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Wenige Beanstandungen bei Früchten und Gemüsen

Können Früchte in der Schweiz in Bezug auf Rückstände ohne Bedenken genossen werden? Die Ergebnisse des Rückstandsmonitorings der diesjährigen Erdbeersaison sprechen dafür.

von Petra Sieghart, Dipl. Ing. agr. Univ., stv. Geschäftsleiterin von Quali­service

Von Januar bis Juni wurden im Rahmen des Schweizerischen Untersuchungsringes für Obst und Gemüse (SOGUR) 46 Erdbeerproben durch Qualiservice untersucht. Davon stammten knapp 60 Prozent aus der Schweiz, der Rest wurde vor allem aus Spanien und Italien importiert. Keine einzige der Proben überschritt die geltenden Höchstwerte. Neben den Grenz- und Toleranzwerten werden Mehrfachrückstände zunehmend kritischer gesehen. Doch auch hier ist die Situation erfreulich: Drei Viertel der Proben wiesen maximal drei Rückstände auf. Insgesamt war sogar ein Viertel der Proben gänzlich frei von Rückständen.

Risikobasierte Probennahme

Diese Ergebnisse spiegeln die allgemeine Situation im Schweizer Markt für Früchte und Gemüse: 2015 wurden insgesamt 2369 Früchte-, Gemüse- und Kartoffelproben von Qualiservice auf Rückstände untersucht. Überschreitungen von Grenz- und Toleranzwerten gab es dabei nur bei 78 Proben (3,3 Prozent). Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Proben risikobasiert genommen werden – die durchschnittliche Beanstandungsquote liegt damit nochmals tiefer.
Aufgrund des bekannten Risikos etwa wurden 5 Prozent Proben mit Herkunft Südostasien genommen. Auch wenn der Marktanteil der Produkte südostasischer Herkunft weit geringer ist, musste fast ein Drittel der Proben beanstandet werden. In diesen Ländern sind die Prinzipien der Integrierten Produktion, ebenso wie die Gute Agrarpraxis noch zu wenig bekannt.

Höchstwerte spiegeln Gute Agrarpraxis

Gesundheitsgefährdungen sind aber auch bei Überschreitungen von Grenzwerten in der Regel nicht zu erwarten, da alle Höchstwerte einen Sicherheitsfaktor von mindestens 100 enthalten. Die festgelegten Grenz- und Toleranzwerte sind also maximal ein Hundertstel dessen, was gesundheitlich relevant ist. In der Regel handelt es sich um so genannte agronomische Werte: für jede Kultur so niedrig wie möglich. Grundlage dafür ist wiederum die Gute Agrarpraxis. Eine Überschreitung von Toleranzwerten ist also zuerst mal ein Verstoss gegen die Gute Agrarpraxis. Für die toxikologische Betrachtung ist dann eine weitere Auswertung notwendig. Hier wird einerseits mit der erlaubten Tagesdosis (Acceptable Daily Intake, ADI) und andererseits mit der akuten Referenzdosis (ARfD-Wert) gearbeitet. Mit Hilfe von angenommenen täglichen bzw. langfristigen Verzehrsmengen wird berechnet, ob diese Werte überschritten werden. In diesem Fall würde tatsächlich eine potenzielle Gesundheitsgefahr bestehen, welche jeweils an die zuständigen regionalen Behörden gemeldet werden muss. Ein professioneller Anbieter informiert seine Kunden in der Probenbeurteilung über diese – nur vereinzelt auftretenden – Fälle.

Beurteilungskompetenz ergänzt Analytik

Die zentrale Frage beim Rückstandsmonitoring ist: Auf welchem Produkt sollte was und in welcher Frequenz untersucht werden? Das Schweizerische Lebensmittelgesetz gibt hier kaum konkrete Hinweise. Für diese Frage braucht es eine vertiefte Risikoanalyse, Erfahrung und agronomisches Fachwissen. Letzteres ist auch bei der Beurteilung der Proben relevant und diese ist oft recht komplex. Neben der Anwendung der geltenden Höchstwerte, der Unterscheidung zwischen Toleranz- und Grenzwerten, gilt es zu klären, ob der Wirkstoff in der jeweiligen Kultur und für die jeweilige Produktionsmethode zugelassen ist. Zudem gibt es zunehmend abnehmerspezifische Vorgaben, welche über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Die Kompetenz zur Beurteilung einer Probe wird somit genauso wichtig wie das chemisch-analytische Fachwissen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Probenahme: Sie muss an den richtigen Stellen fachgerecht durchgeführt werden. Voraussetzung für ein glaubwürdiges Rückstandsmonitoring ist zudem die Unabhängigkeit des Probennehmers. Im optimalen Fall ist dies eine neutrale Organisation, welche für die Probenahme akkreditiert ist.

Das Rückstandsmonitoring richtig nutzen!

Mit über 2000 Früchte- und Gemüseproben pro Jahr ist Qualiservice der führende Untersuchungsring in der Schweiz. Die statistische Auswertung der Probenergebnisse macht Aussagen nicht nur auf Betriebs-, sondern auch auf Branchenebene möglich. So wird die Teilnahme am Rückstandsmonitoring zu einem wichtigen Instrument der Betriebsoptimierung. Kommt es zu einer Beanstandung, gilt es die Ursache der Kontamination zu identifizieren: Handelt es sich um einen offensichtlichen Anwendungsfehler oder eine unerwünschte Kontamination, die allenfalls noch technisch unvermeidbar ist? In jedem Fall müssen entsprechende Massnahmen ergriffen werden, die Folgefälle verhindern. Wenn diese konsequent umgesetzt werden, können sich die Betriebe laufend verbessern und dafür sorgen, dass Früchte und Gemüse ohne Bedenken konsumiert werden können.