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Bioregelwerk: Was neu per 2017 gilt

Wie jedes Jahr treten per Anfang Jahr aktualisierte Bestimmungen für Anbau, Tierhaltung, Verarbeitung und Vermarktung von Bioprodukten in kraft. alimenta gibt eine Übersicht zu den wichtigsten Neuerungen.

von Peter Jossi

Demeter verlangt ab 2017 bei der Weinherstellung (Vinifizierung) den Einsatz betriebseigener Hefen.

Die rechtlichen Grundanforderungen für Bioprodukte sind in der Schweiz in der «Bio-Verordnung» geregelt. Die ergänzende «WBF-Bio-Verordnung» (WBF-Bio V) umfasst die Detailbestimmungen in Umsetzungsfragen, etwa bezüglich der stark eingeschränkten Zulassung von Hilfsstoffen in Anbau, Tierhaltung und Verarbeitung. Eine wesentliche Rolle kommt diesen Verordnungen beim Handel mit der EU und darüber hinaus zu, denn sie bilden den rechtlichen Rahmen für die gegenseitigen Anerkennungen. Für die Biovermarktung in der Schweiz dienen die Bioverordnungen als rechtliche Grundanlage für alle Bioregelungen, nehmen in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch eine untergeordnete Bedeutung ein. Der Grund dafür ist offensichtlich: Die meisten Bioprodukte werden gemäss Richtlinien der Bioverbände Bio Suisse, Demeter und verschiedenen Bio-Eigenmarken erzeugt und sind entsprechend ausgezeichnet.

Verarbeitung – Details beachten!
Die WBF-Bio-Verordnung regelt in Koordination mit den EU-Bestimmungen eine Vielzahl an technischen Details, die in der konkreten Praxis grosse Auswirkungen haben können. Für die Lebensmittelbranche von Interesse sind insbesondere die Anhänge 1-3. Diese definieren die Ausnahmeregelungen für konventionelle Zutaten sowie Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe. Die entsprechenden Zulassungslisten verändern sich jährlich analog zur Nachfrage- und Angebotsentwicklung. Ein jährlicher genauer Blick auf die neuen Bestimmungen ist daher zwingend notwendig.

Neu darf ab 2017 Kartoffelstärke ausschliesslich in biologischer Produktion verwendet werden. Für weitere Stoffe gilt neu eine auf den 1. Januar 2019 terminierte Übergangsbestimmung. Lecithin und Carnaubawachs müssen bis zu diesem Zeitpunkt aus biozertifizierten Quellen stammen. Ebenfalls bis zum 1. Januar 2019 müssen Trenn- und Antischaummittel aus biologischen Pflanzenölen, beziehungsweise auch für diese Anwendung aus biozertifiziertem Carnaubawachs stammen. Konkretisiert wurde per 2017 zudem die für die Herstellung von Hefe und Hefeprodukten zulässigen Komponenten sowie die Einsatzbereiche für Zitronensäure und Natriumcitrat.

Bio Suisse will Nachhaltigkeitscheck
Als Teil der umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie verlangt Bio Suisse neu von allen Knospe-Lizenzbetrieben eine Selbsteinschätzung auf der Basis eines Fragenkatalogs. Für einige Betriebe dürfte dies als Hilfe zur Analyse der betrieblichen Abläufe dienen. Viele Firmen haben jedoch bereits heute eigene Nachhaltigkeitskonzepte und für Kleinbetriebe bedeutet die Auflage ohnehin einen weiteren adminstrativen Zusatzaufwand. Die Bio-Suisse-Anforderungen für Verarbeitung und Handel wurden für die neue Richtlinienversion in verschiedenen Kategorien neu geordnet und beispielsweise durch ein Kapitel «Zutaten in Knospe-Qualität» ergänzt. Die neuen Richtlinien enthalten zudem zusätzliche Zertifizierungsregelungen beim gleichzeitigen Handel mit biologischen und nicht-biologischen Lebensmitteln.
Für die Gastronomie lässt Bio Suisse neu als nicht-biologische Ausnahmen einheimische Fisch aus Wildfang (Seefischerei) zu, ergänzend zu den bereits zugelassen MSC-Wildfangfischen aus dem Import.

Wachsende Bedeutung für Demeter
Der Entscheid der Grossverteiler Coop und Migros, Demeter-Produkte ins Sortiment aufzunehmen, steigert die Bedeutung diesen traditionellen und international verankerten Biostandard für die Verarbeitungsunternehmen. Christian Butscher, Geschäftsleiter von Demeter Schweiz, betont: «Mit der Demeter-Vermarktung von Coop und Migros sind keine Zugeständnisse von Seiten Demeter gemacht worden.» Im Gegenteil seien eine starke Zusammenarbeit mit einem Engagement in den Bereichen Vermarktungsauftritt, Personalschulung und generell die Unterstützung des biologisch-dynamischen Landbaus in Forschung, Bildung und gemeimsamen Projekten vereinbart worden. «Die Grossverteiler werden daher sogar mehr in die Pflicht genommen als der Biofachhandel», ergänzt Butscher.

Bekanntlich basieren die Demeter-Anforderungen auf der von Rudolf Steiner begründeten bio-dynamischen Landwirtschaftsmethode. Demeter setzt zudem bei den Verarbeitungsverfahren eigene Massstäbe mit Anforderungen, die oft über die Bio Suisse-Richtlinien hinaus gehen. In den ab 2017 geltenden Bestimmungen setzt Demeter bei der Weinherstellung (Vinifizierung) einen starken Akzept und verlangt grundsätzlich den Einsatz betriebseigener Hefen. Die Demeter-Bestimmung stärkt damit eine bei der Herstellung vieler Qualitätsweinen traditionelles Verfahren, dass auch vom führenden Biowein-Label Delinat gefördert wird.
Vor dem Hintergrund immer breiterer Biosortimente kommt der Diskussion um die Zulassung neuer Verarbeitungsverfahren seit Jahren eine grosse Bedeutung zu. Eine neue Dynamik erhält die Debatte angesichts der starken Ausweitung der vegetarischen und veganen Biosortimente, aber auch neuer Haltbarkeitsmethoden für Frucht- und Gemüsesäfte, um bei schonenden tiefen Temperaturen die klassische Pasteurisation ersetzen können. Der Knackpunkt: Diese mit elektrischen Impulsen arbeitenden Verfahren sind bisher von der Bio Suisse nicht zugelassen. Der Fachkongress der BioFach 2017 thematisiert diese und weitere Fragestellungen zu neuen Verarbeitungstechnologien und die Kriterien für die Anwendung für die Bioverarbeitung (s. Kasten «Neue Verarbeitungstechnologien»)
redaktion@alimentaonline.ch

Was gilt neu für Bioprodukte?
Das jährlich auf «Bioaktuell» zusammengestellte «Bioregelwerk» enthält praktisch alle Verordnungen, Richtlinien, Weisungen und Listen, die im Biolandbau Anwendung finden. Die für 2017 gültigen Bestimmungen werden derzeit laufend online aufgeschaltet. Sobald alle Teile verfügbar sind, zirka Anfang Februar, werden sie zusammengefügt und verlinkt und als Download und als CD «Das Bioregelwerk 2017» erhältlich sein. www.bioaktuell.ch/aktuell/bioregelwerk.html. Übersicht «Das gilt neu im Biolandbau 2017» (bioaktuell/ FiBL): https://shop.fibl.orgfileadmin/documents/shop/1232-das-gilt-neu.pdf
Rückstandsweisung: Praxistest bestanden
Mit der «Weisung zum Vorgehen bei Rückständen im Bio-Bereich» trat eine wichtige Regelung bereits im November 2015 in Kraft. Bei der Erarbeitung der Weisung wirkte unter anderem die IG BIO als neue Branchenorganisation für Bioverarbeitung und -Vermarktung mit und sorgte dabei für eine konsequente und gleichzeitig praxisfähige Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen. Gut ein Jahr nach der Einführung hat sich die Weisung in der Praxis etabliert.

Neue Verarbeitungstechnologien: Was dient der Bioqualität?
Die jährliche Weltleitmesse für den Biohandel ist gleichzeitig der weltweit grösste Fachkongress. Einer der Schwerpunkte: Neue Verarbeitungstechnologien und die Kriterien für die Anwendung für die Bioverarbeitung.
Die Biobranche braucht zukunftsfähige Lebensmittel. Dafür muss die Biobranche für neue Verarbeitungstechnologien offen sein. Doch welche dienen der Bioqualität und welche sind abträglich? In der Veranstaltung setzen sich Experten mit Entwicklung in der Bioverarbeitung auseinander. Sie diskutieren über eine eigenständige Qualitätspositionierung und hinterfragen neue Technologien im Sinne einer zeitgemässen Bioverarbeitung.
www.biofach.de/de/events