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Ramseier: viel Arbeit auf der «Roadmap»

Der Getränkeproduzent Ramseier Suisse AG investiert viel in neue Abfüllkapazitäten. Dabei muss den neuen Getränketrends Rechnung getragen werden.

von Hans Peter Schneider

Viel Edelstahl und modernste Technologie bei Ramseier.

In fünf Jahren hat die Fenaco-Tochter Ramseier Suisse AG, der schweizweit grösste Apfelsaftproduzent, über 80 Millionen Franken investiert. Diese Investitionen wurden gemäss der Anfang 2013 aufgestellten Roadmap beschlossen. Nötig wurden sie, weil die Produktion in Sursee konzentriert wird, wie Christian Consoni, Ramseier CEO, anlässlich einer Präsentation der neuen Anlagen erklärte. Aber nicht nur: «Wir müssen uns dem Konsumverhalten angleichen», sagte Consoni. In den letzten Jahren habe sich im Getränkebereich sehr viel verändert. Stichworte wie: Gesundheit, Lifestyle, zum Beispiel Getränke «on the go», führen zu neuen Produkten und vor allem zu anderen Darreichungsformen, welche die Getränkeindustrie anbieten müsse. So seien Smoothies gefragt, Säfte in PET-Flaschen oder Bier in Dosen. Dies sei die Motivation gewesen, um «Geld in die Hände nehmen», wie dies Consoni ausdrückte.

Mit Dose und Pet

So nahm Ramseier schon Ende 2013 das neue Hochregallager in Betrieb, um Platz für neue Abfüllkapazitäten zu schaffen. Dem Trend zu Dosenbier – «Jedes dritte Bier wird aus der Dose getrunken», so Consoni – ist Ramseier vor zwei Jahren mit der Inbetriebnahme der neuen, 20 Millionen Franken teuren Dosen­abfüllanlage in Hochdorf nachgekommen. Dort können 25 Millionen Einheiten pro Jahr produziert werden (alimenta Nr. 14 vom 26. August 2014). Vor einem Jahr wurden weitere sieben Millionen Franken in die neue Mosterei investiert. So wurde der Hauptstandort von zwei auf vier Obstpressen ausgerüstet. Die Nachfrage nach Getränken in Glas- und Weichpackungen war in den letzten Jahren rückläufig, die Nachfrage nach PET-Verpackungen stieg kontinuierlich an. Diesem Trend wurde das Unternehmen mit seiner neuesten technischen Errungenschaft nun gerecht. Dieser neueste Clou, nämlich die Eröffnung einer neuen PET-Ultraclean-Abfüllanlage, kostete weitere 21 Millionen Franken.

82 Tonnen Eisen und 1875 Tonnen Beton

Ramseier baute die Anlage in einer bestehenden Halle ein. Diese musste jedoch grundlegend ausgebaut werden, wie Christoph Suter, der Leiter Supply Chain von Ramseier, sagte. So wurde auf acht Metern Höhe ein Zwischenboden eingebaut. Damit die für den Zwischenboden notwendige Stabilität erreicht wurde, mussten Pfahlbohrungen in eine Tiefe von 23 Metern gerammt werden, insgesamt wurden 1875 Tonnen Zement verbetoniert. Für Armierungen wurden gesamthaft 82 Tonnen Eisen verbaut und für das neue Dach mit dem Elektropodest brachten die Fachwerkträger zusätzliche 350 Tonnen auf die Waage. Von Februar bis November 2015 wurde diese Abfüllanlage umgebaut. Von Dezember 2015 bis im März 2016 wurde die neue Abfüllanlage installiert. Der Umbau des Gebäudes kostete  fünf Millionen Franken, die neuen Anlagen 16 Millionen. Die Anlagen umfassen nicht nur die reine Abfüllung, sondern beinhalten von der Herstellung der Rohlinge, der Abfüllung, Etikettierung und Multipackanlage bis zur Palettieranlage alles.

25 000 Rohlinge

Dies brauchte laut Suter auch eine gewisse Einführungszeit. Denn: «Es ist eine komplexe Linie und dazu in einem Reinraumumfeld», sagte Suter. Eindrücklich ist auch die Geschwindigkeit, mit welcher die Maschine produziert. Pro Stunde können nämlich 22 000 Flaschen abgefüllt werden. Dabei ist es die Abfüllung, die den Takt vorgibt. Die Preform-Produktion könne sogar 25 000 Stück pro Stunde erreichen, sagt Suter. Jetzt wird in der Ramseier AG von Sonntagabend bis und mit Freitagabend während 24 Stunden dreischichtig produziert. Mit den neuen Anlagen nun nicht nur schneller, sondern auch mit Einsatz von weniger Energie und weniger Wasser. Die Leistungsgrenze auf den alten Anlagen sei erreicht gewesen. «Wir hatten ein Luxusproblem», sagte Consoni zu den Kapazitätsengpässen. Doch jetzt könne das Unternehmen seine Kompetenz als Getränkespezialist und Produktionspartner weiter ausbauen.

Investitionen in Elm

Und die Arbeit auf der Roadmap ist noch nicht zu Ende. Jetzt werden gemäss Consoni kleinere Schritte mit der Übernahme der Abfüllung aus dem Betrieb in Kiesen folgen. Dort werde noch bis Ende Jahr produziert. Dann soll im Frühling 2017 die Eröffnung des erneuerten Betriebs in Elm folgen. Von dort soll die Produktion der Handelsmarken nach Sursee gezügelt werden. Und auch dort hat Ramseier zur Effizienzsteigerung Millionen investiert.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch