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Ein neuer Präsident für die BO Milch

Die Delegierten der Branchenorganisation (BO) Milch wählten am 27. April Peter Hegglin zu ihrem Präsidenten. Auch die Nachfolgelösung zum Schoggigesetz wurde verabschiedet, mit Vorbehalten aus der Romandie.

von Roland Wyss

Nachdem die Wahl des neuen Präsidenten unter Dach und Fach war, war der alte Präsident um einen saloppen Spruch nicht verlegen. «Der kommende Präsident ist noch besser als der alte», sagte Markus Zemp, «Und das ist gar nicht so einfach.» Und zu Peter Hegglin gewandt:

«Du wirst es nicht immer einfach haben. Jetzt, wo du gewählst bist, kann ich es dir ja sagen.»

Hegglin sei die erste Wahl gewesen auf einer nicht allzu langen Wunschliste für die Präsidenten-Nachfolge in der Branchenorganisation Milch, hatte es vorher in der Delegiertenversammlung in Bern geheissen. Und tatsächlich scheint Hegglin als ehemaliger Landwirt, Finanzdirektor und CVP-Ständerat die richtige Mischung aus Branchenkenntnis, Neutralität und politischem Netzwerk zu haben, um den möglicherweise schwierigsten Posten im Schweizer Agro-Food-Business zu besetzen. Hegglin wurde kürzlich auch als Präsident der Sortenorganisation Sbrinz gewählt und erklärte in Bern, das BO Milch-Präsidium sei für ihn eine gute Ergänzung aus der Praxis zur politischen Arbeit im Ständerat. So könne er in der Politik für die Branche Einfluss nehmen und in der Branche selber als «Coach in der Mitte» zwischen Produzenten und Verarbeitern wirken. Wenn die Branche sich einig sei, wie sie in die Zukunft gehen wolle, so Hegglin, dann werde auch die Politik mithelfen, den Weg freizumachen. Er wird seinen Posten bereits Anfang Mai antreten.

Zemp, seit 2010 Präsident, wurde in Bern gebührend verabschiedet, Vizepräsident Markus Willimann erinnerte daran, dass Zemp immer und immer wieder den Ausgleich und neue Lösungen gesucht habe. Dennoch habe er immer wieder auch persönliche schriftliche und telefonische Angriffe erdulden müssen, die nicht tolerierbar gewesen seien. Mehr als einmal habe er im Vorstand mit dem Rücktritt gedroht, einmal habe er sogar das Rücktrittsschreiben schon dabei gehabt – und jedesmal habe man ihn überzeugen können, dass die BO Milch, die mehrere erfolglose Vorgängerorganisationen hat, ohne ihn auch vom Absturz bedroht gewesen wäre.

Nachfolgelösung zum Schoggigesetz steht

Zemp bedauerte, dass zum Zeitpunkt seines Abtritts die Milchpreise nicht auf einem erfreulicheren Niveau seien. Hingegen freute er sich, dass er das schwierige Geschäft «Nachfolgelösung zum Schoggigesetz» abschliessen konnte. Die betreffenden zwei neuen Reglemente wurden in Bern abgesegnet. Sie sollen gleichzeitig mit der neuen Gesetzesgrundlage 2019 in Kraft treten, welche das Parlament allerdings zuerst noch beraten und verabschieden muss.

Das Konzept sieht vor, dass die Milchzulage, welche der Bund künftig anstelle von Schoggigesetzgeldern an die Milchproduzenten bezahlt, eingezogen werden und in drei Boxen fliessen: 1. Eine «Rohstoffverbilligungsbox», aus der wie bisher ein Teil der Preisdifferenz für Milchgrundstoffe in exportierten Produkten ausgeglichen wird. 80 Prozent der Mittel fliessen in diese Box, die Beiträge sind auf höchstens 25 Rappen pro Kilogramm Milch begrenzt .2. Eine «Marktentwicklungsbox», mit der neue Produkte mit guter Wertschöpfung unterstützt werden können. Die Mittel dafür stammen aus der «Rohstoffverbilligungsbox», im ersten Jahr sind es 5 Prozent, im zweiten 7 und im dritten Jahr 9 Prozent. 3. Eine «Regulierungsbox», aus der bei saisonalen Überschüssen Exporte von Produkten mit einem Milchfettanteil ab 25 Prozent gestützt werden. Diese ist auf höchstens 10 Millionen Franken begrenzt.

Die beiden Reglemente für «Rohstoffverbilligung» und «Regulierung» wurden von den Delegierten einstimmig angenommen. Im Vorfeld hatte es allerdings harte Verhandlungen zwischen Westschweizer und Deutschschweizer Branchenvertretern gegeben. Bereits im Herbst 2016 hatten die Westschweizer darauf gedrängt, eine «Regulierungsbox» einzurichten, um das generell tiefere Preisnivau in der Romandie etwas auszugleichen. Die darauf folgenden Verhandlungen um die Reglemente seien die schwierigsten gewesen, die er erlebt habe, sagte Zemp. Die Westschweiz sei hier in einer «speziellen Situation», aber zuletzt habe man einen Kompromiss gefunden. Ganz geräuschlos wollten sich die Wetschweizer aber nicht geschlagen geben: Sandra Dougoud, die scheidende Präsidentin der Cremo-Direktlieferanten, verlas eine gemeinsame Stellungnahme von Cremo, Laiteries Réunies Genève und der Produzentenorganisationen FSFL (Freiburg), Prolait und FLV (Wallis). Ihre Forderungen: Basisprodukte wie Rahm, Konsummilch oder Butter sollten nicht von der «Marktentwicklungsbox» ausgenommen werden, die «Regulierungsbox» sollte nicht auf die Stützung von C-Milch beschränkt bleiben und die Reglemente sollte nicht drei Jahre lang, sondern nur ein Jahr lang gültig bleiben. BO Milch-Geschäftsführer Stefan Kohler betonte in Bern, die Segmentierung habe im letzten Jahr stark geholfen, dass der Milchpreis nicht so stark abgesunken sei wie in der EU. Verschiedene Milchbauernvertreter aus der West- und Ostschweiz liessen sich davon nicht beeindrucken. Sie beklagten, in der EU seien die Milchpreise am steigen, und es sei dringend nötig, dass der BO Milch-Vorstand für das nächste Quartal eine Richtpreiserhöhung beschliesse.

Wechsel im Vorstand

Im Vorstand der BO Milch traten Christian Burren, PO Bemo, Christian Rüttimann von Coop und Sandra Dougoud, Cremo-Direkt­lieferanten, zurück. Neu gewählt wurden Jürg Dummermuth, Bemo-Lieferant aus Thörishaus BE, Roland Frefel, Leiter Beschaffung Frische bei Coop, und Mireille Hirt-Sturny, Cremo-Direktlieferantin aus St. Ursen. Mit einer beschlossenen Statutenänderung, die neu vier Suppleanten für Produzenten und Verarbeiter/Handel zulässt, konnte auch Christian Amstalden, Buying Director von Aldi Suisse, neu als Suppleant in den Vorstand gewählt werden.

roland.wyss@rubmedia.ch