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Lateinamerika ist Meister im Biokakaoanbau

Der Kakaobedarf steigt weltweit. Deshalb wurde die Bioanbaufläche seit 2004 beinahe auf das Sechsfache vergrössert, deutlich mehr als die Gesamtanbaufläche. Zurzeit werden mehr als 300000 Hektar Biokakao angebaut, davon 60 % in Lateinamerika.

von pd/hps

Lateinamerika ist führen im Bereich Agroforstwirtschaft. (Bilder: FiBL)

Die Gesamtanbaufläche wuchs um etwa 20 %, und nimmt damit eine Fläche von über 10 Millionen Hektar ein. Eine Langzeitstudie in Bolivien, die verschiedene Kakaoanbausysteme vergleicht, hat gezeigt, dass Agroforstsysteme und biologischer Landbau nicht nur Biodiversität und Ernährungssicherung verbessern, sondern auch profitabler als Monokulturen und konventionelle Landwirtschaft sein können. Die Studie wurde vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) zusammen mit Partnern in Bolivien durchgeführt., wie das FiBL in einer Mitteilung schreibt. Die Studie untersuchte die Produktivität und das Einkommen pro Arbeitstag in vier verschiedenen Kakaoproduktionssystemen in einem Langzeitversuch, der mittlerweile fünfjährig ist. Monokulturen, bei denen nur Kakaobäume angebaut werden, und Agroforstsysteme, bei denen die Kakaobäume in Mischkultur mit Schattenbäumen und anderen Nebenfrüchten wie Bananen und Kochbananen stehen, wurden miteinander verglichen  sowohl unter biologischem wie konventionellem Management. Dabei liefert die Agroforstwirtschaft bessere Resultate bezüglich Einkommen, Ernährungssicherung und Biodiversität.

Doppelt so hohes Einkommen

Das Einkommen ist über die Jahre in den Agroforstsystemen etwa doppelt so hoch wie in den Monokulturen, obwohl die Agroforstsysteme aufgrund der Pflege der Schattenbäume arbeitsaufwendiger waren und die Monokulturen Kakaoernten liefern, die um etwa 40 % höher sind. Das Geheimnis: der Verkauf der Nebenfrüchte kompensiert den Kakaominderertrag bei weitem. Eine wichtige Erkenntnis, da sich die Landwirte aufgrund der wirtschaftlichen Machbarkeit für nachhaltigere Produktionssysteme wie Agroforstwirtschaft oder biologischen Landbau entscheiden. Daher ist die Entwicklung von Märkten für die Nebenfrüchte und deren Zugang für die Bauern essentiell. Nur so bleiben Agroforstsysteme rentabel und tragen durch Nebenfrüchte wie Orangen, Pfirsichpalme, Bananen, Kochbananen und Avocados zur Ernährungssicherung von Kleinbauern bei. Nun ist es wichtig, die verschiedenen Produktionssysteme mindestens bis zur vollen Produktivität der Bäume weiter zu beobachten, um zu verstehen, wie sie sich langfristig entwickeln.

Biologischer Landbau ist eine gute Wahl für Agroforstwirtschaft und Monokultur
Ertrag und Einkommen waren unter biologischem und konventionellem Management in Agroforstsystemen ähnlich hoch. In Monokulturen waren die Kakaoerträge im biologischen Landbau aber knapp 50 % tiefer. Aufgrund der tieferen Kosten für biologischen Landbau war das Einkommen jedoch vergleichbar. Dies könnte für Kleinbetriebe von grosser Bedeutung sein, da diese meist über geringe Ersparnisse und wenig Zugang zu Krediten verfügen. Bio benötigt ausserdem nicht mehr Arbeitsaufwand als konventionelles Management.