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Anhaltend schwieriges Umfeld für Endress+Hauser

Der Mess- und Automatisierungstechnikanbieter Endress+Hauser stagnierte 2016 beim Umsatz und erlitt einen Gewinnrückgang. Angesichts des Marktumfeldes habe man sich aber gut behauptet.

von Roland Wyss

Die Digitalisierung eröffnet auch in der Prozessautomatisierung neue Möglichkeiten.
Mathias Altendorf und Klaus Endress, CEO und VR-Präsident von Endress+Hauser.

Die Endress+Hauser Gruppe musste 2016 einen leichten Umsatzrückgang um 0,2 Prozent auf 2,139 Milliarden Euro hinnehmen. In lokalen Währungen legten die Verkäufe um 2,1 Prozent zu. Damit blieb Endress+Hauser hinter den eigenen Erwartungen zurück. Gemessen an der Entwicklung der Branche habe man sich aber gut geschlagen, sagte CEO Mathias Altendorf an der Bilanzmedienkonferenz vom 9. Mai in Basel. Das Betriebsergebnis EBIT sank um 14,2 Prozent auf 215,5 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern sank um 7,2 Prozent auf 217,3 Mio. Euro, das Ergebnis nach Steuern um 6,9 Prozent auf 153,5 Mio. Euro. Die Firma behauptete sich in Europa ingesamt gut, in Deutschland und den USA gingen die Umsätze zurück. In Indien und Russland konnte Endress+Hauser bei Umsatz und Gewinn zulegen. Im asiatisch-pazifischen Raum stagnierten die Verkäufe, in Afrika und dem Nahen Osten stiegen sie an. Rückgänge verzeichnete Endress+Hauser in den zyklischen Branchen Öl und Gas, Chemie, Grundstoffe und Metalle. Zyklische Sektoren wie Lebensmittel, Life Science und Wasser/Abwasser entwickelten sich gut. Der Umsatzanteil der Lebensmittelbranche beträgt laut Altendorf rund 8 Prozent, das Wachsutm konnte auf allen Kontinenten erzielt werden. Treiber sind die wachsende Mittelklasse in Schwellenländern und die vermehrte Nachfrage nach Convenience-Lebensmitteln. Genauere Zahlen zur Umsatzentwicklung der einzelnen Sparten gibt Endress+Hauser nicht bekannt.

Die Firma investierte im letzten Jahr weltweit 148,8 Mio. Euro in neue Gebäude und Anlagen. Abgeschlossen wurde der Ausbau des Kompetenzzentrums für Durchflussmesstechnik in Reinach BL, mit 49,5 Mio. Franken das grösste Vorhaben (s. Kasten). 40,5 Mio. Euro werden in den nächsten Jahren in die schrittweise Erweiterung des süddeutschen Standortes Maulburg (Füllstand- und Druckmesstechnik) investiert.

Industrie 4.0 erhält Schub

Ein wichtiges Thema für Endress+Hauser ist die Inustrie 4.0. Die Diskussionen erhielten eine neue Qualität, das Thema sei in den Chefetagen angekommen, sagte Altendorf. Die Aktivitäten würden hier gebündelt, eine neue Tochterfirma im deutschen Freiburg arbeitet ausschliesslich an Produkten, Lösungen und Dienstleistungen für die Industrie 4.0. Die Bedeutung des Themas zeige auch der wachsende Anteil an den Patentanmeldungen. 2016 wurden 273 Patent-Erstanmeldungen gemacht. 64 neue Produkte kamen auf den Markt. Der Start ins laufende Jahr sei gut geglückt, sagte Finanzchef Luc Schulthess. Der Auftragseingang liege über den Erwartungen. Geplant ist ein mittleres einstelligses Plus beim Nettoumsatz. 161 Mio. Euro sollen investiert werden und 150 neue Stellen entstehen.

Im Verwaltungsrat von Endress+Hauser ist neu per 1. Juni 2017 Mathis Büttiker, früherer Miteigentümer der Bank La Roche & Co. und heute Geschäftsleitungsmitglied der Notenstein La Roche Privatbank AG. Er folgt auf Fernando Fuenzalida, der ab 1998 Finanzchef und ab 2012 Verwaltungsrat bei Endress+Hauser war.
roland.wyss@rubmedia.ch