Datum: Technologie:

Ein nachhaltiger Speiseplan für die ganze Welt

Wie werden 10 Milliarden Menschen satt, ohne dass dabei unser Planet kaputt geht? Experten fordern eine radikale Änderung unserer Essgewohnheiten und der Landwirtschaft.

von Stephan Moser

Die nachhaltige Ernährung der Menschheit muss jetzt angepackt werden, mahnen Forscher. (Symbolbild Pixabay)

Die gute Nachricht vorneweg: Die Welt könnte auch zehn Milliarden Menschen ernähren, ohne dass ihr der ökologische Kollaps droht. Zu diesem Schluss kommen 37 Wissenschafter aus 16 Ländern, die drei Jahre lang der Frage nachgingen, wie unsere Ernährung aussehen muss, damit sie sowohl für die Menschen wie auch die Erde gesund ist. Das Resultat veröffentlichten sie Mitte Januar im medizinischen Fachblatt «The Lancet».

Weniger Fleisch, mehr Nüsse

Damit das gelinge brauche es allerdings einen radikalen Wechsel in der Landwirtschaft – und auf unseren Tellern, schreiben die Forscher. Viel weniger Fleisch, dafür massiv mehr Früchte, Gemüse und Nüsse: So sieht der ideale Speiseplan laut den Forschern aus. Konkret empfehlen sie pro Tag maximal 14 Gramm rotes Fleisch, dafür 300 Gramm Gemüse, 200 Gramm Früchte, 232 Gramm Getreide und  250 Gramm Vollmilch. Statt vom Rind oder Schwein sollen die benötigten Proteine künftig Geflügel (29 Gramm), Fisch (28 Gramm), Eier (14 Gramm), vor allem aber Nüsse (50 Gramm) und Leguminosen (50 Gramm) liefern.

«Nicht jeder auf der Welt muss exakt das selbe essen», erklären die Autoren . Die vorgeschlagenen Mengen seien eine Richtlinie, die je nach Kultur, Geografie und Demografie angepasst werden könnten.

Die Forscher haben mit ihren Empfehlungen die Gesundheit der Menschen und der Natur im Blick. Beides liegt laut der Studie im Argen:  Während 820 Millionen Menschen Hunger leiden, sind 2,4 Milliarden Menschen übergewichtig oder gar fettleibig. Zudem ist die Nahrungsmittelproduktion weltweit für 30 Prozent der Treibhausgase verantwortlich und verbraucht grosse Mengen an Land und Trinkwasser. Das Problem forciert sich, weil bis 2050 schätzungsweise 10 Milliarden Menschen auf der Welt leben werden. «Die Art, wie wir uns ernähren, ist eine der Hauptursachen des Klimawandels, des Rückgangs der Artenvielfalt und der nichtübertragbaren Krankheiten (Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen)», erklärte Professor Tim Lang, Mitautor der Studie, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Mit der vorgeschlagenen Diät liessen sich jährlich 11 Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern.

Kampf der Lebensmittelverschwendung

Neben dem Konsumenten sehen die Forscher vor allem die Landwirtschaft in der Pflicht. Diese müsse nachhaltiger und gleichzeitig produktiver werden. Ernteerträge sollen mit trockenheitsresistenteren Pflanzen und besserer Bewässerung gesteigert werden. Es dürfe aber nicht noch mehr Natur in Ackerland umgewandelt werden und die Überfischung müsse gestoppt werden. Zudem sei es nötig, gegen Foodwaste vorzugehen. Die Menge der Lebensmittel, die bei der Produktion verloren gehen oder weggeworfen werden, soll halbiert werden.