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Schweizer Käseexport in die USA würde durch TTIP noch schwieriger

Für Schweizer Käse sind die USA ein interessanter Markt, das US- Importsystem bietet allerdings ein paar Hürden. Freihandel mit den USA oder ein Andocken an TTIP – falls dieses zustandekommt – könnte helfen.

von Roland Wyss

Eine Öffnung der Agrarmärkte wäre für die Schweizer Landwirtschaft zwar eine Herausforderung, aber machbar. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, welche die Interessengemeinschaft Agrarstandort Schweiz (IGAS) in Auftrag gegeben hat, und welche die Öffentlichkeit bereits wieder vergessen hat (s. auch «Marktöffnung wäre machbar», alimenta Nr. 14 vom 31. August 2016). Die Studie liefert darüber hinaus interessante Fakten zum Käsemarkt bei einer allfälligen Marktöffnung. Dazu wurde auch eine Reihe von Experten befragt.
Ein besserer Marktzugang für den US-Käsemarkt wäre für die exportierenden Firmen wie Emmi und Mifroma attraktiv. Die in die USA exportierten Mengen sind mit knapp 7500 Tonnen zwar deutlich geringer als die Mengen in Richtung EU (gut 56 000 Tonnen), aber die Margen sind in den USA interessanter als im währungsbedingt schwieriger gewordenen EU-Markt. Der EU-Ladenpreis für ein Kilogramm Gruyère liegt bei durchschnittlich 20.64 Franken, in den USA liegt der Preis bei 26.70 Franken. In teuren Spezialitätengeschäften kann der Preis bis zu 55 Franken hoch gehen.

Unpassende Importkontingente

Die USA gewähren drei Importkontingente: 1. für Emmentaler und «Swiss», also Grosslochkäse, 2. für Schmelzkäse und 3. für übrige Käse. Diese in der Gatt-Uruguay-Runde ausgehandelten Kontingente entsprechen nicht mehr der aktuellen Nachfrage, so wird das Schmelzkäse-Kontingent nicht ausgeschöpft, während für den erfolgreichen Gruyère AOP unter «übrige Käse» zu wenig Menge zum Kontingentszollansatz exportiert werden kann. Die Ausserkontingentszölle sind allerdings nicht prohibitiv hoch. Eine Hürde ist ferner, dass eine von der Food and Drug Administration FDA autorisierte Stelle die Hersteller von Lebensmitteln zertifizieren muss, was hohe Kosten bedeutet. Der US-Detailhandel befindet sich in einem Konzentrationsprozess. Für Firmen wie Emmi, die in den USA eigene Produktionsbetriebe haben, ist es laut der Studie einfacher, nebst den US-Produkten ein Schweizer Käse-Sortiment anzubieten. Für Firmen wie Mifroma, die von den US-Handelsfirmen abhängig sind, dürfte es aufwendiger werden, am Markt präsent zu bleiben.
Bei einem TTIP-Abschluss mit einem Zollabbau in den USA gegenüber der EU wäre laut der Studie vor allem rund 2000 Tonnen Käse im mittleren Preissgment wie Fondue, Raclette und andere Hart- und Halbhartkäse betroffen.
Entsprechend finden die befragten Experten, dass bei einem Abschluss von TTIP ein Verbleiben beim Status Quo die schlechteste Option wäre, weil dies zu einer Erosion der Marktanteile in den USA vor allem im mittleren Preissegment führen könnte. Teilweise wird ein Freihandelsabkommen mit den USA bevorzugt, teilweise ein Andocken an TTIP. Mit einem Freihandelsabkommen könnten die Hindernisse im Warenverkehr mit den USA gezielt vermindert werden, allerdings ist fraglich, ob die USA überhaupt verhandlungsbereit wären. Ein Andocken an TTIP wird von den Experten als zweitbeste Variante betrachtet, sie würde neue Marktchancen bieten, aber auch dazu führen, dass die Käsepreise stärker sinken würden.
Die Studie «Auswirkungen einer breiten Marktöffnung auf die schweizerische Land- und Ernährungswirtschaft» ist online verfügbar unter:

http://tinyurl.com/studie-HAFL-IGAS
roland.wyss@rubmedia.ch