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Neue Studien widerlegen, dass Alkohol das Herz schützt

Moderater Alkoholkonsum wurde bisher kontrovers diskutiert: Krebsmediziner warnten, aber Kardiologen und Anhänger der mediterranen Kost fanden im Rotwein positive Aspekte. Erstere machen jetzt eine Kertwendung.

von pd/gb

Das berühmte französische Paradox sagt, der regelmässige Rotweinkonsum der Franzosen sei der Grund für deren selteneren Herzkrankheiten trotz Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck.

Niedriger bis moderater Alkoholkonsum hat offenbar doch keine herz- und gefässschützende Funktion. Zu diesem Ergebnis kommen eine Reihe von Studien, die auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Rom vorgestellt wurden. So lieferte eine über 20 Jahre laufende dänische Studie mit fast 19000 Krankenschwestern nach der Bereinigung um Gesundheits-, Lebensstil- und psychosoziale Faktoren keine Hinweise auf einen signifikanten günstigen Zusammenhang zwischen niedrigem oder moderatem Alkoholkonsum und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Die Studienautoren fanden auch keinen signifikanten Zusammenhang zwischen niedrigem bis mittlerem Alkoholkonsum mit weniger Schlaganfall und Herzinfarkt.

Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) kommentiert: «Es gibt immer wieder Berichte über den positiven Einfluss eines moderaten Konsums von unterschiedlichen alkoholischen Getränken, insbesondere von Wein, auf die Herz- und Gefässgesundheit. Andere Studien wiederum konnten diese günstige Wirkung nicht bestätigen. Eine mögliche schädliche Wirkung massvollen Weintrinkens auf die Herzgesundheit liess sich allerdings auch nicht stichhaltig und zweifelsfrei belegen».

Unklar sei auch die vielfach behaupteten Mechanismen eines möglichen Herzschutzes. Wer also etwas für seine Herzgesundheit tun möchte, braucht dafür keinen Alkohol zu trinken. Starker Alkoholkonsum könne sich negativ auf viele Organe unseres Körpers auswirken, auch auf das Herz zum Beispiel durch Rhythmusstörungen oder Pumpschwäche, und sollte jedenfalls vermieden werden.