Datum: Branche:

Mehrwert erfolgreich verkaufen

Die agrarpolitischen Pläne des Bundesrates waren ein wichtiges Thema an der Delegiertenversammlung des Käserverbandes Fromarte. Aber auch die tief bleibenden Milchfettpreise gaben zu reden.

von Roland Wyss

«Marktzugänge erhalten wir nur mit Gegenleistungen.» Fromarte-Präsident Hans Aschwanden.
Die frisch diplomierten Milchtechnologen HFP.
BVM-Präsident Martin Stucki und die neuen Vorstandsmitglieder Thomas Neff, Armin Wasserfallen und Markus Züger.
«Man muss nicht alles selber machen, sondern Kooperationen eingehen, auch mit Konkurrenten, nur so entsteht etwas Grosses.» Tömu Binggeli.

Hans Aschwanden, Präsident des Käserverbandes Fromarte, nahm zu Beginn der Delegiertenversammlung in Bern den Bauernverband aus Korn. Dieser habe überreagiert auf die Vorschläge des Bundesrates für eine künftige Agrarpolitik. «Die sehr heftige und kategorisch ablehnende Reaktion des grössten Interessenvertreters der Landwirtschaft hat mich überrascht und verheisst nichts Gutes für die Weiterentwicklung der Schweizer Landwirtschaftspolitik.» Der Status Quo bringe die Käser und die Milchwirtschaft nicht weiter.

«Wir Käser brauchen Marktzugänge im Ausland, und die bekommt man nur mit Gegenleistungen»

Die Bilanz beim Käsefreihandel mit der EU nach zehn Jahren zeige, wo die Stärken und Schwächen der Branche lägen, fuhr Aschwanden fort. Die Branchenorganisation (BO) Milch habe hier die richtigen Schlüsse gezogen und eine Mehrwertstrategie erarbeitet. Allerdings würden die Milchproduzenten die Mehrwertstrategie noch eher als Kommunikationsprojekt betrachten, ohne neue Anforderungen oder Einschränkungen. Wenn die Milchbranche glaubwürdig bleiben wolle, werde sie nicht darum herum kommen, gewisse Standards branchenweit zu definieren, sagte Aschwanden. Da könne man etwa diskutieren über die Unterstützung einer konsequenten Zucht in Richtung Schweizer Raufutterkuh, Senkung der Futtermittelimporte, Limitierung der Milchproduktion pro Fläche, obligatorische Tierwohlprogramme oder einen höheren Altersdurchschnitt bei den Kuhherden.

Zulagen beibehalten

Auch Fromarte-Direktor Jacques Gygax ging auf die Agrarpolitik 2022+ ein und präsentierte die Forderungen der Käsebranche: Beibehalten oder Erhöhen der Absatzförderungsgelder, Beibehaltung der Milchzulagen, eine verbindliche Mengensteuerung für AOP-Käse – was in der EU möglich ist – und national vereinheitlichte Rahmenbedingungen bei den Strukturverbesserungen.
Das Projekt der Privatisierung der Kulturenproduktion von Agroscope steht kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen, wie Gygax erklärte. Das Ziel sei, die exklusive Nutzung der Kulturen für die Schweizer Käsebranche sicherzustellen. Es soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, welche die Kulturenproduktion im Auftrag des Bundes übernimmt und die notwendigen Investitionen tätigt. Der Bund soll die Käse- und Kulturenforschung, die Beratung und Pflege der Stammsammlung im bisherigen Umfang fortführen und finanzieren.

Die Situation im Milchfettmarkt ist nicht nur für die Bauern unbefriedigend, die sich im Sommer und Herbst laustark zu Wort meldeten, sondern auch für die Käser, wie Gygax erläuterte. Mit der Erhöhung des A-Milch-Richtpreises auf 68  Rappen habe die BO Milch zwar das richtige Signal gegeben. Die Übernahmepreise für den Sammelrahm aus den Käsereien hätten sich aber nur um 41 Rappen pro Kilgramm Fett erhöht. Aus der Sicht von Fromarte wäre mindestens 70 Rappen angemessen gewesen, sagte Gygax gegenüber alimenta.

Anpassung der Bildungsgrundlagen

Im Ausbildungsbereich wird die Grundbildung revidiert, wie Daniel Wieland, Geschäftsführer des Schweizerischen Milchwirtschaftlichen Vereins (SMV) erläuterte. DieÄnderungen geschehen aufgrund der Vorgaben des Bundes und aufgrund der Rückmeldungen von den Ausbildnern. Insbesondere soll für Milchpraktier/innen EBA ein Qualifikationsprofil orientiert an Handlungskompetenzen erstellt werden, analog zu den Milchtechnolog/innen EFZ. Auch die höhere Berufsbildung wird revidiert. Die Branche wird auch die früheren Berufstitel zurückerhalten. Ab 2021 werden die Diplomierten wieder ihre Diplome als «Käsermeister» und «Molkereimeister» erhalten. Im Berufsverband der Molkereifachleute BVM, dessen Versammlung auch in Bern stattfand, wurden drei neue Vorstandsmitglieder gewählt.
roland.wyss@rubmedia.ch

Die diplomierten Meister
Bachmann Patrik, 3072 Ostermundigen BE*; Baudois Cédric, 1670 Ursy FR; Castella Florian, 1681 Billens FR; Charrière Christian, 1637 Charmey FR; Duc Livio,1673 Auboranges FR; Eberle Johannes, 9313 Muolen SG; Gantenbein Raffae, 8360 Eschlikon TG; Gay Kevin, 1186 Essertines-sur-Rolle VD; Jambon Johan, 1375 Penthéréaz VD; La Placa Adriano, 6032 Emmen LU; Liaudat Franck, 1611 Le Crêt-près-Semsales FR; Liechti Patrick, 8706 Meilen ZH
Linford Julien, 1522 Lucens VD; Michel Lukas, 6234 Triengen LU; Notter Kathrin, 6390 Engelberg OW, Oestreich Maike, 7434 Sufers GR, Pasquier Philippe, 1646 Echarlens FR, Rickenbach Simon, 8580 Hagenwil-Amriswil TG, Rohner Pirmin, 9602 Bazenheid SG.
*Ort des Prüfbetriebes