Datum: Branche:

Die Milch-Herkunft wird wichtiger

Die Herkunft des Kakao wird bei der Schokolade schon länger ausgelobt. Immer mehr kommt nun auch die Milch in den Fokus. Chocolat Villars verkauft seit März Schokolade mit Milch aus drei Kantonen.

von Roland Wyss

Schokolade mit Freiburger Milch: «Les Laits Suisses» von Chocolat Villars.

«Die Schweizer Milchschokolade ist seit langem in der ganzen Welt bekannt», sagt Isabelle Larfeuille, Marketingmanagerin beim Westschweizer Schokoladenhersteller Villars. «Die hohe Qualität entsteht durch das Know-how für die Schokoladenproduktion, aber auch durch eine exzellente Milchqualität.» Man wolle die Konsumenten klar und transparent daran erinnern. Deshalb hat Villars im März die Linie «Les Laits Suisses» lanciert, drei Milchschokoladen mit Milch aus drei Kantonen: Freiburg, Bern und Luzern.

«Die Schokoladenkenner konzentrieren sich bisher auf dunkle Schokolade und geniessen die aromatischen Nuancen der verschiedenen Kakao-Herkünfte: Madagaskar oder Sao Tomé …»

sagt Larfeuille. «Mit «Les Laits Suisses» können sie Geschmackserfahrungen auch mit den unterschiedlichen Geschmacksnoten von Milch machen.» Die verwendete Milch stamme von Alpen in den drei Kantonen, sagt Larfeuille. Die unterschiedlichen Böden, Kräuter und Kuhrassen führten dazu, dass geschmacklich unterschiedliche Milch enstehe. Die Maîtres Chocolatiers bei Villars hätten ihre Rezepte so erarbeitet, dass der Geschmack in der Schokolade erkennbar bleibe.

Schweizer Milch inside

Eine Premiere ist für Villars auch die Platzierung des «Swiss milk inside»-Logos auf die Packungen. Die Marke gehört den Schweizer Milchproduzenten und soll künftig auf möglichst vielen Produkten sein, in denen Schweizer Milch verwendet wird (s. Interview mit SMP-Marketingchef Stefan Arnold auf Seite 9). Man habe das gemeinsame Interesse, die hohe Qualität der Schweizer Milch bekannt zu machen, sagt Larfeuille. «Swiss milk inside» zeige diese auf einen Blick, deshalb habe man die Zusammenarbeit mit der SMP gestartet. Ob das Logo auch auf anderen Produkten von Villars erscheinen wird, will Larfeuille derzeit nicht beantworten.
Die Milchsammlung für «Les Laits Suisses» sei wegen der Rückverfolgbarkeit etwas teurer, deshalb liege auch der Produktpreis leicht über den Preisen von anderen Villars-Milchschokoladen, sagt Larfeuille. Das Feedback vom Markt sei aber bisher sehr positiv. Die Schokolade ist bei Coop und Manor, aber auch in Belgien und Frankreich, etwa bei Galeries Lafayettes, erhältlich.

Milch aus der Biosphäre

Was Villars mit «Les Laits Suisses» lanciert, führt der Couverture-Hersteller Felchlin seit zwei Jahren im Sortiment – nämlich Schokolade, die Milch aus einer bestimmten Region enthält. Bei Felchlin ist es silofreie Milch, die aus dem Biosphärenreservat Entlebuch stammt. Unter dem Namen «Grand Cru Opus Lait de Terroir» mit Bergheumilch verkauft Felchlin Milchschokolade und weisse Schokolade mit dieser Milch.
Felchlin-CEO Christian Aschwanden sagt, ihm sei es schon lange ein Anliegen, bei der Schokolade nicht nur die Herkunft des Kakaos, sondern auch der Milch zu kontrollieren und auszuloben. Beim Kakao sei man schon seit 15 Jahren daran, bei der Milch habe man lange mit Milchverarbeitern diskutiert, diese seien aber völlig unflexibel gewesen, sagt Aschwanden. Schliesslich habe man mit Emmi eine Lösung gefunden, um die kleine Menge von 100 000 Litern schonend zu trocknen, damit die Milcharomen erhalten blieben und das Pulver weniger caramelisiert sei. Aschwanden würde auch gerne Schokolade mit Rigimilch und anderen Herkünften machen, das sei aber leider alles illusorisch. Die «Bergheumilch»-Schokolade sei ein teures Produkt, sagt Aschwanden, aber sie komme gut an, vor allem die weisse Schokolade. In Japan beispielsweise, wo die Konsumenten sehr kritisch und anspruchsvoll seien, habe man schöne Zuwächse.

«Es ist definitiv mehr als nur ein Marketing-Gag.»

sagt Aschwanden. Was die neue Marke «Swiss milk inside» angeht, versteht Aschwanden das Anliegen der Produzenten, Schweizer Milch in den Produkten auszuloben. Prinzipiell sei er dafür offen, allerdings sei für Felchlin ein solche Kennzeichnung weniger wichtig, weil man hauptsächlich im B2B-Geschäft tätig sei. «Ein solches Label ist vor allem gegenüber dem Konsumenten wichtig.» Dazu komme, dass viele Konsumenten wohl sowieso erwarten würden, dass in Schweizer Schokolade auch Schweizer Milch drin sei. Ein gutes Verkaufsargument sei Schweizer Milch in der Schokolade allemal, auch im Export, ist Aschwanden überzeugt. Ob aber ausländische Konsumenten auch die Abkürzung «CH» verstehen würden, ist er nicht sicher. Andere Schokoladenhersteller geben sich zum Thema Schweizer Milch und regionale Milch zurückhaltend. Bei Chocolat Frey heisst es nur, man sei von der SMP bisher nicht kontaktiert worden, prüfe das Thema «Swiss milk inside» aber laufend. Coop, der mit Chocolat Halba auch einen eigenen Hersteller hat, lässt verlauten, man werde «Swiss milk inside» bei einer entsprechenden Anfrage gerne prüfen.
roland.wyss@rubmedia.ch