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Bühler trotzt der Währungssituation

Bühler konnte 2016 den Umsatz steigern und den Gewinn halten. Zu schaffen machten dem Konzern die Währungen und der tiefe Ölpreis. Mit neuen Servicecenter geht Bühler noch näher an die Kunden.

von Roland Wyss

CEO Stefan Scheiber.
Bühler-Verwaltungsratspräsident Calvin Grieder.

Das Jahr 2016 war angesichts des schwachen Euros und der globalen Märkte eine Bewährungsprobe. So formulierte es Bühler-CEO Stefan Scheiber vor den Medien in Zürich. Bühler hatte nach der Aufhebung des Mindesteurokurses Mehrarbeit eingeführt, im April 2016 aber wieder die reguläre 40-Stundenwoche eingeführt. Tiefe Rohstoffpreise sorgten international für schwierige Märkte. Insgesamt habe man die Belastungsprobe aber gut bestanden, lautet der Tenor bei Bühler. Das Unternehmen aus Uzwil (SG) steigerte den Umsatz um zwei Prozent auf 2,45 Milliarden Franken, der Gewinn blieb mit 143 Millionen Franken stabil. Der Auftragseingang, der im Vorjahr um vier Prozent gesunken war, stieg 2016 um drei Prozent auf 2,54 Milliarden Franken.

Im Geschäftsbereich Grains & Food sank der Umsatz 2016 um ein Prozent auf 1,873 Milliarden Franken, während der Bereich Advanced Materials um neun Prozent auf 537 MillionenFranken wuchs. Auch das Servicegeschäft wuchs um sieben Prozent auf 578 Millionen Franken. Wachsen konnte Bühler vor allem in Nord- und Südamerika, Europa und China. Damit habe man den Rückgang im Mittleren Osten und Afrika mehr als kompensieren können, sagte Stefan Scheiber. Dort seien der tiefe Ölpreis und kriegerische Auseinandersetzungen die Hauptgründe für die schwache Entwicklung.

Wenig Dynamik im Lebensmittelbereich
Eine «starke Dynamik» sieht Scheiber im Segment Automatives, das mit drei Prozent wuchs. Das Segment Feed, also die Verarbeitung von Tierfutter, wuchs um zwei Prozent, während das Mühlensegment (Milling) um ein Prozent wuchs und der Schokoladenbereich stagnierte. Die Materialtechnik wachse derzeit stärker, sei aber auch stärkeren und schnelleren Schwankungen unterworfen als die Lebensmittelverarbeitung, sagte Scheiber. Letztere wachse zwar langsamer, aber stabiler und nachhaltiger. Das grösste Wachstum innerhalb von Grains & Food sieht Bühler beim Tierfutter. Hier sei man global immer noch unterrepräsentiert, heisst es im Geschäftsbericht. Allerdings habe man die führende Position von China aus in zusätzliche asiatische Länder ausbauen können. Verwaltunsgratspräsident Calvin Grieder liess keinen Zweifel daran, dass mit dem Wachstum auch Gewinne kommen müssen. «Die Profitabilität ist absolut entscheidend», sagte er. «Wir müssen Geld verdienen.» Die Profitabilität konnte Bühler halten, die EBIT-Marge bleibt bei 7,1 Prozent, währungsbereinigt bei 7,3 Prozent. Auch die Frage nach Finanzhilfen für klamme Kunden beantwortet Calvin Grieder klar: «Wir sind keine Bank.» Das sei ein anderes Geschäft. Bühler könne höchstens Finanzierungen vermitteln. Trotz den derzeit eher handelsfeindlichen Signale des US-Präsidenten erwartet Scheiber kurzfristig keine Probleme. Man habe in den USA eigene Standorte und die Wirtschaft dort laufe grundsätzlich gut.

Hohe Investitionen
Bühler erhöhte die Investitionen in Forschung und Entwicklung um sieben Prozent auf 109 Mio. Franken. Stark investiert wird in neue Geschäftsbereiche wie die Verarbeitung von Insekten und in die Batterieherstellung. In die weltweite Infrastruktur investierte Bühler 71 Mio. Franken. Und in Vietnam eröffnete die Firma ein neues Werk für die Fabrikation von Reisverarbeitungsmaschinen.
Stark gewachsen ist Bühler im Service, es wurden acht weitere Servicestationen eröffnet, Bühler verfügt damit über deren 92. «Wir suchen die Nähe unserer Kunden», sagte Scheiber. In den Servicestationen werde auch technische Ausbildung für die Anlagenbetreiber geboten. Mit dem Retrofit-Programm bietet Bühler Nachrüstungen und Updates für bestehende Anlagen.
Ferner investiert Bühler in den nächsten Jahren 100 bis 150 Mio. Franken in Uzwil, wo das Hauptwerk und Testzentrum modernisiert und die Prozesse vereinfacht werden sollen.
Das Umfeld 2017 sei «nicht besser, aber auch nicht schlechter», sagte Scheiber. Dank einem grossen Auftragspolster sei man zuversichtlich. Im Tagesgeschäft gebe es zwar Schwankungen, ingesamt sei man aber strategisch gut aufgestellt, um in Wachstumsmärkten weiterhin erfolgreich zu sein.
roland.wyss@rubmedia.ch