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Ein Besucherzentrum ganz anderer Art

Der Ostschweizer Schokoladehersteller Maestrani eröffnete ein neues Besucherzentrum. Im unkonventionellen «Chocolarium» kann das Glück gefunden werden und damit soll das Marketing angekurbelt werden.

von Hans Peter Schneider

Majestätisch erhebt sich das Chocolarium in Flawil.

Vom Glück war viel die Rede anlässlich der Eröffnung des neuen «Chocolariums» des Ostschweizer Schokoladeherstellers Maestrani. Von Tryptophan, Serotonin und Theobromin, das jedoch erst in kiloweisen Mengen als Aufputschmittel zu wirken beginne, wie der Moderator, Peter Wick, Wetterfrosch bei verschiedenen Fernseh-Stationen, anlässlich der Eröffnungszeremonie bei Maestrani in Flawil erklärte. Das Glück wird aber auch als handfestes Marketingtool im neuen Maestrani-Besucherzentrum eingesetzt. Man begegnet dem Glück im Chocolarium auf Schritt und Tritt. Angefangen im Film, wo der Forscher im weissen Kittel mit Blumen und Glücksklee experimentierend und mit Reisen in südamerikanische Kakaoplantagen das Glück einzufangen versucht.

Das Labor für das unfassbare Glück

Oder in der goldgelb erleuchteten Glücksschleuse, wo der Besucher in das mit allerhand Glückssymbolen bestückte «Labor für das unfassbare Glück» eintritt. Dort fliesst die Schokolade durch ein weit verzweigtes Röhrensystem und lädt sich mit viel Glück auf. Das Chocolarium bietet etwas Hollywood-Ambiance – über dem Eingang zum Entdeckungsrundgang prangt in Movie-Manier der Schriftzug: «Wie das Glück in die Schokolade kommt». Einmal drin im Chocolarium, soll der Besucher jedoch nicht mehr «nur» Filme schauen, sondern selber aktiv werden. So kann er zum Beispiel Haselnüsse pflücken, wenn am Ast gezogen wird. Auch zwei Kühe stehen bereit und laden zum Wettmelken für die Milchschokoladenproduktion ein. In der Mischerei, wo die Conchierung als «Aroma-Katalysator» erklärt wird, können die Besucher die Räder selber drehen, sie können selbstverständlich auch den Hahn öffnen und mit dem Holzlöffelchen flüssige Schokolade geniessen. An anderen Stationen fallen dem Besucher Munz-Stängeli in die Hand. Dann geht es weiter in den Globi-Raum, wo Globi den Kindern seine Weise der Schoggiproduktion erklärt. Danach erhalten die Besucher Einblick in die reale Welt der Schokoladeproduktion. Auf der 80 Meter langen Galerie kann die Herstellung von der Tafelformung bis zur Verpackung der Schokolade besichtigt werden. Anschliessend können die Besucher im Kursraum ihre eigenen Schokoladetafel giessen. Nach einer weiteren Passerelle, diesmal aus Holz, gelangt der Besucher zurück und kann selbstverständlich Minor-, Munzstängeli und Maestrani-Tafeln kaufen und im Restaurant ein Kaffee trinken.

Meilenstein

Auch Markus Vettiger, Geschäftsführer von Maestrani, zeigte sich vom Glück überwältigt und betonte, dass die Firma mit der siebzehnmonatigen Bauzeit einen gewaltigen Meilenstein geschaffen habe. Der spezielle Bau sei bei der Bevölkerung und den Behörden auf gute Resonanz gestossen. Randolf Hanslin, VR-Präsident von Maestrani ergänzte, dass es für ein KMU eine ganz grosse Sache sei, ein solches Projekt zu verwirklichen. Es sei immer klar gewesen, dass die Firma für den Besucher etwas ganz anderes schaffen wolle, um einen «Wow-Effekt» zu erzielen. Wenn man heute auffallen wolle, reiche es nicht, einfach ein Museum zu bauen. Und: «Mit herkömmlicher Werbung haben wir gegen die Grossen in der Branche keine Chance», sagte Vettiger. «Eine Investition von 10 Millionen ist kein Klacks», so Hanslin. Das Geld sei in vielen Jahren Geschäftstätigkeit gespart worden. Wenn es um einen Event für Schokolade gehe, seien die Politiker auch da, sagte Hanslin augenzwinkernd. Bruno Dammann, Regierungsrat des Kanton St. Gallen, zeigte sich stolz auf die Firma. Es gebe nicht viele solche Vorzeige-KMU, sagte Dammann. Auch im Amt für Wirtschaft sei Maestrani eine Perle und ein sehr guter Arbeitgeber. Damman versprach Maestrani, dass der Busanschluss direkt zum Chocolarium bald komme.

Tourismusregion

So wie der Kanton etwa der Region Flumserberge helfe, werde er auch bei Maestrani helfen, das Angebot touristisch bekannt zu machen, zeigte sich Dammann überzeugt. Für Vettiger reiht sich das Chocolarium als Erlebniswelt optimal in die Tourismusregion der Ostschweiz und des süddeutschen Raumes ein – mit Bodensee, dem Appenzellerland mit Säntis und der Schaukäserei. Das Chocolarium sei ein Marketingtool, die Kundenbindung könne hier auf nachhaltige Weise zelebriert werden. Vettiger strebt mit dem Chocolarium auch Verkaufsziele an. Er rechnet mit jährlich mindestens 100 000 Besuchern, der Einzeleintritt kostet 14 Franken, im Familienpack kostet er 34 Franken. Auch im Café und mit Buchungen des Eventraumes, wo Backkurse, Degustations- und sonstige Kurse angeboten werden, soll das Geld fliessen.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch