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«Unser Handwerk hat seinen Preis»

Nationalrat Alois Gmür hat ein Postulat eingereicht, um in der Schweiz Pilsner Bier herstellen zu können. Gmür ist ausserdem überzeugt, dass Brauereihandwerk seinen Preis hat.

von Hans Peter Schneider

Alois Gmür, CVP-Nationalrat und Präsident IG unabhängiger Schweizer Brauereien. (Bild: zvg)

alimenta: Alois Gmür, Sie sind Bierbrauer und Nationalrat. Wie kämpfen Sie im Bundeshaus für die Anliegen der kleineren Brauereien
ALOIS GMÜR: Grundsätzlich wollen wir einen freien Markt, ohne grossen Vorschriften. Wir kämpfen, um Vorschriften abzubauen und sind dagegen, immer wieder neue einzuführen.

Welche sprechen Sie an?

Wir kämpfen gegen noch mehr Deklarationsvorgaben, gegen die immer neu geforderten Präventionsvorschriften. Zum Beispiel gegen die Standesinitiative für die Einführung einer Zuckersteuer.

Und weitere?

Ein weiteres Geschäft ist sicher mein eingereichtes Postulat, das verlangt, dass Schweizer Brauereien Pils Bier herstellen und so benennen können. Es sollen nicht nur tschechische Brauereien Pils brauen können. Da bin ich gespannt, wie der Bundesrat darauf reagieren will.

Ist dies nicht ein Eigengoal? Die Schweiz hat doch viele ursprungsgeschützte Spezialitäten und ist auf deren Schutz im Ausland ange­wiesen.

Schon. Aber man muss sehen, dass diese Verträge im Interesse der Landwirtschaft gemacht wurden und diese ist natürlich Meister in der Durchsetzung ihrer
Interessen. So konnte sie auch solche Verträge durchbringen. Der Vertrag mit Tschechien, der besagt, dass in der Schweiz kein Pils Bier gebraut werden darf, wurde 1976 abgeschlossen. Ich bin der Meinung, dass wir Staatsverträge, die über 25 Jahre alt sind, grundsätzlich überdenken müssen.

Welches sind die Herausforderungen für die kleineren und mittleren Brauereien im Markt?

Die grösste ist natürlich der wirtschaftliche Erfolg, um im Markt überhaupt bestehen zu können. Wenn man nicht entsprechend eingerichtet ist und rationell arbeiten kann, dann hat man keine Chance im Markt. Es gibt immer wieder Brauereien, die aufhören müssen, weil sie wirtschaftlich nicht bestehen können.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit den Discountern? Auch diese setzen stark auf die Karte Regionalität und Herkunft.

Im Bierbereich haben sie es zwar noch nicht so richtig kapiert. Die Discounter haben erst vor kurzer Zeit angefangen mit der Regionalität. Das ist noch nicht der grosse Run. Wir würden gerne unsere Produkte dort verkaufen und wir stellen auch ein gewisses Interesse der Discounter an unseren Produkten fest. Schliesslich wissen sie, dass der Konsument entscheidet und dieser schätzt unsere Biervielfalt. Aber der Preis muss stimmen.

Aldi verkauft die Halbliterdose Bier für unter 50 Rappen. Kann eine kleinere1e Brauerei zu diesem Preis überhaupt liefern?

Überhaupt nicht. Damit legen wir von der ersten Sekunde an drauf. Unser Handwerk hat einen entsprechenden Preis und den brauchen wir. Wir können auch nicht mit Listungsgebühren Angebote machen, sondern nur mit unseren Produkten.

Gibt es ausser Handwerk und Regionalität keine Trümpfe für eine kleine Brauerei?

Nein. Erschwerend kommt dazu, dass wir in der Schweiz europaweit den höchsten Anteil an Bier in der Dose haben. Das schätzt eine kleine Brauerei nicht.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Brauereiverband SBV?

Sehr gut. Wir in der IG sind politisch weniger aktiv. Wir wollen einfach unsere Konsumenten darauf aufmerksam machen, dass es noch unabhängige, kleinere Brauereien und nicht nur Grossbrauereien gibt.

Interview: Hans Peter Schneider

hanspeter.schneider@rubmedia.ch