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Das Jahr 2017 – Licht und Schatten

Die Nahrungsmittelindustrie blickt auf ein intensives Jahr zurück. Die schlimmsten Befürchtungen ­angesichts der unsicheren Weltlage und der neu ­eingeführten Regulierungen haben sich nicht ­bewahrheitet. Auch in Zukunft stehen wichtige ­Themen an.

von Lorenz Hirt, fial*

Die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel erfüllt ihren eigentlichen Zweck nicht.

Das Ende des vergangenen Jahres war geprägt von düsteren Prognosen für die Weltwirtschaft. Die unerwarteten Ereignisse von teils globaler Tragweite, allen voran der Brexit und die Wahl Donald Trumps, waren nur schwer einzuordnen. Dennoch hat sich das Jahr 2017 wirtschaftlich als doch eher ruhig herausgestellt. Vielgenannte Szenarien wie das Kollabieren der Euro-Zone, das Platzen von Asset-Blasen oder Blockaden im weltweiten Handel bewahrheiteten sich nicht. Zudem hat sich auch der Euro – wenn auch auf tiefem Niveau – etwas erholt. Bei den Herausforderungen für die schweizerische Nahrungsmittelindustrie beherrschten 2017 drei Themen die Agenda: Swissness, Largo und das Schoggigesetz.

Swissness: Gut vorbereitete Unternehmen

Gleich zu Beginn des Jahres trat die neue Swissness-Regulierung in Kraft. Die bereits unter dem starken Euro leidende Nahrungsmittelbranche ächzte unter der Regulierungslast. Der administrative Moloch der Swissness verteuerte die hiesigen Nahrungsmittel in einem bereits schwierigen Umfeld zusätzlich und traditionelle Schweizer Produkte verzichteten teils ganz auf die Auslobung der Swissness. Immerhin blieben aber Swissness-Klagen und Skandale aus – die Unternehmen hatten sich ganz offensichtlich gut auf die neuen Regeln vorbereitet und ihre Hausaufgaben gemacht.

Largo: Vielkritisiertes Grossprojekt

Im Frühjahr kam dann mit dem neuen LMG und Largo ein weiteres, regulatorisches Schwergewicht dazu. Dieses vielkritisierte Grossprojekt bringt den Unternehmen der schweizerischen Nahrungsmittelbranche nebst Aufwand aber auch Vorteile, indem unser Recht demjenigen der EU angeglichen und damit Export- und Importhürden verringert werden – eine langjährige Forderung der fial.

Nachfolge für Schoggigesetz auf gutem Weg

Und last but not least hat uns im zu Ende gehenden Jahr das Schoggigesetz respektive dessen Abschaffung stark gefordert. Mit Freude und Genugtuung nehmen wir Kenntnis von den positiven Signalen, welche das Parlament in der Wintersession an die Branche geschickt hat und werden in den kommenden Monaten die konkrete Umsetzung für den privatrechtlichen Ausgleich des Roh-stoffpreishandicaps definieren.
Insgesamt war das Jahr 2017 also weniger einschneidend als befürchtet und wir blicken mit einer gewissen Milde zurück. Dazu kommt, dass die Konjunkturaussichten für 2018 fast weltweit freundlich aussehen. In der Schweiz könnte insbesondere ein weiterer Anstieg des Eurokurses Impulse für die Wirtschaft geben.

Neue Forderungen der Konsumentenschützer

Nichtsdestotrotz werden uns die Herausforderungen auch im kommenden Jahr nicht ausgehen. So hat zum Beispiel die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen an ihrer Medienkonferenz am 11. Dezember 2017 ihre fünf Schwerpunkte für das Jahr 2018 vorgestellt. Der erste dieser Punkte fordert (noch) mehr Transparenz bei den Nährstoff- und Herkunftsangaben von Lebensmitteln und insbesondere die Einführung eines Ampelsystems. Diese Forderung im Jahr des Inkrafttretens des Largo-Paketes irritiert. Mit dem neuen Recht verfügt der Konsument in Zukunft über so viele Informationen über die Lebensmittel wie noch nie. Die obligatorischen Nährwertangaben zusätzlich durch Ampelfarben zu ergänzen, ist aus mehreren Gründen falsch: Es gibt keine per se guten oder schlechten Lebensmittel, sondern bloss eine mehr oder weniger gesunde und ausgewogene Ernährung kombiniert mit genügend Bewegung. Zudem straft die Ampel unbegründet auch Produkte mit einem hohen physiologischen Wert in der Ernährung ab. Die Ampel, die sich auf 100 g des Produktes beziehen soll, würde zum Beispiel Nüsse, Oliven- oder Rapsöl, also Produkte mit hohem ernährungsphysiologischen Wert, welche aber nur in kleinen Mengen gegessen werden, trotzdem rot markieren.

Stigmatisierung von Produkten – der falsche Weg

Auch eine Packung Bio-Vollmilch würde aufgrund des Milchfetts rot oder mindestens orange gekennzeichnet, währenddem ein künstlich gesüsster Energydrink in allen Bereichen grün wäre. Dennoch muss der Drink mit Warnhinweisen versehen sein – wer sollte das noch verstehen? Kochsalz wiederum hätte 4 grüne und einen roten Punkt, obschon die referenzierten 100g pro Tag einen durchschnittlich schweren 12-Jährigen töten würden. Alle diese Produkte werden komplett unterschiedlich eingesetzt und haben nach Ansicht der fial ihren jeweils berechtigten Platz in einer ausgewogenen Ernährung. Eine Stigmatisierung mittels Ampelfarben ist der falsche Weg.

*Dr. Lorenz Hirt, Co-Geschäftsführer fial und Partner bei Markwalder Emmenegger Rechtsanwälte