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«Die Angriffigkeit der Holländer wird uns helfen»

Der Geschäftsführer der neuen Simmental Switzerland AG ist ein Quereinsteiger in die Milchbranche. Dafür kann Ernst Arn vorbehaltlos an die Arbeit gehen. Und Arbeit hat er genug.

von Hans Peter Schneider

Ernst Arn will der internationalen Kundschaft Schweizer­ Käse schmackhaft machen.

alimenta: Ursprünglich sollte die neue ­Käserei 20 Millionen Franken kosten. Jetzt sind es 38 Millionen. Warum?

Ernst Arn: Das Projekt hat sich im Verlaufe der letzten drei Jahre laufend weiterentwickelt. Damit die Käserei überhaupt einen Effekt auf den Aaremilch-Milchpreis hat, muss die Verarbeitungsmenge auch eine gewisse Grösse haben.

Es gibt eine hohe Käsereidichte in der Schweiz. Ganz in der Nähe ist zum Beispiel die Cremo-Käserei in Thun. Macht da ein Neubau wirklich Sinn?

Wir können uns nicht zur Cremo-Strategie äussern. Wir bauen hier eine topmoderne Käserei, die unsere Anforderungen bezüglich einer kosteneffizienten Milchverarbeitung möglichst optimal erfüllt.

Es gibt Stimmen, die sich gegen eine zu­­sätzliche Käserei stemmen. Wie begegnen Sie ­diesen?

Wir müssen aufhören mit dem Konkurrenzdenken und damit, uns so gegenseitig zu ­blockieren. Wir müssen versuchen, der internationalen Kundschaft den Schweizer Käse schmackhaft zu machen und diesen in möglichst vielen Variationen anzubieten, um möglichst alle Geschmäcker zu treffen. Dann können wir dafür sorgen, dass im Raufutterland Schweiz mehr Milch ­wert­schö­p­fungsstark zu Käse verarbeitet wird. Ich habe in Holland gelernt, dass wir alle stärker werden, wenn wir einander ­helfen.

Sie haben angetönt, dass Simmental Switzerland AG auch mit anderen Käsereien zusammenarbeiten will. Wie könnte dies aussehen?

Wenn ein Käser ein Produkt herstellt, das im Weltmarkt eine Chance hat, dann spiele ich ganz gerne die Handelsplattform für ihn und nehme Käse von ihm auf den Weltmarkt mit. Das kann eine Chance sein für gewisse Käsereien.

Könnte es sein, dass Simmental AG in fünf ­Jahren die Hälfte des Umsatzes aus Handels­tätigkeit erzielt und nicht aus der Produktion von Käse?
Absolut – da würde ich sicher nicht nein sagen und ich wäre happy, wenn das so wäre. Wenn wir eine Rolle spielen können im Schweizer Käsemarkt, dann werden wir das sicher wahrnehmen und zusammen mit Royal A-ware zusätzliche Absatzkanäle erschliessen. Zuerst liegt der Fokus aber darauf, den eigenen Käse erfolgreich zu vermarkten.

Und wie wird die Zusammenarbeit mit Switzerland Cheese Marketing (SCM) ver­laufen?
Aaremilch zahlt mit den Branchenbeiträgen eine bedeutende Summe an SCM. Wenn wir seitens SCM ein unterstützungswürdiges Projekt in einem Exportmarkt hätten, wären wir für einen Beitrag sicher dankbar.

Passt die grosse Firma A-ware überhaupt zu einer bodenständigen bäuerlichen Produzenten­orgaisation?

A-ware ist ein Familienkonzern mit einer langen und erfolgreichen Geschichte und nicht irgendeine Firma, die aus dem Nichts auftauchte.

Aber holländischer Käse, mit welchem die Firma arbeitet, hat doch ein Dumpingkäse-Image?
Stimmt nicht. Die holländischen Käse haben in vielen Märkten der Welt einen sehr guten Ruf. Es ist für uns ein Riesenvorteil, wenn wir bei einem so starken Partner die Spezialitätenlinie bespielen ­dürfen.

A-ware ist in 40 Ländern aktiv. Könnten Sie sich vorstellen, dass zum Beispiel auch in ­Neuseeland Simmental Switzerland-Käse gegessen wird?

Ich kann mir alles vorstellen. Doch wir müssen uns fokussieren und nicht verzetteln. Wir wollen die Welt erobern – aber schrittweise aus bereits entwickelten Märkten. Da wird uns die Nüchternheit und die Angriffigkeit der Holländer stark helfen.

Der Aufbau der Marke Simmental Switzerland wird viel Geld kosten. Wie gross wird die ­Investition im ersten Jahr sein?
Sobald das Produkt vorhanden ist, werden wir zusammen mit unseren Partnern auch die entsprechenden Kommunikationsmassnahmen lancieren. Wir haben ja noch zwei  Jahre Zeit, unsere Marketingmassnahmen für die verschiedenen Märkte massgeschneidert vorzu bereiten. Das ist inhaltlich und budgetmässig gemeint.

Wird die Marke überhaupt beim Konsumenten «ankommen», oder wird auch für den Private Label-Kanal produziert?

Royal A-ware wird die Marke Simmental Switzerland als Exklusivmarke vertreiben. Die Firma ist ein Profi-Logistiker und hat direkten Zugang in die Regale der Einzelhändler. A-ware ist in über 40 Ländern tätig. Wenn es denn Sinn macht, kann unser Käse durchaus auch unter einem Private Label vermarktet werden, das ist nichts Schlechtes, hilft aber nicht, unsere Marke weiter bekannt zu machen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Holländern zustande gekommen?

Das hat sich vor zwei Jahren zufälligerweise auf einer Reise ergeben. Wir sind sehr stolz, einen solchen Top-Betrieb als unseren Marktpartner vorstellen zu können. Ohne einen Partner in dieser Grösse wäre es ein sehr grosses Risiko gewesen, eine Käserei von dieser Dimension bauen zu wollen. Auch in unserem Fall hat der Zufall Türen geöffnet.

Interview: Hans Peter Schneider