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Heumilch auf dem Vormarsch

Vor gut anderthalb Jahren wurde die erste Milch unter dem Label Heumilch abgefüllt. Seit dem Einstieg von Coop wächst das Label ungebremst. Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass die Erfolgsstory weiter geht.

von Hans Peter Schneider

«Heumilchprodukte werden aus Überzeugung gegessen», sagt Heumilch-Präsident Walter Münger an der Medienkonferenz in Luzern. Damit dies so bleibt und damit vor allem der Absatz ausgebaut werden kann, setzt der Verein Heumilch seit kurzer Zeit auf den Grossverteiler Coop, der Heumilchprodukte als Eigenmarke in den Regalen führt.

Heumilch könne nur erfolgreich sein, wenn möglichst viele Produkte im Regal seien, ist Münger überzeugt. Bis jetzt werden 17 Produkte unter dem Label verkauft. Dazu gehören Käse, Butter, Rahm und Jogurt von 22 Milchverarbeitern. Alle Marketingmassnahmen für die Promotion der Heumilchprodukte – «das kostet», sagte Münger. Darum sei der Schritt mit Coop entscheidend. Eine nationale Listung von Heumilchprodukten wäre sonst nie erreicht worden. Im November 2016 hat Coop anfänglich Heumilch in Flaschen aus der Neuen Napfmilch erst regional gelistet. Seit der Lancierung sei das Wachstum sehr stark. Momentan würden zwar erst rund 10 Millionen Liter Milch im Heumilch-Kanal verkauft. Die Vision vom Heumilch-Verein ist ambitiös: 100 Millionen sollen dereinst abgesetzt werden.

André Bernet, der Geschäftsführer von Heumilch Schweiz, sagte:

«Am liebsten ist uns, wenn der gewerbliche Milchverarbeiter auf Heumilchprodukte setzt.»

Präsident Münger meinte, dass eigentlich alle Rohmilchäse mit dem Label ausgezeichnet werden sollten. Der Heumilch-Verein hat bereits die Sortenorganisation Sbrinz vom Label überzeugt. Seit Juni 2017 wird der Sbrinz mit dem Label geschmückt. Auch der Emmentaler ist im September zum Verein gestossen. Dass diese beiden Sorten im Verein seien, sei nicht selbstverständlich, sagte Bernet. Das Label Heumilch sei nur so stark wie seine Mitglieder. Entscheidend für den Erfolg sei gemäss Bernet auch, ob die Mitglieder auch Innovationen bringen würden und ihre Produkte offensiver ausloben würden.

Offensiv will auch Yves Grüninger, Category Manager Mopro von Coop vorgehen. Er wünsche sich weitere Heumilchprodukte zu den bisher gelisteteten 17  Produkten. Die Kunden könnten mit starken Labels, die einen Mehrwert aufweisen, abgeholt werden. Schon jetzt sei jeder dritte Liter verkaufte Milch ausgelobt als «Mehrwertmilch». «Wenn das Heumilch-Label noch auf Bio setzen würde, dann hätten wir alle gewonnen», sagte Grüninger. Differenzierung lasse es auch zu, dass man sich gegen Hauptkonkurrenten absetzen könnte. Coop sei bereit, das Label zu stärken, in diesen Tagen will der Grossverteiler damit beginnen, an Ständen in den Läden das Label den Konsumenten zu erklären. Später sollen die Heumilchprodukte in Wellen beworben werden.

Münger betonte, dass das Label dank der Produktion wirklich einen Mehrwert bringe. Anders als beim Original, dem Heumilch-Gütesiegel der Österreicher, werde zum Beispiel das Tierwohl entscheidend gefördert mit dem Entscheid, die Kühe nur noch nach Raus- und BTS-Richtlinien zu halten, oder mit dem Verbot des präventiven Antibiotika-Einsatzes. Prüfen müsste man auch Vorgaben, wie etwa diejenige, welche die Bio-Suisse-Delegierten mit der Reduktion des Kraftfutters auf fünf Prozent fällten, sagte Bernet.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch