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ISM: Schoggihandwerk ist gefragt

Alljährlich trifft sich die süsse Branche in Köln. Die Schweizer Unternehmen behaupten sich trotz widrigen Umständen auf den Auslandmärkten. Dennoch waren gleich viele Schweizer in Köln präsent wie im Vorjahr.

von Hans Peter Schneider

Die ISM 17 in Köln.
Die Schweiz war mit 20 Ausstellern vertreten.
Aber auch andere Vertreter grosser Schweizer Marken waren an den Distributorenständen vertreten, wie Hanspeter Trüb und Tobias Lütolf von Wander.

Die 47. internationale Süsswarenmesse ISM in Köln zählte mit gegen 38 000 Personen nur marginal weniger Besucher als im Vorjahr. Die Aussteller waren grösstenteils zufrieden mit den gemachten Kontakten. Einzig die Chinesen waren in weniger grossem Ausmass vertreten, weil die ISM 2017 mit dem chinesischen Neujahrsfest zusammentraf. Manche Aussteller meinten, dass die Chinesen nicht mehr bis nach Europa reisen würden, sondern nur noch bis nach Dubai an die Gulfood, die Ende Februar stattfindet und immer mehr Aussteller anziehe. Diese Messe halte auch viele arabische Besucher davon ab, nach Köln zu reisen. Dennoch war die ISM auch dieses Jahr wiederum der Hotspot für  Süsswaren und Knabberzeug und zog die Branche an. Dazu kam, dass die Pro Sweets, die Messe für die Zulieferindustrie der süssen Branche, mit ihren über 300 Ausstellern, darunter acht Schweizer Anbieter, parallel stattfand. An der ISM fanden sich 1600 Anbieter in Köln ein, darunter auch 20 Schweizer Unternehmen.

Kantonsschoggi

Wie zum Beispiel Chocolats Villars. Die zum französischen Savencia-Konzern gehörende Firma treibt die Swissness noch weiter als bis zum Kreuz und lancierte an der ISM die Kantonsschokolade. Nämlich diejenigen aus Bern, Luzern und Freiburg, in der Milch auch wirklich aus dem jeweiligen Kanton stammt und in Villars zu Schokolade verarbeitet wird, wie Isabelle Larfeuille erklärte. Bei den Likörschokoladen von Villars stammt der Likör von den besten Schnapsbrennern, deren Edelbrände mit Gold oder Silber ausgezeichnet wurden. Ebenso werden die Likörschokoladen  nach den Kantonen, aus denen der Edelbrand stammt, benannt. Die Firma hat gemäss Larfeuille damit im Export Erfolg. Auch die Genfer Firma Goldkenn exportiert den grössten Teil, wie der CEO Yves Linder erklärte. Die Neuheit an der Messe ist der Gold-Fünfliber. Anton von Weissenfluh, CEO von Chocolats Halba, ist stetig daran, den Exportanteil von aktuell 30 Prozent zu steigern. Vor einigen Jahren sei noch  nichts exportiert worden. Mit der neuen Fabrik in Pratteln, die im Sommer eröffnen soll, müssten aber neue Märkte her, sagte von Weissenfluh. Schliesslich könne man trotz der Problemzone Währung nur noch im Export wachsen.

Teilauslagerung

Schon seit Jahren exportiert die Emmentaler Biscuitsfabrik Kambly. Deren Chef Hans Martin Wahlen sagte, dass momentan in Ravensburg, in der neu übernommenen Fabrik, einige Sortimente der Kambly-Biscuits für den Exportmarkt hergestellt würden. Damit könne die schwierige Währungssituation etwas abgefedert werden. Ein Teil der Premium-Produkte werde jedoch nach wie vor von Trubschachen aus in die Auslandsmärkte exportiert.
Chocolats Favarger aus Genf hat seine Verpackungen überarbeitet. Mit dem neuen Exportmarkt Saudi Arabien musste auch das Schweizer Kreuz von den Spezialitäten wie Avelines und Nougalines entfernt werden. Die Araber würden dies nicht goutieren, sagte Export-Manager Pierre-Yves Benoist. Anders für den neuen Exportmarkt China: Dort müsse das Kreuz wieder drauf, weil dort Swissness hoch im Kurs sei. Für das Ostschweizer Schokoladeunternehmen Stella Bernrain AG ist der Trend nach veganen Produkten wichtig. So suchte Bernrain nach Möglichkeiten, Milchschokolade ohne Milch, aber mit unverändertem Geschmacksprofil zu produzieren. Die Lösung lag nahe: Als Geschmacksträger fungieren die eingesetzten Haselnüsse dank entsprechender Verarbeitung. Auch dem Trend nach hochprozentiger Schokolade ist das Unternehmen mit einer Sorte 72% India, einer 85% Togo und einer 100%-igen (!) nachgekommen. Ohne Zucker versteht sich.

Von Street Food inspiriert

Chocolatier Gysi aus Bümpliz will das Private-Label-Geschäft ausbauen. Dazu sucht die Firma Distributoren in Asien. Zurzeit habe man diese erst in den bestehenden Märkten, in Grossbritannien, den USA oder in Deutschland, sagte Firmenchef Thomas Gysi. Trotz schwachem Pfund setzt Gysi immer noch auf den wichtigen Markt Grossbritannien. Doch: «Der Brexit tut weh», sagte Gysi. Vor allem, weil die Währung seit letztem Sommer um 15 Prozent eingebrochen sei. Die Preise erhöhen gehe schlecht, sagte Gysi, man müsse sich auf diese Rahmenbedingungen einstellen. Das Unternehmen ist unter anderem erfolgreich mit der Lizenz von Victorinox, die Schokomesser sind im Export begehrt. Gysi hat sich inspirieren lassen von Street Food-Festivals und die Verpackungsformate darauf angepasst. So sind nun die Pralinés auch aus dem Becher oder dem Beutel essbar.

Aus Extrusionstechnologie

Maestrani Schokoladen AG aus Flawil SG präsentierte zu ihrem 75-Jahre-Jubiläum die mit patentierter Co-Extrusionstechnologie gefertigte Neuheit Munz Caramelstängeli. Dessen Herstellung erfolgt im sogenannten «Strang-in-Strang»-Verfahren. Die äussere Hülle besteht aus Schokolade, der innere Kern aus einer Caramelfüllung, wie Marcel Koller erklärte.
Marcel Schmid, Geschäftsführer von La Conditoria, will die Bildmarke Bündnerland ins Ausland tragen. Seine kleinsten Bündner Nusstörtchen sind schon an vielen Orten im deutschen Einzelhandel zu finden, zum Beispiel bei Karstadt, Kaiser Tengelmann oder dem Manufakturum. Auch die Bündner «Rötälistängel» oder seine Truffespralinés widerspiegeln laut Koller Authentizität pur, seien sie doch in Sedrun, an der Quelle des Rheins gefertigt.

Schweizer Riegel aus Ghana

In Ghana werden die Früchte-Snacks und Riegel von der HPW AG in Buchs hergestellt. Direkt neben den Plantagen werden Ananas, Bananen, Mangos oder Kokosnüssen der Sorte «African Tall» zu Riegeln verarbeitet, wie Michael Jud vom Unternehmen erklärte.
Von der Marke Kägi wurde in Köln neu ein Matcha-Kägi fret präsentiert, um den asiatischen Gaumen anzuregen. Eine weitere Neuheit präsentierte das Unternehmen mit dem Schoggiriegel «Mäx». Damit soll zum Beispiel das Kassenregal erobert werden, sagte Marlise Porchet von Kägi. Mit einer Kägi-Tischbombe sollen Kindergeburtstage beglückt werden. Für Camille Bloch aus Courtelary war die ISM ein Heimspiel. Der Stand im Ragusa-Look ist schon seit Jahren ein Anziehungspunkt der Messe. Die andere grosse Marke, Ricola, liess ihre neuen Alpen Salbei-Honig-Täfeli und die Kräuter-Caramel degustieren.
Nicht nur aus Käse können wie beim Tête-de-Moine Blumen entstehen, sondern auch aus Schokolade. Cédric Spielhofer und Seraina Bühler präsentierten in der «Newcomer-Area» ihre Fleurolle samt zugehöriger Schokolade.

Maschinen für Schoggihandwerk

Etwas grössere Herstellungs- und Verarbeitungslösungen für Schokolade zeigten die Aussteller der ProSweets. Die Maschinenbaufirma Knobel aus Felben ist seit den Anfängen der Messe vor 11 Jahren dabei. Verkaufsdirektor Joel Tschannen schwärmte von der Messe. Jeder Besucher sei ein potenzieller Kunde, weil die ISM gleich daneben stattfinde. Knobel sei oft in den USA tätig, dort sei ein Gegentrend zu den industriell hergestellten Süsswaren wie Marshmallows und anderem feststellbar. Viele Chocolatiers würden wieder selber beginnen, handwerkliche Schokolade herzustellen.
Auch im mittleren Osten ist das Unternehmen tätig. So habe man sofort begonnen, den Markt im Iran zu bearbeiten, nachdem er letztes Jahr geöffnet worden sei. Jetzt kann Knobel dort schon Maschinen liefern. Aber auch in der Schweiz habe die Firma kürzlich viel bei den neuen Schokoladefabriken von Läderach und Aeschbach liefern können. Knobel führt das «Cold-Press-Verfahren» mit «Stempel», der «Abdrücke» in die flüssige Chocolats-Schale macht. Das Unternehmen ist zusammen mit der anderen Schweizer Firma, Awema AG, führend in der One-Shot-Technologie.
hanspeter.schneider rubmedia.ch