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Emmis schöne neue IT-Welt

Emmi ist schnell gewachsen und jeder Betrieb brachte seine eigene IT mit. Mit der Einführung einer neuen IT- (One ERP) reist Emmi in die Industrie 4.0. Dies bringt einen Effizienzschub und sorgt für «ruhigere» Fabriken.

von Hans Peter Schneider

Jeder einzelne Arbeitsschritt ist detailliert messbar. (Bild: zvg)

«Man sagt Digitalisierung sei eine Reise und man wisse nicht genau wo sie endet», sagte Othmar Dubach, Managing Director bei Emmi Schweiz AG. Goethe sagte einmal: «Die beste Bildung findet der Mensch auf Reisen». Und wirklich. Auf der Reise, die Emmi in Sachen Industrie 4.0 gemacht hat, mussten die Emmi-Leute viel lernen. Davon war Dubach anlässlich des Rückblicks auf die Projektphase überzeugt. Der Milchverarbeiter präsentierte Mitte März am Produktionsstandort Kaltbach sein konzernweites OneERP-Systems (Enterprise Ressource Planning) – zusammen mit den ausführenden Partnern, dem Management- und Technologieberatungs-Unternehmen BearingPoint aus Zürich und dem Systemintegrationsspezialisten Acs AG aus Wil.

Schatten-IT

Doch was war die Motivation für Emmi, den Schritt in die Industrie 4.0 zu machen? Da das Unternehmen stark gewachsen war und zahlreiche Firmen übernommen hatte, stellte die Verknüpfung der IT-Systeme der einzelnen Betriebe eine grosse Herausforderung dar. Man habe nicht die Absicht gehabt, bestehende Systeme miteinander zu harmonisieren und Schnittstellen beizubehalten, sagte Dubach.

«Jeder Standort hatte zudem selber einige IT-Spezialisten mit eigenen Systemen, «eine Schatten-IT»

wie Dubach sagte. Reto Stocker, Projektleiter bei Emmi, ergänzte: «Wir hüteten einen Zoo an IT-Systemen, was die Beschaffung von produktionsrelevanten Daten extrem aufwändig machte.» In dieser «alten Welt» der separaten Systeme wurden Applikationen wie Babtec, CSB, Brisoft, Cobra, Oracle JDE oder Ergo eingesetzt, um nur einige zu nennen.

Vereinheitlichung und Digitalisierung

Das ist nun Geschichte. Jetzt bietet die neue SAP ERP-IT die Chance, auch das Produktionsleitsystem zu vereinheitlichen und zu digitalisieren. Dabei setzte Emmi die Software-Lösung «Wonderware» bereits erfolgreich im Umfeld der Prozessleitsysteme ein. Daher wurde laut Dubach entschieden, auch beim übergreifenden Produktionsleitsystem auf diese Software zu setzen. Zum Einsatz kommen in der ersten Phase nebst der Systemplattform die Module MES Operation und MES Performance. Jetzt sei der Standard kreiert, nachfolgende Systeme können gemäss Dubach nun schneller «ausgerollt» werden. So kann in der «neuen Welt» das System zudem auch international angewendet werden. Im einzelnen Betrieb könnten nun die schon bisher vorhandenen Daten, etwa zum Milcheingang genützt werden, wie Stocker sagte. Darauf könne nun ein Ablaufplan, erstellt werden, wie das Ziel erreicht werden soll. Mit kleinen Schritten könnten so immer weitere Funktionen von weiteren Transaktionen, wie bei der Zentrifugierung, der Tankeinlagerung, beim Abfüllen der Halbfabrikate bis hin zur Logistik aufgebaut werden. Alles ohne manuelle Aufzeichnung, jedoch ganz transparent. Wurde früher in Dagmersellen Rahm produziert, erhielt der Betrieb in Suhr plötzlich einen Anruf, ein weiterer Lastwagen komme.
Heute weiss jeder Betrieb transparent, wann welche Lieferung kommt, was es erlaube, viel besser zu planen, sagte Dubach.

«Heute planen wir Absätze, entsprechend diesen wird produziert»

so Dubach. Er sei überzeugt, dass es in den Emmi-Fabriken bald viel ruhiger werde. Emmis grösste Fabriken sind nun auf One ERP umgestellt. Die Molkerei Biedermann könnte gemäss Dubach auch bald dazukommen. Die grosse Herausforderung habe jedoch geheissen: «Die Akzeptanz der Leute», sagte Dubach. Es gehe nicht, wenn diese sagen würden: «Wir schauen dann mal, ob das neue System laufen wird». Die Leute hätten realisieren müssen, dass sie das wirklich tun müssten. Zudem gehe es nicht, ohne den obersten Chef mit an Bord zu haben.

In 48 Monaten realisiert

Dies verdeutlichte auch Roland Bieri, Geschäftsführer von acs AG AG in Wil: «Industrie 4.0-Projekte sind keine IT-Projekte, sondern Business- und Personenprojekte». Und Matthias Görtzen von BearingPoint versinnbildlichte die Herausforderung mit hohen Gipfeln, die erklommen werden mussten: «OneERP wurde innerhalb von 48 Monaten mit über 200 Projektmitarbeitern sowie knapp 10 Herstellern und Lieferanten an nahezu allen Schweizer Produktionsstandorten der Emmi implementiert». Die Mühe habe sich gelohnt. Am Tag der Einführung, des «go live» konnten nur gerade fünf Bestellungen von über 30 000 nicht bearbeitet werden, wie Görtzen sagte. Grossverteiler hätten schon angefragt, ob der Tag verschoben worden sei.