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Schweizer Zucker in die Enge getrieben

Die Schweizer Zuckerbranche fühlt sich betrogen. Die EU hat im letzten Herbst einseitig die Zuckermarktordnung aufgehoben - seither explodiert die Zuckerproduktion.

von hps

Die Vertreter der Bauern, Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) mit dem Präsidenten des SBV Markus Ritter und ZAF-Chef, Guido Stärker. (v.l)

Die Schweizer Zuckerbranche hat Angst vor der EU. Nämlich vor deren Zuckerimporten in die Schweiz. Denn seit letztem Herbst hat die EU nämlich einseitig die bisherige Zuckermarktordnung geändert. War die Produktion früher durch Quoten fixiert, so wurden diese jetzt aufgehoben – seither explodiert die Zuckerproduktion, sagte Guido Stärker, Chef von Schweizer Zucker (ZAF) in Aarberg. Die EU produziere direkt für den Export, während sie die Preise für Zucker, der in die EU importiert wird auf 410 Euro pro Tonne belässt. Die Schweiz hingegen hat nur einen Importzoll von 50 Euro pro Tonne. Auch die Mindestpreise von Zuckerrüben hat die EU aufgehoben. Die Preise seien schon in den letzten zehn Jahren um die Hälfte eingebrochen, sagt Stäger weiter. Dementsprechend hätten die einheimischen Rübenpreise nach unten angepasst werden müssen. Mit dem entsprechenden Druck auf die Rübenproduzenten. Die Anbaufläche sinke kontinuierlich, so dass die ZAF sogar Rüben und Dicksaft importiert um die Produktion in Aarberg und Frauenfeld auszulasten.

Die ZAF verarbeitet in ihren Fabriken jährlich 1,6 Mio. Tonnen Rüben zu 260 000 Tonnen konventionellem und 6000 Tonnen Biozucker. Die Abnehmer sind mit 15 Prozent der Gesamtmenge der Detailhandel, der Rest ist die Lebensmittelindustrie. Deren Vertreter, Jean-Pierre Geneslaya, Direktor von Villars Maître Chocolatier wäre eigentlich zusammen mit dem Bauernverband und den Vertretern der Zuckerfabrik in Aarberg an einer Pressekonferenz aufgetreten. Doch auf Druck der Fial hätte er in letzter Minute absagen müssen, wie der Bauernverband mitteilte.

Der Bauernverband will nun die Zölle wieder erhöhen. Denn eine minimale Absicherung der Zuckerpreise sei Zwingend nötig, sagte Bauernverbandsdirektor Jacques Bourgeois. Ein Mindestpreis sei ein Sicherheitsnetz gegen Dumpingpreise. Der Artikel 5 der Agrareinfuhrverordnung sei anzupassen, sagte auch Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes. Es müsse lediglich der Spielraum beim WTO erlaubten Zollansatz besser ausgenützt werden, so dass ein minimaler Zuckerpreis in der Höhe von 600 Franken/Tonne im Inland nicht unterschritten werde, wie Ritter sagte. Diese Absicherung soll über ein angepasstes Zollsystem realisiert werden, so Ritter. Für die Kunden der Lebensmittelindustrie gäbe es individuelle Lösungen.