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Seit 50 Jahren für die Lebensmittelsicherheit

Die Schweizerische Gesellschaft für Lebensmittelhygiene SGLH hielt am 22. und 23. Juni an der ETH Zürich ihre 50. Arbeitstagung ab. Ein Gespräch mit der Präsidentin Prof. Corinne Gantenbein-Demarchi.

von Roland Wyss

Prof. Dr. Corinne Gantenbein-Demarchi.

alimenta: Frau Gantenbein, was sind Ziel und Zweck der SGLH?

PROF. Corinne Gantenbein-Demarchi: Das Ziel ist, die Gesundheit der Konsumenten zu gewährleisten durch Bewahrung der Hygiene und der Lebensmittelsicherheit über die ganze Lebensmittelkette.

Wer sind die Mitglieder der SGLH?
Mitglieder der Gesellschaft sind Wissenschaft, Vertreter der Wirtschaft und der Behörden. Auch Studierende gibt es unter den Mitgliedern. Eine akademische Ausbildung oder eine Berufsbildung sind Voraussetzung, zudem ist wünschenswert, dass die Leute im Bereich Lebensmittelhygiene und – sicherheit arbeiten und ein Interesse an diesen Themen haben. Insgesamt haben wir 470 Mitglieder, davon sind 110 Kollektivmitglieder, also Firmen.

In den Arbeitstagungen der letzten Jahre hat die SLGH sich unter anderem mit den Themen «Salmonellen», «Listerien», «Campylobacter» oder «enteropathogene Viren» befasst. Sind das die drängendsten Themen?
Diese pathogenen Verursacher von Lebensmittelvergiftungen gehören neben der Lebensmittelhygiene sicherlich zu den Kernthemen der SGLH. Wir versuchen im Rahmen unserer Arbeitstagungen oder den Diskussionsnachmittagen, mit Themen wie zum Beispiel dem EHEC-Ausbruch im Jahre 2011 auf aktuelle Ereignisse einzugehen und möglichst viele Mitglieder anzusprechen.

Hat sich die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft verändert?
Die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren massiv verstärkt. Die Wissenschaft hat die Nähe zur Wirtschaft vermehrt gesucht, nicht zuletzt auch durch das Finanzierungsmodell der Kommission für Technologie und Innovation KTI, die mit der Projektförderung klar auf die schweizerische Wirtschaft fokussiert. Aber auch die Fachhochschulen spielen zunehmend eine wichtige Rolle in der Forschung, vor allem in der industrienahen Forschung. Wir versuchen, an unseren Tagungen den Praxisbezug zur Lebensmittelproduktion herzustellen. Dies soll dazu beitragen, dass due wichtigen Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung, auf die vor allem die ETH und die Universitäten fokussieren, in die angewandte Forschung einfliessen und den Wirtschaftspartner zur Verfügung stehen.

Und wie steht die Forschung im internationalen Vergleich da?
Die ETH und die Universität Zürich sind in der Forschung im Bereich der Lebensmittelwissenschaften sicher international an der Spitze, die Fachhochschulen fokussieren in ihrer Forschung stark auf den nationalen Bereich. Die SGLH steht der ETH sehr nahe, nur schon durch die traditionellerweise unter dem Patronat von Prof. Martin Lössner vom IFNH (Inst. for Food, Nutrition and Health) an der ETH stattfindenden Arbeitstagungen, ist aber unabhängig.
Das Programm der Jubiläums-Arbeitstagung scheint ein Querschnitt über die wichtigen Themen und die wichtigen Akteure zu sein. Wir wollten alle Akteure zusammenbringen, die Forschung, die Wissenschaft, die Ausbildungsstätten und die Vollzugsbehörden – alle, die sich mit Lebensmittelsicherheit und -hygiene befassen. So ist auch ein Überblick darüber entstanden, was aktuell zum Thema Lebensmittelhygiene in der Schweiz läuft.

Was werden künftig die wichtigen Themen?

Sicher das Thema Antibiotika-Resistenz, ein ganz wichtiger Forschungsbereich. Und die Frage, welche Alternativen es zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit gibt, etwa den Einsatz von Bakteriophagen oder neue produktschonende technologische Verfahren. Aber auch das neue Lebensmittelrecht könnte in der Umsetzung einige Fragen aufwerfen, wie zum Beispiel das neue Prozesshygienekriterium für Campylobacter und den daraus folgenden Herausforderungen für die Geflügelindustrie.

Die Unternehmen haben mit dem neuen Recht mehr Freiheiten und mehr Eigenverantwortung.

Die Eigenverantwortung kann oft auch zu Überforderung in kleineren Firmen führen. Da braucht es Begleitung von Forschungspartnern oder Experten der Fachshochschulen und Hochschulen.
www.sglh.ch