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Harziges «Ganbei» in China

Schweizer Exporteure von Wein und Spirituosen haben Mühe, in China Fuss zu fassen. Dafür sind die restriktiven Einfuhrvorschriften chinesischer Zollbehören schuld.

von Hans Peter Schneider

Zwar hätten Wein und Schnaps aus Europa in China gute Chancen...
...wie Krystyna Marty, stellvertretende Staatsekretärin im EDA sagt...
Doch wieder einmal diktiert die chinesische Qualitätsaufsichtsbehörde die Spielregeln.
Dies macht unter anderem die Schweizer Getränkeindustrie und deren Präsident, Markus Zemp, nicht glücklich.

Ganbei heisst auf chinesisch «Prost». Zum Prosten ist es aber den Schweizer Getränkeexporteuren nicht zumute, denn mit China zu geschäften ist nicht einfach. Zwar hat die Schweiz mit China seit 2014 ein Freihandelsabkommen und hat für Alkohol präferenzierte Zollsätze und ausserdem – China importiert auch Wein. Gemäss australischen Medienberichten ist China der wichtigste Abnehmer von australischem Shiraz und Chardonnay. Dass die Aussichten positiv sind, davon ist auch Krystyna Marty, stellvertretende Staatsekretärin im EDA, überzeugt. Sie sieht goldene Zeiten für den Absatz von Premium-Genussmitteln im Riesenreich, wie sie am 61. Jahreskongress der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Getränkeindustrie erklärte. Dies sehen die Getränkehersteller nicht so – der Export nach China harze. Gerade Alkoholhersteller aus der Schweiz sehen sich mit hohen Hürden konfrontiert. Technische Handelshemmnisse und Einfuhrbeschränkungen könnten sehr gut mit Gesundheitsbedenken der chinesischen Behörden erklärt werden. So habe China zum Beispiel bei Obstbränden den Methanolhöchstgehalt auf 200 Gramm je Hektoliter reiner Alkohol gesenkt.

Alkoholimport verhindern

Methanol ist das Problem. Während in der EU der Methanol-Gehalt für Obstbrände – je nach Kategorie – bis zu 1350 Gramm je Hektoliter reiner Alkohol betragen darf, haben die Chinesen diesen auf nur gerade mal 200 Gramm angesetzt. Das Ziel sei klar. Die Chinesen wollen den Import von Obstbränden als mögliche Konkurrenz zu ihren klaren Reisschnäpsen verhindern. Zudem habe die Regierung gemerkt, dass die Chinesen Alkohol nicht gut vertragen, weil sie genomisch anders veranlagt seien als zum Beispiel Europäer. Er habe Situationen erlebt, wo Chinesen nach ein paar Gläsern einfach unter den Tisch gekippt seien, wie ein Chinakenner und Getränkehersteller sagte.

Doch nicht nur die Volksgesundheit liegt den chinesischen Behörden am Herzen, sondern auch der wirtschaftliche Vorteil. So habe China zum Beispiel bei der Weinproduktion aufgeholt. Momentan liegt noch Spanien mit einer Million Hektaren Rebbaufläche auf Platz eins, doch in China wird schon fast die gleiche Fläche mit Reben bepflanzt sein, wobei der Fokus noch eher auf der Versorgung des Inlandmarktes mit Tafeltrauben liegt und weniger bei der Weinproduktion.

Gemeinsam aktiv werden

Nicht nur die Behörden und ihre Bewilligungsflut machen den Schweizer Alkoholherstellern Sorge. Auch die Geschäftsmentalität vieler chinesischer Firmen lasse guten Handel nicht zu, sagt zum Beispiel Jérôme Leupin, Direktor von La Cave de Genève SA, der in China in den Markt einsteigen wollte. Mit dem Distributor sei schon ein Vertrag unterschrieben gewesen, doch dann habe plötzlich Funkstille geherrscht. Auch nach mehrmaligem Nachfragen sei der Kontakt tot gewesen, so Leupin. Die Firma Etter Söhne AG Distillerie aus Zug ist spezialisiert auf Fruchtbrände und möchte diese auch nach China exportieren. Doch aufgrund der hohen Hürden und Importbestimmungen in China wird zur Zeit nur in kleinem Rahmen der «Johnett Whisky» exportiert, wie die Etter-Exportverantwortliche Priska Betschart sagt.

Bekannte Probleme angehen

Krystyna Marty erklärte, die Probleme seien bekannt, doch die Schweiz sei zu klein, um alleine aktiv zu werden. Man müsse gemeinsam mit der EU vorstellig werden. Auch Werner Albrecht vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft der EU Kommission war dieser Ansicht. Ein normal und ohne Tricks gebrannter Obstbrand könne zum Beispiel mit den aktuell gültigen Methanol-Gehalten nicht nach China exportiert werden. Albrecht schlug vor, gemeinsam mit der EU oder der «spiritsEurope», der Dachorganisation der europäischen Spirituosenhersteller, aktiv zu werden. Dort sei auch die Schweiz als Beobachter integriert. Für Albrecht und viele andere Hersteller habe die EU nicht das nötige Gewicht.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch