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Schweizer Zucker AG: Weiter sparen und hoffen auf höhere Zuckerpreise

Eine kleine Ernte und tiefe Preise bescherten den Schweizer Zuckerfabriken ein schlechtes Jahr. Die Zukunft wird nicht besser – sie steht ganz im Zeichen der Quotenaufhebung in der EU.

Andreas Blank.
Mit braunem Rübenzucker möchte die Schweizer Zucker AG die importierte Konkurrenz ausstechen.

Wie es der Schweizer Zucker AG (SZU) geht, steht ganz vorne in ihrem Geschäftsbericht: 2012/13 verzeichnete die Firma noch einen Gewinn von 2,9 Millionen Franken und einen Cashflow von gut 30 Millionen, bei einem Umsatz von 291,1 Millionen. Im Geschäftsjahr 2015/16 betrug der Gewinn noch bescheidene 28 000 Franken und der Cashflow 13 Millionen, bei einem Umsatz von gut 200 Millionen Franken. Verwaltungsratspräsident Andreas Blank mochte an der Generalversammlung vom 24. März denn auch nichts schönreden: Das letzte Geschäftsjahr sei ein schwieriges gewesen, mit einer kleinen Rübenernte und Preisdruck durch billigen Importzucker aus der EU. Dank Rückstellungen, die im Hinblick auf die Aufhebung der EU-Zuckerquote gemacht wurden, und die in den letzten zwei Jahren aufgelöst wurden, war das Ergebnis nicht noch schlechter.

Auslastung sicherstellen

Das grosse Problem der SZU: Die beiden Fabriken, die ohnehin während rund einem Drittel des Jahrs stillstehen, müssen im Herbst möglichst ausgelastet werden. Dazu braucht es möglichst viele Rüben. Der Rübenpreis ist in den letzten Jahren stetig gesunken, was immer mehr Produzenten dazu bewogen hat, aus der Rübenproduktion auszusteigen. Im letzten Jahr importierte die Fabrik in Frauenfeld 40 000 Tonnen Rüben aus Deutschland und Österreich. Die Zuckerfabriken und auch die Rübenbauern fordern deshalb schon seit einiger Zeit höhere Zölle. Davon will der Bund nichts wissen, bis jetzt gabs nur höhere Direktzahlungen von 200 Franken pro Hektare Rüben. «Damit können wir die Anbaubereitschaft nicht gewährleisten», sagte Blank in Bern. Als «kleinen Lichtblick» bezeichnete er die in letzter Zeit angestiegenen Weltmarktpreise, mit Auswirkungen auf den EU-Preis und damit auch auf den Schweizer Preis, der durch das Abkommen mit der EU (Doppel-Null-Abkommen) direkt an diesen gekoppelt ist. Von den guten Preisen könnte die Schweizer Zucker AG jetzt profitieren, hätte sie nicht allen

Zucker aus der kleinen Ernte schon verkauft.

Auch SZU-Direktor Guido Stäger sah einen Lichtblick: Die Swissness-Gesetzgebung, die nun seit Anfang Jahr in Kraft ist. Das sei positiv, die allermeisten Akteure in der Schweizer Lebensmittelindustrie wollten Schweizer Zucker. Unklar ist hingegen, wie sich die Aufhebung der EU-Zuckerquote ab Ende September auswirken wird. Auch dort werden die Fabriken Rübenpreise bezahlen, die hoch genug sind, damit die Bauern liefern, aber der Export der Überschüsse möglich bleibt. Man müsse sich auf eine Überproduktion einstellen mit der Folge, dass noch mehr Zucker zu Tiefpreisen in die Schweiz gelange, sagte Blank.

Kostensparen und neue Projekte

Die SZU ist ständig daran, Kosten einzusparen – beim Personal und bei Investitionen. Auch im laufenden Geschäftsjahr sollen 10 Prozent Kosten eingespart werden. Aber auch neue Projekte werden lanciert. So hat die SZU einen braunen Rübenzucker lanciert, als Konkurrenz zum braunen Rohzucker. Der Detailhandel tut sich aber offenbar schwer damit. Ferner will die SZU die Produktion von Pektin (Geliermittel) aus Rüben prüfen. Ebenfalls noch nicht entschieden ist über ein neues Holzschnitzel-Kraftwerk in Aarberg, das die Fabrik besser für höhere Energiepreise oder höhere CO2-Abgaben wappnen könnte.
roland. wyss@rubmedia.ch