Datum: Technologie:

Beim Kälteersatz den Kostenfallen ausweichen

Wenn in der Lebensmittelproduktion die Kältemaschine streikt, zählt jede Sekunde. Worauf muss man achten, damit rasch ein effizienter, wirtschaftlicher und leistungsfähiger Kälteersatz parat steht?

von Thomas Lang*

Bei der Verarbeitung von Lebensmitteln wie zum Beispiel frischen Fisch ist eine lückenlose Kühlkette unverzichtbar. (Bild: zvg)

Fällt die Kälteanlage aus, kann das rasch verheerende Folgen habe. Denn die Kälte ist in der Produktion und in der Verarbeitung – aber auch für Lagerräume oder Ladengeschäfte – unverzichtbar. Es ist daher empfehlenswert, sich Gedanken zu machen, wie bei einem unerwarteten Ausfall der Kältemaschine vorgegangen werden soll. Besonders dann auch, wenn die Anlage «in die Jahre kommt».
Das Bundesamt für Energie BFE hat zusammen mit ProKlima einen aktuellen Leitfaden entwickelt, der für Klimaanlagen und Kältemaschinen rasche Handlungs­möglichkeiten aufzeigt. Behandelt werden dabei Themen wie «mobile Kälte», Ersatz des Kälteerzeugers, Überlegungen zu einer möglichen Reparatur sowie Hinweise zu Erfassung von Betriebsdaten und zur Anlagewartung.

Mietkälte: nicht günstig, aber oft unverzichtbar

Wenn ein Kälteerzeuger ausfällt, der für die Produktionsprozesse unverzichtbar ist, kann eine provisorische Kälteanlage die Zeit bis zum definitiven Ersatz überbrücken. Solche mobilen Kälteanlagen, im Fachjargon auch Mietkälte genannt, werden in einem Container oder auf einem Anhänger geliefert und mit Schläuchen an die bestehende Anlage angeschlossen. Wichtig zu wissen: Der Betrieb eines solchen Proviso­riums benötigt eine Ausnahme­bewilligung des Bundesamts für Umwelt BAFU. Die mobile Mietkälte ist nicht günstig. Aber sie schafft wertvolle Zeit, damit die Bedürfnisse für den Ersatz exakt abgeklärt und fundierte Entscheide gefällt werden können. Denn mit einer gut durchdachten und vorausschauend geplanten Anlage lassen sich über die Lebensdauer Strom- und Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent erzielen.

Besonderheiten bei der Gebäudekühlung

Beim Ersatz von Kälteerzeuger für die Klimatisierung von Gebäuden lohnt es sich, die bestehende Steuerung überprüfen zu lassen und ältere Modelle zu ersetzen, welche die Temperatur-Sollwerte noch nicht der effektiven Aussentemperatur anpassen. Zudem müssen die energetischen Anforderungen der aktuellen SIA-Normen (SIA 381/1) erfüllt sein. Der Ersatz der Kältemaschine ist auch eine gute Gelegenheit, das Kälteträgernetz, die Wärmetauscher und die Rückkühler zu reinigen.
Bei der Frage, ob sich eine Reparatur noch lohnt, spielen Faktoren wie das Alter und das Kältemittel eine zentrale Rolle. Bei Klimakälteanlagen, die älter als 8 bis 10 Jahre sind, ist ein Ersatz energetisch und wirtschaftlich meist sinnvoller als eine Repa­ratur. Sogar verboten ist die Reparatur von Anlagen mit nicht mehr zugelassenen Kältemitteln. Auch deutliche Veränderungen bei der benötigten Kälteleistung sprechen in der Regel für einen Anlage­ersatz.

Regelmässige Wartungwird belohnt

Schlecht gewartete Kälteanlagen verursachen hohe Betriebskosten und fallen schneller aus. Eine systematische Wartung und der fachgerechte Unterhalt haben zwar ihren Preis. Aber unter dem Strich lohnen sie sich immer. Dabei können auch interne Fachpersonen die Anlage warten. Fehlen diese Personen, kann ein Wartungsvertrag sinnvoll sein. Unbedingt nötig ist, dass der gesetzlich vorgeschriebene Unterhalt mit Meldepflicht, Wartungsheft und Dichtigkeitskontrolle durchgeführt wird. Andernfalls erlöschen unter Umständen bei einem Schadensfall die Garantieansprüche.Und eine letzte Faustregel: Wenn eine Gesamterneuerung ansteht, benötigen Unternehmen für Vorbereitung und Begleitung eine Fachperson mit Planungskompetenz. Diese kann nicht nur technische Optionen klären, sondern hilft auch bei einer cleveren Einbindung in andere Haustechnik- oder Infrastrukturanlagen (zum Beispiel einer wirtschaftlichen Abwärmenutzung).

Vorbeugen ist besserAuch wenn die Kälteanlage reibungslos läuft, ist es nicht verkehrt, die genauen Verbrauchsdaten kontinuierlich zu messen. Dazu gehören der Leistungsbezug Kälte, der Stromverbrauch der Kältemaschine, die Temperaturen von Vor- und Rücklauf im Kaltwassernetz sowie die Betriebsstunden des Verdichters. Mit diesen Daten kann die Effizienz der Anlage jederzeit nachgeprüft werden. Grössere Abweichungen sind ein Indiz, dass etwas nicht stimmt – zum Beispiel, wenn ein Leck aufgetreten ist, durch das Kältemittel entweicht und die Anlage immer mehr Energie braucht. Zudem sind bei einer ser iösen Ersatzbeschaffung verlässliche Energie- und Betriebsdaten unerlässlich, damit rasch eine wirtschaftliche und energiesparende Anlage eingebaut werden kann.Alle Informationen für den unplanmässigen Ersatz der Kältemaschine finden sich im Leitfaden «Streikt Ihre Klimaanlage – das müssen Sie über einen wirtschaftlichen Ersatz wissen». Dieser kann kostenlos auf der Website der Kampagne effiziente Kälte heruntergeladen oder bestellt werden.

redaktion@alimentaonline.ch

www.effizientekaelte.ch

*Thomas Lang, Projektleiter der Kampagne effiziente Kälte.