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Ein Jahr mit schlechtem Fenaco-Wetter

Beim Agrarkonzern Fenaco sanken im letzten Jahr die Umsätze, der Gewinn blieb stabil. Auch im Segment Lebensmittelindustrie sank der Umsatz um 1,3 Prozent auf 1,26 Milliarden Franken.

von Roland Wyss

Pommes-frites-Herstellung.
Martin Keller, CEO der fenaco.
Salat-Verpackungsstrasse.
Möchte mehr Kaderfrauen im Unternehmen: Fenaco-VR-Präsident Pierre-André Geiser.

2016 war kein Jahr mit Fenaco-Landi-Wetter, die Umsätze gingen insgesamt zurück, der Gewinn blieb stabil. Was mit Fenaco-Landi-Wetter gemeint ist, erläuterte Fenaco-CEO Martin Keller vor den Medien in Bern: Ein kalter Winter, in dem mit Agrola-Heizöl oder Pellets geheizt und mit Landi-Schaufeln und Auftausalz der Schnee weggeräumt wird; ein warmer Frühling mit guter Vegetationsentwicklung, es wird gesät, gedüngt und in den Garten investiert; ein heisser Sommer mit vielen Grillabenden und viel Durst; und schliesslich ein goldener Herbst mit vielen reifen Früchten und einem schönen Weinjahrgang.

«Keiner der Märkte, in denen Fenaco tätig ist, war letztes Jahr im Aufwind»

sagte Keller. Trotzdem habe man leicht besser abgeschlossen, mit einem Unternehmensergebnis von 97 Millionen Franken (Vorjahr: 96 Mio. Franken). Der Umsatz hingegen sank um 1,6 Prozent auf 4,95 Milliarden Franken. Die Hauptursachen dafür sind einerseits Preissenkungen bei Dünger und Pflanzenschutz und andererseits tiefe Treib- und Brennstoffpreise. Dazu kam die CO2-Steuererhöhung per Anfang 2016, die dazu führte, dass grössere Mengen noch im alten Jahr unter dem alten Steuersatz verkauft wurden. Mengenmässig verkaufte die Fenaco mehr Brenn-und Treibstoff.

Leichter Umsatzrückgang für die Industrie

Auch im Segment Lebensmittelindustrie – mit Firmen wie Ernst Sutter, Frigemo, Eico, Steffen-Ris, Ramseier oder Elmer Citro – sank der Umsatz um 1,3 Prozent auf 1,26 Milliarden Franken. Beim Fleisch drückte der regnerische Sommer die Grillumsätze, das Weihnachtsgeschäft lief aber gut. Die Ernst Sutter AG investierte in Gossau in einen Erweiterungsbau, um teilweise die Produktion des geschlossenen Standortes in Freienbach nach Gossau zu verlagern. Der Pommes-Frites- und Convenience-Hersteller Frigemo konnte den Umsatz dank Aktivitäten zum 50-Jahr-Jubiläum der «Golden Frites» erhöhen. Eine erneut kleine Kartoffelernte führte zu umfangreichen Importen, auch die Erbsenernte fiel zu klein aus. Auch der Absatz von Eiern über die EiCo legte zu, hier konnte die Fenaco nach eigenen Angaben überdurchschnittlich wachsen, besonders in den Bereichen Bio, Freiland und bei Pick-Nick-Eiern. Hier wuchs die Firma mit dem Markt und nahm neue Eierproduzenten unter Vertrag.
Bei den Landesprodukten konnte die Fenaco mit Innovationen wie Snack-Karotten, neuen Apfelsorten, Primeur-Kartoffeln oder Premium-Erdbeeren die Marktposition stärken. Neben Kartoffeln und Erbsen konnte auch bei den Spezialkulturen wie Steinobst, Beeren und Frischgemüse die Nachfrage nicht gedeckt werden. Die Kernobsternte hingegen war zufriedenstellend.

Im Detailhandel konnten die beiden Kanäle Volg und Landi Marktanteile gewinnen, insgesamt wuchs der Umsatz um 1,4 Prozent auf 1,85 Milliarden Franken. Bei Volg wurde der Umsatz bei 1,053 Milliarden Franken gehalten, obwohl die Zahl der Läden um 29 auf 941 zurückging. Bei Landi blieb der Umsatz bei 796 Millionen Franken, sieben neue Läden wurden eröffnet, kleinere geschlossen. Pierre-André Geiser, der neue Verwaltungsratspräsident, betonte in Bern, ihm sei es ein Anliegen, dass bei der Fenaco vermehrt Frauen in Kaderpositionen gewählt würden. Hier kann die Fenaco noch viel verbessern: Die sechsköpfige Geschäftsleitung besteht nur aus Männern, in der erweiterten Geschäftsleitung mit vierzehn Mitgliedern ist Geneviève Gassmann die einzige Frau. Auch in der neunzehnköpfigen Verwaltung, einer Art Verwaltungsrat, sitzt mit Wirtschaftsprüferin Karin Perraudin nur eine Frau. Auch um die diesjährigen beiden Vakanzen zu besetzen, habe man leider keine geeignete Frau gefunden, sagte Geiser.
roland.wyss@rubmedia.ch