Datum: Branche: Technologie:

Free-From-Produkte boomen

Lebensmittel-Unverträglichkeiten sind in der Schweiz auf dem Vormarsch gemäss einer Studie von Coop. Der Grossverteiler hat daher sein Free-From-Sortiment weiterentwickelt und vergrössert.

von Coop/gb

Coop hat eine Studie über Lebensmittelintoleranzen durchgeführt mit Unterstützung des aha! Allergiezentrums und den Medien präsentiert.

«Heute kauft jeder fünfte Coop-Kunde regelmässig lactose- und glutenfreie Produkte. Ein Drittel unserer Kunden legt diese Artikel heute deutlich häufiger in den Einkaufskorb. So verkaufen wir beispielsweise acht Mal mehr lactosefreie Milch als noch vor fünf Jahren», erklärt Roland Frefel, Leiter Frischprodukte Coop. Und Dr. Georg Schäppi von aha! Allergiezentrum Schweiz bestätigte an der Medienorientierung von Coop am 31.8.2016 : «Die Zahl der Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten ist von einem Prozent vor 100 Jahren auf heute gut 25 Prozent gestiegen. Wir essen exotischer und nehmen vermehrt Inhaltsstoffe zu uns, an die unser Organismus nicht gewöhnt ist. Hinzu kommt ein hygienischer Lebensstil, der kaum mehr echte Herausforderungen für das Immunsystem bietet».

Dass die Sensibilität fürs Thema gestiegen ist, zeigt auch eine Umfrage von Coop beim Verband der Schweizer Ernährungsberaterinnen und -berater (SVDE). Neun von zehn Beratern geben an, in den letzten fünf Jahren mehr Klienten zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten beraten zu haben.

Die Studie von Coop, die zum 10-jährigen Jubiläum der Coop Eigenmarke Free From mit fachlicher Unterstützung von aha! Allergiezentrum Schweiz realisiert wurde, ergab: 5 Prozent der Befragten haben eine ärztlich diagnostizierte Unverträglichkeit gegenüber Lactose, 11 Prozent sind durch Angehörige sogenannt fremdbetroffen. 18 Prozent sind Affine, die sich gesundheitlich besser fühlen, wenn sie auf Milchzucker verzichten. Bei Gluten sind es 2 Prozent Direktbetroffene, 6 Prozent Fremdbetroffene und 14 Prozent Affine.

Käuferschaft ist jung und gesundheitsaffin

Die Studienergebnisse zeichnen ein klares Bild der Käuferinnen und Käufer von lactose- und glutenfreien Produkten. Sie sind signifikant jünger, häufiger ledig, Vollzeit berufstätig und höher gebildet. In der Westschweiz und im Tessin ist die Nachfrage grösser. Im Tessin kauft jeder dritte Kunde Free-From-Produkte und der Umsatzanteil ist in diesem Kanton doppelt so hoch.

Coop hat einen neuen Vertrag mit Service Allergie Suisse (SAS), der unabhängigen Tochtergesellschaft der Stiftung aha! Allergiezentrum Schweiz unterzeichnet. Im Rahmen dieser verstärkten Zusammenarbeit wird SAS die Produkte des Food- und Non-Food-Sortiments zertifizieren. Diese sind entsprechend mit dem Schweizer Allergie-Gütesiegel ausgezeichnet. Alle glutenfreien Spezialartikel tragen zudem das rechtlich geschützte Glutenfrei-Symbol: die durchgestrichene Ähre im Kreis.

Neu verwendet Coop die Kennzeichnung von Free From auch auf anderen Eigenmarken wie Betty Bossi, Karma und Naturaplan. Zudem führt Coop immer mehr lactose- und glutenfreie Markenartikel von Anbietern wie Barilla, Emmi und Schär. Das Angebot ist heute zehn Mal so gross wie vor zehn Jahren. Eine so breite Vielfalt bietet kein anderer Schweizer Detailhändler. Die Studie zeigt gemäss Coop, dass lactose- und glutenfreie Ernährung ein Bedürfnis ist und kein Modetrend. (Text: Coop)

Frefel erklärte ausserdem die oft kritisierten hohen Preise der Free-From-Produkte: «einerseits bedingt durch teure Rohstoffe, anderseits sind die Produktionskosten viel höher wegen kleineren Chargen, getrennten Herstellräumen, separater Lagerung / Transport und komplexeren Prozessen mit regelmässigen Laborkontrollen durch unabhängige Institute».

Die sensorische Qualität der allergenfreien Produkte hat grosse Fortschritte gemacht. Diana Studerus, Zöliakie-Betroffene und Ernährungsberaterin sagte an der Medienorientierung: «Lactosefreie Milchprodukte sind heute gleich gut wie die Normalprodukte. Auch bei den glutenfreien gibt es vergleichbar gute wie zB Teigwaren und Biscuits. Brot ist jedoch am schwierigsten ans Original anzugleichen». In letzter Zeit sind jedoch grosse Fortschritte festzustellen.

Die zwei Free-From-Kategorien von Coop betreffen nicht Allergien im immunologischen Sinn, die sehr selten sind und kaum ein Marktpotenzial haben, sondern die viel häufigeren und nicht akut lebensbedrohlichen Intoleranzen. Trendforscher vermuten bei Konsummotiven von gluten- oder lactose-freien Produkten oft auch Lifestyle-Aspekte. (GB)

Wie entstehen Lactose- bzw Gluten-Intoleranz?

Bei der Laktoseintoleranz wird das Verdauungsenzym Laktase nicht oder nur ungenügend produziert. Dies führt zu Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen. Das Enzym ist nötig, um die Laktose (Milchzucker) in seine Bestandteile zu spalten. In der Schweiz leidet ungefähr jede fünfte Person an einer Laktoseintoleranz. Der Milchzucker (Laktose) ist ein Zweifachzucker, bestehend aus Schleimzucker (Galaktose) und Traubenzucker (Glukose). Laktose kommt natürlicherweise in der Milch von Säugetieren vor. Kleinere Mengen Laktose werden Nahrungsmitteln aber auch bei der industriellen Herstellung, sowie Fertigprodukten, Gewürzzubereitungen oder Medikamenten zugefügt. Normalerweise wird der Milchzucker im Dünndarm durch das Enzym Laktase in seine zwei Bestandteile gespalten, denn nur so können diese über den Darm ins Blut aufgenommen werden. Wenn durch Vererbung oder, ausgelöst durch eine andere Krankheit, ein Laktasemangel besteht, wird von einer Laktoseintoleranz gesprochen. Anstatt ins Blut gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren.

Bei Personen mit einer Zöliakie führt Gluten (Klebereiweiss in verschiedenen Getreidesorten) zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Wird eine glutenfreie Ernährung eingehalten, ist in der Regel ein beschwerdefreies Leben möglich. Personen mit einer Zöliakie haben eine genetische Vorbelastung (Prädisposition). Dadurch führt bei ihnen die Zufuhr von Gluten zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Gluten ist ein Sammelbegriff für Klebereiweisse in verschiedenen Getreidesorten (Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Emmer, Grünkern, Kamut, Einkorn und Triticale). Die Schädigung führt zum Abbau der Dünndarmzotten, wodurch sich die Oberfläche des Darms verkleinert. Nährstoffe (Kohlenhydrate, Fette, Eiweisse, Vitamine und Mineralstoffe) können dadurch schlechter aufgenommen werden und stehen dem Körper nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Diese Nährstoffdefizite können im Laufe der Erkrankung Mangelerscheinungen (z.B. Eisenmangel) und entsprechende Folgen (z.B. Blutarmut) auslösen. (aha)