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Bestens für das Grossverbrauchermodell gerüstet

Die Lüscher Neumühle GmbH in Hallau hat ihr Energiesparpotenzial bereits mehrheitlich ausfindig gemacht. Durch die Teilnahme bei der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) ist der Betrieb auch für die Einführung des Grossverbrauchermodells (GVM) im Kanton Schaffhausen bestens gerüstet.

von pd/EnAW

Der Kanton Schaffhausen setzte 2016 das Grossverbrauchermodell (GVM) um. Unternehmen, die einen jährlichen Wärmeverbrauch von mehr als fünf Gigawattstunden oder einen jährlichen Elektrizitätsverbrauch von mehr als einer halben Gigawattstunde haben, gelten als Grossverbraucher. Diese werden durch das kantonale Energiegesetz zu einer Steigerung der betrieblichen Energieeffizienz verpflichtet. Durch den Abschluss einer Universalzielvereinbarung mit der EnAW werden Unternehmen von kantonalen Detailvorschriften befreit und senken ihren Energieverbrauch. Sie bildet auch die Grundlage für die Rückerstattung der CO2-Abgabe und des Netzzuschlages.

Beispielhaft vorausgegangen

Natürlich bemühten sich viele Unternehmen bereits vor der Umsetzung des GVM um einen besonders energieeffizienten Betrieb. Die Lüscher Neumühle GmbH ist eines dieser Beispiele. Seit 2015 ist die Mühle Teilnehmerin der EnAW und hat bereits zuvor zahlreiche Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz selbstständig umgesetzt. René Lüscher ist Geschäftsleiter in zweiter Generation und um eine effiziente Handhabung bemüht.
Der Familienbetrieb ist vergleichsweise klein. Lüscher muss in allen Bereichen des Betriebs zum Rechten schauen. Dies bietet ihm den Vorteil, auch über sämtliche energieintensiven Bereiche den Überblick zu bewahren. «Nach 30 Jahren im selben Betrieb, noch dazu, wenn es der eigene Familienbetrieb ist, kennt man den Prozess und die damit verbundenen Energiespitzen in- und auswendig», so Lüscher.

Konzentrierter Energiebedarf

Der Betrieb der Lüscher Neumühle wird durch die verschiedenen Jahreszeiten geprägt. Hauptsaison ist die Erntezeit, also der Sommer. Entsprechend ist besonders in den Monaten Juli, August und September der Energiebedarf höher. Getreide benötigt besondere Luft- und Temperaturver­hältnisse, um gelagert werden zu können.
Lagerstabil ist es bei einer Feuchtigkeit von 14 bis 15 Prozent. Kommt das Getreide mit einer höheren Feuchtigkeit bei der betriebseigenen Sammelstelle an, muss es mit einem Trockner auf das richtige Mass gebracht werden. Eine permanente Kontrolle des Getreides in den Silozellen sorgt dafür, dass auf eine zu grosse Erwärmung oder einen zu hohen Feuchtigkeitsgehalt zeitnah reagiert werden kann.
Während der Erntezeit laufen die Trockner durchgehend, was den Wärme- und Elektrizitätsbedarf vor allem auf diese Zeit konzentriert. Lüscher sorgte darum dafür, dass auch im Sommer energieeffizient gehandelt werden kann. «Im Jahr 2000 haben wir eine Holzschnitzelheizung eingebaut, was unseren Wärmeenergieverbrauch um gut einen Drittel reduziert hat», sagt Lüscher. Mit Öl heizt die Lüscher Neumühle nur noch bei erhöhtem Bedarf. Auf die Verwendung der Kühlgeräte beschränkt man sich in der Mühle in der Nacht und profitiert so auch von meist niedrigeren Stromtarifen.

Im Auge behalten

«Der Verbrauch von Strom fällt bei uns grundsätzlich nicht enorm ins Gewicht. Was teuer wird, sind Spitzenlasten», erklärt René Lüscher. Um den Elektrizitätsverbrauch auf einem gesunden Mass zu halten, hat Lüscher einen Kilowattzähler eingebaut, der auf einen Höchstwert von 150 Kilowattstunden eingestellt ist. Wird dieser Wert überschritten, stellt sich der Verbrauch automatisch ein. «Trifft ein solcher Fall unerwarteterweise ein, können wir mit einer Aufteilung des Prozesses darauf reagieren und beispielsweise das Trocknen auf den nächsten Tag verschieben», fasst Lüscher zusammen.
Diese genaue Überwachung sorgt dafür, dass sich die Verbrauchswerte für Elektrizität, Heizöl sowie auch Holzschnitzel stabilisiert haben.

CO2-Abgabe zurückerhalten

Ab einem CO2-Ausstoss von jährlich 100 Tonnen können sich Betriebe je nach Branche die CO2-Abgabe bei einer EnAW-Teilnahme zurückerstatten lassen. Um diesen Wert zu erreichen, hat sich die Lüscher Neumühle GmbH mit neun weiteren Mühlen zum «Verein CO2-Abgabebefreiung Getreide» zusammengetan und eine gemeinsame Zielvereinbarung mit der EnAW abgeschlossen. Das Einsparpotenzial ist bei einigen Betrieben geringer als bei anderen. «Darum zählt bei diesem Verein der Durchschnitt, sodass alle Betriebe von der CO2-Abgabebefreiung profitieren können», erklärt Thomas Pesenti als zuständiger EnAW-Moderator. Die Rückerstattung der CO2-Abgabe in der Höhe von 84 Franken pro Tonne ist für Lüscher ein besonderer Pluspunkt, deckt sie doch gerade seinen jährlichen EnAW-Teilnahmebeitrag.