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«Die roten Linien wurden eingehalten»

Sabo-CEO Lorenzo Centonze sieht keine Gefahr, dass durch Freihandel mit Indonesien einheimisches Öl verdrängt werden könnte. Er setzt mit seiner Firma auf gesunde Öle und neue extrudierte Produkt

von Hans Peter Schneider

Lorenzo Centonze: «Wir dürfen die riesige Erfolgsstory von Schweizer Raps keinesfalls dämonisieren.» (Bild zvg)

Alimenta: In den letzten Jahren investierte Sabo 25 Millionen Franken in den neuen Set-up der Produktionsstätte in Horn. Somit werden Sie noch lange in der Schweiz Öl produzieren?
Lorenzo Centonze: Die neue Eigentümerschaft der Oleificio Sabo bekennt sich zum Standort Schweiz, als Bestätigung dafür haben wir unseren Mietvertrag für die Räumlichkeiten in Horn mit der Familie Bordoni um 20 Jahre verlängert.

Aber Sie haben auch einen Teil der Produktion in Rumänien.
Ja. In den Jahren 2012 bis 13 haben wir die zwei Schweizer Standorte konsolidiert, Manno im Tessin geschlossen und in das Werk in Horn integriert. In diesen Jahren hat die Gründerfamilie mit Soloverde eine neue Produktionsstätte in Stamora Germana in der Nähe von Temeschwar in Rumänien errichtet. Oleificio Sabo pflegt heute eine enge strategische Partnerschaft mit Soloverde, die für einen Teil unseres Bioanbaus verantwortlich ist.

Wie hoch ist der Anteil an Bio?
Ungefähr 35 Prozent des Gesamtumsatzes. Nebst den Importen fördern wir auch den Bioknospe-Anbau im Inland, welcher sich von Jahr zu Jahr äusserst positiv entwickelt. Diese Ölsaaten werden im Werk Horn verarbeitet und durch unsere Kundschaft in der Schweiz vermarktet.

Rapsöl gilt ja mittlerweile auch schon als Superfood. Raps ist jedoch im konventionellen Anbau auch eine pestizidintensive Kultur. Sehen Sie dies als Gefahr für das Image von Raps an?
Nein, auf keinen Fall. Raps ist ein sehr gesundes Öl, dank intensiver Forschung benötigen die neuen Sorten immer weniger Behandlungen auf dem Feld. Wir dürfen die riesige Erfolgsstory vom Raps in der Schweiz keinesfalls dämonisieren. Wir haben heute einen Marktanteil von über 25 Prozent, obwohl wir fast bei Null gestartet sind. Die ganze Branche kann stolz auf ihre Leistung sein, mit dem Inlandanbau decken wir heute 100 Prozent der Nachfrage.

Können Sie eine Einschätzung wagen, wie sich die Rapsmengen entwickeln werden?
Wenn die Mengen ausgeweitet werden, dann geht es zu Lasten von anderen Kulturen. Die Anbauflächen sind nahezu ausgelastet und der Bauer entscheidet nach seinen wirtschaftlichen Überlegungen, was angebaut wird. Seitens Absatz besteht noch etwas Wachstumspotenzial.

Welche weiteren Trends sehen Sie im Schweizer Speiseölmarkt?
Neue hitzeresistente Rapssorten (HOLL) für das Grundgeschäft sowie kaltgepresste Rapsöle aus lokaler Produktion stossen auf grosses Marktinteresse. Weitere Trends zeichnen sich im Bereich der Spezialöle mit hohem Gehalt an Omega-Fettsäuren ab. Speziell für diesen Bereich führen wir die exklusive Sortimentslinie Grands Crusmit über 20 ausgesuchten Ölsorten.

Mit Indonesien hat die Schweiz kürzlich ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Ist dies keine Gefahr für den Schweizer Ölmarkt?
Wir verarbeiten kein Palmöl und ich gehe davon aus, dass die Mengen an Palmöl aus Indonesien nicht signifikant steigen werden. Somit sollte es auch keine Verdrängung von einheimischen Ölen geben. Die roten Linien wurden vorgängig definiert und wurden auch vom Seco eingehalten.

Wie stehen Sie zum neuen Verband Primavera?
Dieser Verband vertritt unsere Interessen in der ersten Verarbeitungsstufe und garantiert, dass wir unsere Anliegen einbringen können. Dies ist wichtig, denn wenn alles durchgesetzt würde, was in der AP 2022+ steht, dann gäbe es in ein paar Jahren keinen Rapsanbau und keine erste Verarbeitungsstufe mehr in der Schweiz. All das, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, würde verschenkt.

Sabo produziert immer mehr Nischenprodukte. Damit sind Sie nicht mehr «nur» ein Unternehmen der ersten Verarbeitungsstufe.
Unser Grundgeschäft bleibt die Verarbeitung der inländischen Ölsaaten. Ohne dieses Mengengeschäft können wir in der heutigen Form nicht überleben. Damit gewisse Klumpenrisiken minimiert werden können, bauen wir den Nischenmarkt mit Premiumprodukten und Innovationen weiter aus.

Mit welchen Produkten?
Die Nachfrage nach neuen vegetarischen Produkten ist riesig. Wir haben uns das Ziel gesetzt, unser Produktportfolio mit neuen Proteinen und innovativen Mischungen weiter auszubauen. Eine Diversifizierung haben wir mit unseren extrudierten Proteinen erreicht. Zum Beispiel werden wir ab Januar ein Sonnenblumenextrudat lancieren. Danach wird eine Reihe von neuen, veganen Lebensmitteln folgen. Unsere Hauptmärkte sind in Italien, Deutschland und Frankreich, wo die Märkte fortgeschrittener sind als in der Schweiz. Gewisse Trends kommen mit Verspätung in die Schweiz – aber sie kommen.

Sie haben jetzt mit «Trudi» in eine Extrusionsanlage investiert. Was erhoffen sie sich davon?
Wir hoffen, dass wir neue Marktsegmente erschliessen können. Bisher mussten wir vorsichtig sein bei neuen Kundenakquisitionen, weil die Kapazitäten fast ausgelastet waren. Zudem können wir mit der höheren Kapazität auch Zeit gewinnen, um neue Produkte zu entwickeln.

Mit einem Anteil von 35 Prozent ist Sabo stark mit biologischen Lebensmitteln. Bio Suisse erlaubt aber gar keine extrudierten Produkte. Wie geht das zusammen?
Wir produzieren im Moment ausschliesslich Bio nach EU-Verordnung. Es ist eine verpasste Chance, dass Bio Suisse die Extrusion bis heute nicht bewilligt. Wir sind aber mit Bio Suisse im Gespräch. Eine Arbeitsgruppe wurde gegründet und wir sind sehr zuversichtlich. Wir sollten nicht das Verfahren, sondern die Nachhaltigkeit in den Fokus setzen.

hanspeter.schneider@rubmedia.ch