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Kaffee und Käse top, Backwaren flop

Die Migros-Produktionsbetriebe sind letztes Jahr vor allem im Ausland gewachsen. Renner waren Kaffee, Käse und Near-Food-Produkte. Mit Spezialitäten und Marken soll es noch besser werden.

von Hans Peter Schneider

Mit Spezialtäten wie höhlengereiftem Käse will M-Industrie punkten. (Bild: zvg)

«Alle grossen Bereiche trugen zum Wachstum bei», sagte Walter Huber, CEO der Migros-Industrie. Dennoch wurde deutlich, dass Huber seine Lieblingssegmente hat. Zum Beispiel das Kaffeegeschäft von Delica, das im sogenannten Segment 4 zusammen mit Schokolade (Chocolat Frey) und Reis angesiedelt ist. Das Wachstum dort betrug 5,2 Prozent und in absoluten Zahlen erwirtschaftete das Segment 838 Millionen Franken. Gewachsen ist auch das Segment 2 mit Milchprodukten, nämlich um 3 Prozent auf 1,069 Milliarde Franken. Mit Kosmetik oder Near-Food, wo die M-Industrie ein Joint-Venture mit dem Konsumgüterhersteller Procter & Gamble realisierte, machte das Unternehmen 436 Millionen Franken Umsatz und erzielte ein Wachstum von 2,5 Prozent. Diese drei Segmente, oder die drei «K» – Kapseln, Käse und Kosmetik – halten zudem auch einen hohen Exportanteil: 14,7 Prozent sind es beim Käse, 35,7 Prozent bei Schokolade und Kaffee und 46,2 Prozent bei Kosmetik.

Taktische Marken

Unter anderem will die M-Industrie dort mit Marken und Spezialitäten wachsen, wie Huber erklärte. Zum Beispiel wurden unter der Dachmarke Mifroma die im Ausland erfolgreichen Submarken «Cavern» (Höhle) und «Heidi» stärker gepuscht. Je nach Markt und Positionierung werden laut Huber auch «taktische» Marken, wie zum Beispiel «Swiss Délice» verwendet. Aber auch mit Tête de Moine, Alpkäse oder Raclette soll der Export stärker vorangetrieben werden. Die Saucenproduktion wurde bisher nicht strategisch geführt. Dies ändert mit der im letzten Jahr übernommenen elsässischen Kaltsaucen- und Gewürzfirma «idhéa», die Saucenkompetenz liege jetzt in deren Händen, sagte Huber. Bisher wurden auch in der Bina oder der Elsa Saucen hergestellt.
Die grosse Erfolgsgeschichte bleibt aber der Kaffee. Besonders im Kapselgeschäft, wo jetzt laut Huber alle technologischen Probleme beseitigt sind und wo mit «Twin» ein eigenes System lanciert wurde, das auch für Milchmischgetränke wie Cappucchino oder Latte Macchiato geeignet ist. Mit dem «Klonsystem» Café Royal soll jetzt Land für Land erobert werden. Die Kapseln sind kompatibel mit dem Nespresso-System von Nestlé.

Backwarenkompetenz verbessern

Weniger erfolgreich war die Migros-Industrie im Segment 3, mit Back-, Eis- und Teigwaren. Besonders Glacé lief laut Huber nicht gut. Bei den Backwaren sollen mit dem neu in Produktion gehenden Werk Gränichen neue Standards gesetzt werden. Dabei sei vor allem im Brotbereich ein deutlicher Sprung in Sachen Kapazitäten und Technologien gemacht worden, sagte Huber. Das Brot werde deutlich frischer und mit einem besseren Aroma angeboten. Dem Teig könne jetzt auch mehr Gärzeit gegeben werden.
Ein eher strukturell bedingtes Problem hat die M-Industrie im Grossverbrauchergeschäft. Dort leidet unter dem Eindruck der sinkenden ausländischen Touristenzahlen und dem Einkaufstourismus das Cash&Carry-Abholgeschäft. So reduzierten sich die Umsätze um 1,5Prozent auf 1,069 Milliarden.

Investitionen erhöhen

Die Migros und ihre Industrie bekennen sich klar zum Werkplatz Schweiz. Dies schlägt sich in den Investitionsbeträgen nieder, wo die M-Industrie im letzten Jahr 230 Millionen investierte, davon 220 Millionen in der Schweiz. Dieser Betrag werde sich in den nächsten Jahren noch erhöhen, sagte Huber. Zum Beispiel will die M-Industrie in der Ostschweiz einen Schlachtbetrieb für Poulets bauen, eine Investition von 150 Millionen. Die Ostschweiz als Standort biete sich aus logistischen Gründen an, sagte Huber. Zudem sei die Verlagerung der Konsumentenbedürfnisse von «roten» zu «weissen» Proteinen eine Tatsache. Ferner plant die Micarna eine neue Brüterei in Avenches und einen neuen Elterntierpark in Siders.
Wenn es um Produkte gehe, wo nicht das standortspezifische Know-how gefragt sei, wie bei Schokolade oder Käse, sondern eher die Herstellungskompetenz, sei die Swissness weniger wichtig, sagte Huber. Er zeigte sich erleichtert darüber, dass das neue Swissness-Gesetz jetzt in Kraft sei: «Dies gibt Rechtssicherheit.» Allen Kopien, die mit Schweiz beworben würden, könne nun ein Riegel geschoben werden. Dabei hätten die M-Industrien bis auf kleine Randbereiche keine Probleme in der Umsetzung. Konkret erwartet Huber, dass der Bund Verantwortung übernimmt und dass die Botschaften bei Missbräuchen intervenieren. Nicht Freude hat Huber hingegen an der Auslobung von Produkten ohne gentechnisch veränderte Organismen, welche die Ständeratskommission kürzlich erlaubte. Damit würden die Konsumenten verunsichert, sagte Huber: «Schweizer Lebensmittel sind per se gentechfrei.»
hanspeter.schneider@rubmedia.ch