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Süsse Zeitreise im Berner Jura

Das Schokoladenunternehmen Camille Bloch investierte 40 Millionen Franken. Mit einem neuen Besucherzentrum sollen Besucher kommen und mit dem Ausbau die Produktionskapazitäten verdoppelt werden.

von Hans Peter Schneider

Die traditionsreiche Schokoladefirma in Courtelary
Die weltbekannten Marken, Ragusa und Torino...
...erhielten mit der Eröffnung des Besucherzentrums...
...noch mehr Attraktivität.
Das neue Besucherzentrum...
...gibt einen Einblick in Markenwelt...
...früherer Schokoladekreationen.
Eröffnet wurde der Bau durch Lara Gut, Johann Schneider-Ammann und Daniel Bloch.
Die Direktorin für das neue Besucherzentrum, Joelle Vuillemier...
...rechnet mit mindestens...
...100 000 Besuchern...
...im ersten Jahr.
Dieses wartet unter anderem...
...mit Kino, wo die Geschichte des Unternehmens gezeigt wird...
...und selbstverständlich mit feinster Schokolade auf.

Der Herbstwald an den Hängen des St. Immertales leuchtet in allen Farben. Die Glocken der Kühe, die unter den Wäldern in den noch immer saftigen Weiden grasen, bimmeln leise. Ab und zu brummt der Motor eines Traktors, der die Jauchegruben und die Miststöcke noch vor dem Wintereinbruch leeren soll. Die Rotoren der Windkraftwerke drehen trotz dem praktisch windstillen Herbsttag und produzieren Elektrizität, auch und im Besonderen für die Industrie unten im Tal. Das abgelegene und ziemlich unbekannte St. Immertal werde, wenn überhaupt, noch mit der Stromproduktion in Verbindung gebracht, sagte die Berner Regierungsrätin Beatrice Simon. Die Industrie mache einen gewichtigen Anteil im Tal aus. Auch die Nahrungsmittelbranche ist stark vertreten mit den Tête de Moine-Käsereien und vor allem mit einem alteingesessenen Schokoladenunternehmen. Die Berner seien stolz auf Camille Bloch, sorge doch dieses Unternehmen für eine gewisse Bekanntheit in der Welt und vor allem für Arbeitsplätze, sagte Simon anlässlich der Eröffnung des neuen Besucherzentrums von Camille Bloch. Seit 1935 ist das Unternehmen im St. Immertal beheimatet.

Mit einem Sprung Markt erobern

Im Besucherzentrum ist die Firmengeschichte nicht erst seit 1935 dargestellt. Der Besucher kann eine Zeitreise durch die letzten neunzig Jahre machen. Zum Beispiel ins Jahr 1929, an den Jägerweg in Bern, wo Grossvater Bloch die erste Schokolade im Keller herstellte.
Patron Daniel Bloch bezeichnete bei der Eröffnung die Investition der Firma als Sprung. Es habe in der Firmengeschichte von Camille Bloch schon mehrere solche Sprünge gegeben. Zum Beispiel die Erfindung des Ragusa im Jahr 1942, genau vor 75 Jahren. Die Firma stand damals mit dem Rücken zur Wand, weil der Kakao knapp wurde. Mit günstigen Haselnüssen wurde dann die Schokoladenmasse gestreckt. Mit diesem Sprung sei damals ein neuer Markt erobert worden. Zudem habe man gelernt, dass es mit Kreativität immer möglich sei, Zwänge zu überwinden. Die Sprünge würden aber nicht aus lauter Freude gemacht, sondern aus wirtschaftlichen Notwendigkeit, sagte Bloch.

Produktionskapazität verdoppelt

Der heutige Sprung sei jedoch der gewaltigste, erklärte Bloch. Dieser umfasse nicht nur das neue Besucherzentrum, sondern auch die Erneuerung der Produktion. Camille Bloch investierte zwar gesamthaft 40 Millionen Franken, doch davon flossen «nur» 27 in das Besucherzentrum, der Rest wurde in den Ausbau der Produktionskapazität gesteckt. Damit kann diese von 4000 auf 8000 Tonnen aufgestockt werden. Denn während einer Periode von zehn Jahren konnte Camille Bloch ein überdurchschnittliches Absatzwachstum verzeichnen, was gemäss Daniel Bloch zu Engpässen in Administration und Produktion führte. Es sei im Warenfluss immer wieder zu Staus gekommen, für die Logistik habe es an Kapazitäten und an Platz gefehlt. Zudem brauchte es mehr Büroräume, um den gestiegenen Ansprüchen im Einkauf, in der Produktion, im Verkauf und in der Innovation gerecht zu werden. Ausserdem hätten sich auch die Bedürfnisse der Konsumenten entwickelt. So wollten diese die Schokoladeprodukte nicht mehr nur konsumieren, sondern sie wollen sie auch mit all ihren Sinnen erleben. «Konsumenten wollen mit Kopf und Herz ihr Lieblingsprodukt erleben» so Daniel Bloch. Nicht nur Riechen und Fühlen und Degustieren soll den Besuchern die Familiengeschichte näher gebracht werden. Der Betrachter taucht tief in die Geschichten des Unternehmens ein. Auf einem Rundgang werden verschiedene Themen multimedial vermittelt. Im 360-Grad-Kino werden die Episoden in der Geschichte der Firma künstlerisch dargestellt. Oder ein historisches Foto aus der Anfangszeit zeigt Firmengründer Camille Bloch, der mit seinem Militärvelo durch die Strassen der Stadt Bern fuhr, um Kunden zu akquirieren. Die Gerätschaften und Werbeplakate der Firma treffen zudem den Zeitgeister der damaligen Epochen. Diese Erlebniswelt wird mit Kursen zur Herstellung von Schokolade abgerundet. Die Infrastruktur kann aber auch genutzt werden, um Retraiten, Seminare oder Konferenzen abzuhalten. Gemäss der neuen Chefin des Besucherzentrums, werden jährlich 100 000 Besucher erwartet. Um die 40-Millionen-Investition zu finanzieren, habe die Berner Kantonalbank Camille Bloch den dritten Kredit bewilligt. Letztmals hatte der Schokoladehersteller für die Fabrikvergrösserung in den 60er-Jahren Geld bei der Bank aufgenommen sowie bei seiner Gründung 1929.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch