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Hype oder echtes Konsumentenbedürfnis?

Experten, Hersteller und interessierte Konsumenten trafen sich am Regionalprodukte-Anlass von KION und htp St.Gallen vom 4. Juli in Zürich. Stephan Feige, Co-Autor der Studie «Regionalprodukte: Was ist Herkunft wert?» hielt das Einstiegsreferat.

von pd

Ralf Hahn, Ludwig Hatecke, Olivia Bosshart, Michael Dubach, Jasmine Said Bucher.

Herkunft liege im Trend und sei für viele Konsumenten wertvoll, erklärte er. Sie suchen im Zeitalter der Globalisierung und als Gegentrend zu ihr nach authentischen Produkten, zu denen sie eine Verbindung und eine emotionale Nähe aufbauen können. Laut der Befragung im Rahmen der Studie denken 82 Prozent der Schweizer positiv oder sehr positiv über Regionalprodukte. Bei durchschnittlich 70 Prozent der Kaufentscheide für Lebensmittel ziehen die Konsumenten bei gleichem Preis ein Regionalprodukt einem Produkt ohne konkrete Herkunftsangabe vor (s. auch alimenta Nr. 4 vom 23. Februar 2017).

«Regional» ist kein Hype

In der anschliessenden Podiumsdiskussion sah Jasmine Said Bucher, Präsidentin des Vereins Schweizer Regionalprodukte, «Regional» als individuell, aber klar definierten Arbeits- und wLebensraum, der dem jeweiligem Empfinden der Bevölkerung entsprechen und auch historische Handels- und Wirtschaftsbeziehungen abbilden muss. Im Zürcher Oberland hat man laut Michael Dubach, dem Regionalmanager natürli Pro Zürcher Berggebiet, diese Abgrenzung mit gesundem Menschenverstand gemacht und auch kleine Gebiete aus dem Thurgau und St.Gallen einbezogen. Dagegen kann etwa Milch aus Uri nicht für ein regionales Zürcher Produkt verwendet werden.

Auf dem Podium herrschte Konsens, das «Regional» nicht ein momentaner Hype ist, der schnell wieder abflacht, sondern dass Produkte mit Herkunft ein wichtiges Grundbedürfnis der Menschen nach Heimat erfüllen. Sowohl Michael Dubach wie auch Ralf Hahn von Zwicky betonten, wie schwer es häufig sei, Rohstoffe aus der Region oder schon aus der Schweiz zu finden. Grundsätzlich gebe es zwar Hafer in der Schweiz, den Zwicky für sein 100% Schweiz Müesli verwenden könne, aber weil die Schweiz bei Hafer einen Selbstversorgungsgrad von 5% hat, habe es von der Idee zum fertigen 100% Schweiz Müesli zwei Jahre gedauert. Die heutigen Wirtschafts- und Verarbeitungsstrukturen für Lebensmittel seien kaum noch für regionale Kleinmengen ausgelegt. Für Käse, Back- und Wurstwaren mit einer individuellen Geschichte werden auch für die Produzenten attraktive Preise bezahlt. Bei Müesli ist es schwieriger: Ralf Hahn berichtete, dass schon ein Mehrpreis von einem Franken pro Müesli-Packung für einen Hotelier zu viel sein könne, obschon dies auf die Frühstückportion Müesli nur wenige Rappen ausmache. Dennoch sei 100% Schweiz Müesli wegen der grossen Aufmerksamkeit ein grosser Erfolg.

Ludwig Hatecke, Chef der Bacharia Alpina in Scuol, fand, es müsse neben den regionalen auch immer die «importierten» Spezialitäten geben. Diese würden zum einen die eigene Region kulinarisch bereichern, und zum anderen wollten Schweizer Produzenten ja auch exportieren und könnten sich daher kaum abschotten.

Die Organisatoren ziehen aus der Veranstaltung das Fazit, dass gute Lebensmittel den Aufwand auf jeden Fall lohnen und der Markt bereit sei, gute Produkte auch angemessen zu honorieren – dass dieser Erfolg aber viel Engagement und Herzblut erfordere.