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Hoffnung auf «Generation Fair»

Seit Jahren fordern Milchproduzenten faire Preise in der Milchproduktion. Heute Donnerstag wurde das dritte Gütesiegel der Schweiz präsentiert, das faire Milch garantieren soll.

von hps

Die Initianten: Christian Bircher, Eduard Bircher, Ruedi Stofer, Priska Wismer-Felder, Christoph Baumann, Caroline Quartenoud, Dominique Herren und Andreas Elliker.
Die Fair-Milch ist mit dem «Fair-Mobil» unterwegs.
Das Label soll möglichst bald auf anderen Milchprodukten prangen.
Einer der Initianten, Christoph Baumann aus Wichtrach.

Auf eine «Generation Fair» hoffen viele Milchbauern die ihre Milch zu Tiefpreisen abliefern. Einige von ihnen wollen aber jetzt Nägel mit Köpfen machen. Darum riefen sie am Donnerstag, 8. Februar zu einem Manifest auf. Damit wollen sie ein Zeichen setzen und sich gegen Dumpingpreise von Milch stellen. Denn eigentlich wären ja zwei Drittel der Konsumenten bereit mehr für die Milch zu bezahlen, wie eine der Initiantinnen, Priska Wismer-Felder an der Pressekonferenz im Areal der ehemaligen Toni-Molkerei festhielt. Darum wollen die Milchbauern einen Milchpreis von 75 Rappen. Dieser soll die Gestehungskosten decken und darin sei auch ein Arbeitsverdienst von 28 Franken pro Stunde eingerechnet, sagte Wismer-Felder.

Nicht mehr tragbar

«Der Milchpreis ist gesunken, die anderen Kosten überhaupt nicht», sagte Christoph Baumann aus Wichtrach. Momentan sei es für die Milchbauern einfach ein «Durchwursteln», denn mit diesem tiefen Milchpreis könnten Schulden nicht amortisiert werden, so Baumann. Viele Milchproduzenten hätten sich überschuldet und trügen eine hohe Last. Und Eduard Bircher aus Erlinsbach sagte: «Es kann nicht sein, dass Milch erst Gewinn abwirft, wenn sie im Tanklastwagen ist». Für Milch, die im Detailhandel für 1.40 Franken verkauft wird, erhalten die Bauern häufig nur 56 Rappen und würden damit am Existenzminimum arbeiten. «Viele Familienmitglieder helfen mit ohne Lohn», sagte Wismer-Felder, darum würde die Milchproduktion oft auch noch aufrecht erhalten werden. Eines hätten die Milchbauern aber gemeinsam, nämlich die Liebe zu den Tieren und der Milchproduktion, sagte Wismer-Felder. Und das Anliegen der Bauern sei es, ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel herzustellen. Doch die Familie sollte vom Einkommen leben können, so Wismer-Felder.

Fair muss transparent sein

«Wir sind in einem halboffenen Bereich», sagte Stefan Hagenbuch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten SMP. Denn der offene Käsebereich drücke, auf der anderen Seite müsse jedoch in einem hohen Kostenumfeld Milch produziert werden, sagte Hagenbuch. Die SMP unterstütze die Initiative in der Anfangsphase. Doch das Label «Fair» müsse transparent sein, sagte Hagenbuch und das Gütesiegel müsse sowohl für faire Preise, aber auch für Tierwohl stehen. «Unsere Ställe sind geräumiger geworden, heller und ganz klar tierfreundlicher», sagte Baumann. So sei die Haltungsform «BTS» (Besonders tierfreundliche Stallhaltung) Bedingung. Mit dem Projektleiter Kurt Schmid haben die Initianten von «Fair» eine gute Wahl getroffen, hat Schmid doch schon Erfahrung mit fairen Produkten. Habe er doch in den neunziger Jahren geholfen Max Havelaar zu lancieren. Mit diesem Label realisieren Lebensmittelproduzenten- Verarbeiter und Händler heute schon 700 Millionen Franken Umsatz.

Verarbeiter können aufspringen

Auch für Hagenbuch sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis ein «anständiges» Volumen mit diesem Gütesiegel produziert werden könne und die Produkte mit dem Label «Fair» im Detailhandel zu finden seien. Die Verarbeiter könnten nun damit arbeiten, sichergestellt müsse sein, dass sie die Bedingungen – sprich den Milchpreis von 75 Rappen – einhalten würden, so die Initianten.

www.fair.ch