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Barry Callebaut: Das Potenzial zum Wachsen ist da

Das weltgrösste Schokoladeunternehmen Barry Callebaut wächst von Jahr zu Jahr, wenn auch nicht im erwarteten Ausmass. Das Potenzial zum Wachsen nimmt zu.

von Hans Peter Schneider

Antoine de Saint-Affrique in der Chocolate Academy in Zürich.

«Wenn wir einem einzigen Kunden 30 000 Tonnen mehr Flüssigschokolade liefern können, ist das gigantisch.» Dies sagte Victor Balli, Finanzchef an der Medienkonferenz des Schokolade- und Kakaoverarbeiters Barry Callebaut (BC). Gemeint ist die strategische Partnerschaft mit dem multinationalen Konzern Mondelez, von dem BC die Schokoladenfabrik in Belgien übernommen hat. Diese voraussichtlich per Ende Dezember abgeschlossene Transaktion beinhaltet die langfristige Vereinbarung zur Belieferung. Das Geschäft versinnbildlicht  das Wachstum von BC, das zwar unter den eigenen Zielen lag, aber den restlichen Schokolademarkt übertraf, wie CEO Antoine de Saint-Affrique erklärte. BC verkaufte im letzten Geschäftsjahr, das per Ende August 2016 zu Ende ging, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der globale Schokoladenmarkt hat in dieser Zeit um 1,7 Prozent nachgegeben. Der Umsatz ist in Lokalwährungen um 8,8 Prozent, in Franken um 7,8 Prozent auf 6,7 Milliarden gestiegen. Das EBIT betrug 401,7 Mio. Franken (+3,2%). Ausgestiegen ist BC aus weniger profitablen Kakaolieferverträgen. So seien in in diesem «global Cocoa»-Segment 12 Prozent weniger verkauft worden. Das Wachstum liege zwar unter den eigenen Zielen, werde aber «smart» (mit mehr Marge), sagte Saint-Affrique. Am schwächeren Wachstum seien die gestiegenen Kakaopreise schuld, die aber im restlichen Schokolademarkt viel stärker zu Buche schlugen.

Carma soll gestärkt werden

Bei Barry Callebaut wuchs insbesondere das Gourmet- und Spezialitätengeschäft, etwa mit der Marke Callebaut, aber auch mit der in der Schweiz bekannten Marke Carma. Diese soll nun wieder gestärkt werden, sagte Saint-Affrique, nicht nur in der Schweiz, sondern auch im nahen Osten und in weiteren Ländern.
Den Grundstein für weiteres Wachstum legte BC im letzten Jahr. So wurde die bestehende Schokoladenfabrik an der US-Westküste ausgebaut. In Indonesien wurde die neue Schokoladefabrik übernommen. Von Friesland Campina Kievit übernahm BC die Sparte Automatenfüllprodukte und wurde somit führender Anbieter für Pulvermischungen in Getränkeautomaten. Die Getränkesparte nahm um einen Drittel zu. BC geht im Rahmen seines Programms «Cocoa Horizons» seit Jahren näher zum Kakaoproduzenten. So wurde letztes Jahr eine App zur Rückverfolgung von Kakao bis zur Kakaofarm eingeführt. Auch mit der Übernahme der «Licensed Buying Company» Nyonkopa in Ghana geht BC näher zur Produktion. Die Anstrengungen zur Nachhaltigkeit trug  Früchte. BC wurde letztes Jahr in den Reigen der 25 nachhaltigsten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz aufgenommen. Auch damit will Saint-Affrique das «smarte» Wachstum vorantreiben und in den nächsten drei Jahren durchschnittlich zwischen vier und sechs Prozent wachsen.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch