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Premium im Saftmarkt wird interessant

Angesichts wirtschaftlich stagnierende Märkte in den Schwellenländern schrumpft der internationale Saftmarkt zwar derzeit. Langfristig ist mit Wachstum zu rechnen, wie eine Studie von Tetra Pak zeigt.

von Roland Wyss

Frucht- und Gemüsesäfte werden auch in Schwelleländern immer häufiger konsumiert. (Bild: zvg)

Weltweit geht die Nachfrage nach Frucht- oder Gemüsesäften eher zurück. In den wichtigsten Märkten – USA, Deutschland, Japan, Frankreich, Kanada und Grossbritannien – sinken die verkauften Mengen und auch die Prognosen bis 1918 gehen von einem Rückgang der weltweiten Verkäufe von 15 349 Millionen Liter auf 15 095 Mio. Liter aus. Mehr als ein Drittel dieses weltweiten Konsums geht auf die Rechnung der US-Amerikaner, mit einem Konsum von 6736 Mio. Liter im Jahr 2015, Deutschland folgt mit 1761 Mio. Litern. Eine Ausnahme ist China, wo der Konsum zwischen 2012 und 2015 um jährlich 11 Prozent wuchs, allerdings auf dem tiefen Niveau von 545 Mio. Litern. Brasilien wächst mit 12  Prozent pro Jahr noch schneller, auch in Indien, Indonesien und Malaysia wächst der Saftkonsum rasant. Verpackungshersteller Tetra Pak rechnet in seiner jüngsten «Index»-Publikation deshalb mit einer Stabilisierung des Gesamtmarktes. Das grosse Potenzial in China wird deutlich, wenn der Pro-Kopf-Konsum betrachtet wird. Dieser beträgt dort lediglich 0,4 Liter, während dieser Wert beim Spitzenreiter Kanada bei 30,1 Litern liegt, in Norwegen bei 25,4 Litern, in Deutschland bei 21,7 Litern und in den USA bei 20,9 Litern.Direktsäfte, also Säfte, die nicht aus Konzentraten rückverdünnt werden, wachsen trotz höheren Preisen in den wichtigsten Märkten.

Die Bereitschaft, für «frisch gepresste» Säfte und Smoothies deutlich mehr zu bezahlen, ist vorhanden.

Die Verkaufsargumente gehen dabei vom gesundheitlichen Nutzen und Wellness über ökologische bis hin zur handwerklichen Produktion Ebenfalls im Trend sind angereicherte Säfte, also Produkte, die positiven Effekte für die Gesundheit bringen sollen, etwa eine Stärkung des Immunsystems, Herzgesundheit, Verdauungsförderung, Knochengesundheit, Förderung der Konzentration oder besseres Aussehen.
Gemüsesäfte sind etwa in Japan schon länger wichtig und werden auch weltweit beliebter, weil mit Gemüse der Zuckergehalt gesenkt wird.

Orangensaft bleibt Primus

Orangensaft hat mit 46 Prozent Umsatzanteil weiterhin den weitaus grössten Anteil im globalen Saftmarkt. Apfel folgt mit 17 Prozent und gemischte Früchte mit 6 Prozent. Bei 3 Prozent liegen gemischte Gemüse, Trauben und Tomaten. Stark am Wachsen, wenn auch auf dem tiefen Niveau von einem Prozent, sind Cranberry- und Mangosäfte. Überflieger ist aber Kokoswasser (auch 1 Prozent), dessen Marktanteil auch bei tiefen 1 Prozent liegt, das sich in den USA zum absoluten Trendgetränk entwickelt hat.

Verunsicherung durch Zuckerdebatte

Beeinflusst ist der Saftkonsum in manchen Ländern von der öffentlichen Debatte über den Zuckerkonsum. Besonders stark zeigt sich dies in Grossbritannien, wo eine Zuckersteuer eingeführt werden soll. Säfte und Milchgetränke sind aufgrund ihres gesundheitlichen Nutzens davon ausgenommen, trotzdem ging der Saftkonsum der verunsicherten Konsumenten zurück – beim grossen Hersteller Tropicana so stark, dass man sich veranlasst sah, die grossangelegte, halbjährige Kampagne «Little Glass» zu lancieren. Die Message: Ein kleines Glas von 150 Millilitern hilft, die empfohlenen «5 Portionen am Tag» besser einzuhalten. Auch die europäische Fruchtsaftvereinigung AIJN will mit ihren Marketingmassnahmen in diese Richtung gehen, um den Rückgang des Saftkonsums zu stoppen. Ein starkes Wachstum verzeichnete in Grossbritannien hingegen die Marke Naked Juice – wie Tropicana eine Tochter von PepsiCo – dank Mischgetränken von Obst und Gemüse wie «Berry Veggie», «Bright Beets», «Orange Carrot» oder «Sea Green». Berühmte Tochter der Konkurrenz Coca-Cola ist die Marke Innocent, die heute mit knapp 300 Millionen Franken die grösste Smoothie-Marke Europas ist.
roland.wyss@rubmedia.ch