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SIAL 2016: Wettkampf der Slogans

Die Ausgabe 2016 der SIAL musste einen Besucherrückgang verzeichnen. Nahrungsmittelunternehmen aus über hundert Ländern warben um die Gunst der Einkäufer. Aus Schweizer Sicht stand Käse im Vordergrund.

Die SIAL 2016 beherbergte weniger Besucher, trotz zahlreicherer Aussteller.
Marc Schaller von Lustenberger & Dürst.
Anthony Margot von Margot Fromages SA.
René Ruch von von Mühlenen.
Delphine Stocker von Fromages Gruyère SA.
Viele der 7000 Aussteller taten sich in Länderpavillions zusammen.
Marc Martin von Tante Agathe.
Rainer Naef von Hero.
Tobias Lütolf von Wander.
Marlene Bircher von Biofamilia AG.
Ueli Bühler von Cocktalis AG.
Standpersonal von Rainbow Foods S.A.
Pius Quiblier von Milerb S.A.
Der Swiss Pavillion von Switzerland Global Enterprise (SGE).
...Spaghetti aus Qui
Auch Altbekannte Marken, zwar nicht aus der Schweiz, aber aus Ecuador, waren anzutreffen.
...Pasta aus Quinoa...
Pilze aus China.
Robert Bühler, L&D, Valentin Diethelm SGE und Louise Anne Monod, SGE.
Hackbrettspielerin Christa Kölbener.
Anton Schmutz von Mifroma.
Auch die Schweiz, hier der SCM-Stand.
...oder auch einfach die guten französischen Spezialitätenkäse.
Glacé aus Fisch (Tilapia)
Gewürze als Paste in der Tube.
Am Innovationenstand: Toppings einzig aus Fruchtmasse.
Kaffeegetränke in allen Variationen.
Kaffee organisch.
Kalter Kaffee aus Kamelmilch.
Kokosmilch in der echten Kokosschale.
Chia-Getränke.
Französischer Weichkäse mit Regionalität beworben.
Quinoa-Hamburger-Auftritt an der SIAL 2016.
Auch die Franzosen kommen auf den «Dry Age-Geschmack».
Die Nachfrage nach Halal nimmt weiter zu.
Fabienne Häberlin von Züger Frischkäse mit der Innovation: Hüttenkäse mit Gemüse und Kernen.

Der Entscheid, wohin man sich als Besucher an der SIAL in Paris zuerst wenden soll, ist schwierig. Die aus hundert Ländern angereisten Aussteller buhlen schon vor dem Messeeingang mit Plakaten und Fahnen mit schönen Bildern und kernigen Sprüchen, die den Einkäufer mitten ins Herz treffen sollen. Taiwan: «Ihr richtiger Entscheid», China: «Teile es mit deiner Familie», oder «Switzerland: What else». Rund 150 ooo Einkäufer kamen gemäss Messeveranstalter nach Paris angereist. Dennoch: Der Eindruck blieb, dass die Messehallen weniger gefüllt waren als während der letzten Ausgabe vor zwei Jahren. Bestätigt wurde dieser Eindruck auch durch Aussagen von Ausstellern, die meistens zwar von guten Geschäften und einigermassen vielen Besuchern berichteten, jedoch an den letzten beiden Messetagen eine Flaute erlebten. Die mehr als 7000 Aussteller litten unter den Nachwehen der Terroranschläge, die vor numehr fast mehr als einem Jahr stattgefunden haben. Besonders Asiaten seien den Geschäften in Paris ferngeblieben, stellten einige Aussteller fest.

Weniger Schweizer

Auch die Zahl der Schweizer Unternehmen ist gegenüber der letzten SIAL Paris gesunken. Grund dafür war aber nicht die Angst vor Anschlägen, sondern mehrheitlich die missliche Währungssituation, aber auch steigenden Standpreise. So waren es gegenüber der letzten SIAL am Schweizer Länderpavillon, der wiederum von Switzerland Global Enterprise (S-GE) organisiert wurde, weniger Firmen. «Es fehlten die grössten», sagte S-GE-Pavillion-Chef Valentin Diethelm. Zum Beispiel die Migros-Tochter Delica, die noch vor zwei Jahren mit ihrem Café Royal eine grosse Fläche belegte. Oder Chocolats Villars, die sich am Stand ihres Mutterhauses der Savencia (Bongrain) präsentierte. Oder der Fruchsafthersteller Opalin und der Westschweizer Biscuitsproduzent Tante Agathe. Preislich sei es ein Vorteil, alleine aufzutreten, meinte Marc Martin, Chef von Tante Agathe. Und tatsächlich würden die Quadratmeterpreise jährlich zwischen sechs und sieben Prozent steigen, bestätigt Diethelm. Doch nicht nur die Standpreise an der SIAL steigen, auch die zweite wichtige internationale Messe, die Anuga in Köln, erhöht die Preise in ähnlichem Ausmass.
Micarna war schon vor zwei Jahren der einzige Schweizer Fleischproduzent und hat in diesem Jahr gar nicht mehr als Aussteller teilgenommen. Wieder dabei war die Bio Familia AG. Das Unternehmen zeigte zwei Neuheiten: Ein Knuspermüesli aus sogenanntem «Urgetreide», das gekeimten Emmer, Einkorn, Dinkel und Buchweizen enthält, wie Marlène Bircher vom Unternehmen aus Sachseln erklärte. Mit diesen Zutaten kann das Müesli, dem Trend folgend, auch einen «Vegan-Kleber» tragen. Die zweite Neuheit ist ein Brombeeren- und Joghurt-Knuspermüesli mit weniger Kohlenhydraten, weniger Zucker und mehr Proteinen. Die Wander AG aus Neuenegg zeigte das bekannte Sortiment der Marken Caotina, Twinings und Ovomaltine. Tobias Lütolf von Wander bestätigte den Trend, dass weniger Besucher anreisten. So habe er von den zu erwartenden Kundenkontakten nur gerade deren zwanzig Prozent realisieren können, während diese Quote zum Beispiel an einer Anuga rund 80 Prozent betrage.

Konfitüre ohne Kreuz

Ein grosses und international tätiges Unternehmen, Hero aus Lenzburg, zeigte sich auch am Swiss Pavilion. Sales Manager Rainer Naef erklärte im Gespräch, das Geschäft sei zwar momentan ein Auf und Ab. Dagegen steige das Hero-Geschäft mit dem Milchpulver im Babyfood, das unter anderem von Hochdorf hergestellt werde, in China konstant an. In Paris zeigte das Unternehmen eine Range von Konfitüren, die im Werk Lenzburg hergestellt werden. Dabei verzichtet Hero nun wegen der Swissness-Vorlage auf das Schweizer Kreuz – auch bei Orangenkonfitüre, die gemäss Regelung durchaus mit dem Schweizer Kreuz beworben werden könnte. Mit einem grossen Schweizer Kreuz beworben wird die Schokolade der Rainbow Foods SA aus Genf. Unter der Marke «Bite of Switzerland» werde Schokolade, die von Chocolat Alprose produziert wird, nach Indien, China, Dubai und Spanien exportiert, wie Standhostess Anna sagte.

Schweizer Käse als Exportprodukt

Grösser war der Aufmarsch von Schweizer Unternehmen in der Milch- und Käsehalle der SIAL. Dort waren am Stand von Switzerland Cheese Marketing (SCM) die Sortenorganisationen mit den Handelshäusern vertreten. Auch die Geschäfte seien gar nicht schlecht gelaufen, hörte man. Zwar seien die letzten zwei Tage der SIAL zu viel, sagte René Ruch von Cremo-von Mühlenen. Die wichtigen Einkäufer seien schon während den ersten drei Tagen am Stand gewesen. Die Firma präsentierte unter anderem den Gruyère AOP, Sieger der Weltmeisterschaft in Birmingham, aber auch, ganz unscheinbar auf einem Regal in der Kühltheke, als Nebenprodukt den Cremo-Doppelrahm im Tetra-Brik. Das sei in dieser Form ein einzigartiges Nischenprodukt, sagte Ruch, vergleichbare Produkte seien allesamt mit E-Stoffen angereichert. So werde diese Double-Crème bis nach Singapur exportiert.
Zum zweiten Mal an der SIAL war die Margot Fromages SA aus Yverdon. Anthony Margot erklärte, dass aber das Unternehmen, das 10 Prozent der Gruyère-Exporte abwickle, für nächstes Jahr auch die Anuga-Teilnahme geplant habe. Schon seit Jahren sind Lustenberger & Dürst aus Cham dabei oder die Alpsenn AG von Josef Hardegger aus Jonschwil. Die beiden grössten der Schweizer Milchwirtschaft, Emmi und Mifroma waren mit eigenen Ständen vertreten. Emmi präsentierte die ganze Range, darunter ein neues Fondue namens «Fondü», das aus 18 Prozent (italienischem) Gorgonzola produziert wird, ferner auch den kalten Kaffee in der Aludose. Dagegen setzte Mifroma vor allem auf das Käsesortiment, das unter der Marke «Heidi» in verschiedenen Darreichungsformen, vom Stück über die Würfel bis zur Rolle, verkauft wird. Für die Premium-Linie wurde höhlengereifter Käse unter der Marke «Cavern» angeboten.

Ausländische Schweizer-Unternehmen

Mit Cocktails will Ueli Bühler die Welt erobern. Produziert werden die Getränke unter der Marke «Cocktalis» im italienischen Monferrato, die Distribution findet in Frankreich statt und das Büro ist in Allschwil. Auch im Ausland lässt Pius Quiblier von Milerb SARL produzieren. Die Verarbeitung seiner Kräuter aus der Provence in der Schweiz habe er im letztem Jahr eingestellt, sie sei zu teuer geworden. Seine Glutamat- und E-Stoff-freien Kräutermischungen werden in der Schweiz bei Coop, TopCC und CC-Angehrn unter der «Milbel»-Marke verkauft. Im Ausland sei das Verhältnis Marke zu Private-Label des Händlers 30 zu 70 Prozent.

Leguminosen aus aller Welt

Auch nur im Ausland, nämlich in China, verarbeitet Bruno Utelli von Agra Pulse S.A. aus Vernier seine Hülsenfrüchte. Seine Produkterange reicht von weissen und roten Bohnen bis zu Linsen, Hirse, Buchweizen und vielen anderen. Gemäss Utelli hat der weltweite Handel mit Hülsenfrüchten zugenommen. Dies nicht zuletzt dank der erhöhten Sensibilität des Handels gegenüber den Leguminosen, weil das 2016 von der UNO-Landwirtschaftsorganisation FAO zum Jahr der Hülsenfrüchte erklärt wurde. Während am chinesischen Pavillon massenweise Bohnen und Erbsen, Reis und Linsen präsentiert wurden, schien es, als ob ganz Lateinamerika mit Quinoa im Gepäck nach Paris anreiste: ungemahlen, in ganzen Körnern, in Pulver oder zu Spaghetti verarbeitet. Auch Amaranth und Limabohnen, schwarze Bohnen oder Flachbohnen und verschiedenen Wurzeln waren präsent. Dabei überboten sich die Länderpavillons mit ihren Werbeslogans. Die ganze Messe stand unter dem Motto «Schaue tiefer». Die Türkei warb auf ihren Plakaten mit «Entdecke das Potenzial», Marokko mit dem «Authentischen Geschmack» und Chile mit «Die Quelle des Lebens». Während sich Brasilien auf den Hashtag #Brazil beschränkte, warb Polen mit «Schmeckt gut» und Gastgeber Frankreich «mit Liebe hergestellt». Die Länderpavillons bewarben auch spezifische Produktegruppen. So etwa Brasilien, das für sich die Poulet-Kompetenz beansprucht. Das Land zeigt dies mit dem Slogan: «Brasilianisches Geflügel bringt der Welt Glück und Gesundheit».
Auch die grossen Lebensmitteltrends, wie Protein (aus pflanzlichen Quellen), glutenfrei, vegan oder halal waren selbstverständlich omnipräsent. Viele Produkte trugen entsprechende Siegel.

Innovationen

An der SIAL wurden auch dieses Jahr wiederum Innovationen an einem separaten Platz präsentiert. Dabei wurden Nahrungsmittelangebote in alten und in neuen Zusammensetzungen, Convenience und Darreichungsformen präsentiert. Kaffee – kalt oder warm – spielte eine wichtige Rolle. Zum Beispiel Caffè Latte aus Kamelmilch, kaltgebrauter Kaffee oder einfach der Eiskaffee aus fairem Kaffee im Karton. Oder Proteintee mit Chiasamen drin und mit Omega3 beworben. Oder Kokosmilch in der echten Kokosnuss oder die Kräuterpaste aus der Tube. Eine Glacé, nicht aus Poulet wie jüngst bei Micarna, sondern dieses Mal aus Tiliapia-Fisch. Und auch eine helvetische Innovation schaffte es in den SIAL-Olymp, nämlich Zügers Gemüse- und Kerne-Hüttenkäse – aus der Schweiz – «what else».
hanspeter.schneider@rubmedia.ch