsum. Letzterer liege in der Verantwortung der Konsumenten. Er selber habe als Kind jeweils eine Kiste Coca-Cola zu Weihnachten erhalten, Coca-Cola sei ja ein Genussmittel und werde nicht literweise getrunken.
Das kam bei Urs Tagmann, dem anwesenden Vertreter des Bundesamtes für Landwirtschaft, schlecht an. «Die Werbung ist darauf ausgerichtet, dass möglichst viel konsumiert wird», sagte er. Coca-Cola-Mann Wittweiler wies darauf hin, dass man in der Werbung auch die Leute zu mehr Bewegung animieren wolle, weil das Verhältnis zwischen Energiekonsum und Energieverbrauch für einen gesunden Lebenswandel entscheidend sei. Und Kreber kritisierte den Bund: Dieser unterstütze einerseits die Werbung für Schweizer Zucker, andererseits führe er Programme für weniger Zuckerkonsum ein. Auch von einem Schwellenpreis, wie ihn sich Joachim Pfauntsch wünscht, wollte Kreber nichts wissen: Man biete nicht Hand für eine weitere Verteuerung der Produkte.
roland.wyss@rubmedia.ch